BVB-Nationalspieler Mats Hummels ist ein Kopfballungeheuer. © imago images/kolbert-press
Borussia Dortmund

BVB-Kopfballriese Mats Hummels „wie ein Ballmagnet“ bei Standards – Hilft er auch Löw?

Fußball wird im Kopf entschieden? Eine gewagte These. Aber der Kopf kann entscheidend helfen, wie ein Blick auf die Daten von BVB-Kopfballriese Mats Hummels belegt.

Oliver Bierhoff lobte Rückkehrer Mats Hummels für seine Führungsstärke, für seine Erfahrung und dann auch, nicht zuletzt, für seine Kopfballstärke. Der Dortmunder, berichtete der Sportdirektor aus der Datenanalyse-Runde beim DFB, habe in der Bundesliga die meisten ersten Ballkontakte nach Ecken aufgewiesen. Hummels ist der Herr der Lüfte. Das belegen auch die Statistiken, die die Ruhr Nachrichten vom Dienstleister Deltatre auswerten.

Auch wegen Hummels: BVB stellt die kopfballstärkste Defensive der Liga

Einige beispielhafte Fakten vorweg: Borussia Dortmund stellte in der abgelaufenen Saison über die kopfballstärkste Defensive der Liga, gewann 65 Prozent aller Luftduelle. Abwehrchef Hummels blieb Sieger in 75 Prozent seiner 224 Kopfballduelle, steigerte seine Quote aus dem Vorjahr (70 Prozent) noch einmal deutlich. Einzig Schalkes Abwehrriese Salif Sane war mit 78 Prozent noch minimal besser. Allerdings nicht in der Offensive: Mit fünf Treffern gehört Hummels zu den torgefährlichsten Verteidigern der Liga, liegt mannschaftsintern auf Rang vier. Wenig überraschend: Drei Tore erzielte der 1,91 Meter große Weltmeister von 2014 mit dem Kopf, bei 15 Versuchen.

In Abwehr und Angriff nutzte der BVB die Lufthoheit von Hummels konsequenter aus denn je. Bei gegnerischen Standardsituationen ließ der BVB die wenigsten Torschüsse aller Bundesligisten zu (63, nochmal eine Steigerung gegenüber den 76 in der Vorsaison). Ein entscheidender Faktor: Während die meisten anderen Borussen mit einer klaren Zuordnung der Gegenspieler feste Aufgaben übernahmen, konnte Hummels als „freier Mann“ mit Antizipation, Sprungkraft und Durchsetzungsvermögen die überwiegende Mehrheit der Freistoßflanken und Ecken klären. „Er ist bei Standards wie ein Ballmagnet“, erklärte ARD-Chefanalyst Thomas Broich im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

BVB-Abwehrchef Hummels soll auch der DFB-Defensive helfen

Als einer der Top-3-Zweikämpfer der Liga bietet Hummels neben seiner herausragenden Qualität in den direkten Duellen und seinem feinen Füßchen in der Spieleröffnung (Broich: „Links wie rechts, innen oder außen, No-look-Steckpass, diagonaler Flugball oder Chip hinter die Abwehr“) auch die Oberhand in den oberen Etagen. Was Borussia Dortmund geholfen hat, soll jetzt auch dem DFB zugutekommen: Waren bei Joachim Löw als einem Verfechter des ästhetischen Spiels Standardsituationen lange ein Randaspekt, hat der Bundestrainer vor der Europameisterschaft bereits durchblicken lassen, dass ruhende Bälle neben dem allgemeinen Defensivverhalten ein wesentlicher Bestandteil der Trainingsarbeit sein werden. „Das ist total ausbaufähig und wird natürlich auch sicherlich ein Schwerpunkt werden“, erklärte Joachim Löw. „Aus Standards haben wir in den letzten zwei, drei Jahren einfach zu viele Tore bekommen.“ In der Offensive bieten sich bei den Servicekräften in Toni Kroos, Joshua Kimmich oder Ilkay Gündogan mehrere Kandidaten an.

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Löw wird sicher die WM 2018 auch in dieser Hinsicht analysiert haben. 73 der 169 und damit 43 Prozent aller Treffer fielen in Russland nach Standards. Die Engländer stellten mit neun Standard-Toren einen Turnierrekord auf, der sie bis ins Halbfinale spülte. Da lag Fußball-Deutschland längst in Agonie. Seitdem hat Deutschland nur drei Tore nach Standards erzielt, hat die Sportschau ausgerechnet, zwei Treffer sind die schlappe Ausbeute von 167 Ecken. Löw ließ durchblicken, dass sein Team diesen immer wichtiger werdenden Aspekt des Spiels tief analysiert habe. Auf Top-Niveau sind ruhende Bälle immer öfter entscheidend.

BVB-Abwehrchef Hummels kann Spiele mit dem Kopf entscheiden

Und nicht nur Bierhoff erinnerte sich jetzt in Seefeld an die WM 2014. Hummels traf zweimal nach ruhenden Bällen, zum 2:0 gegen Portugal (Endstand 4:0) und zum 1:0 im engen Viertelfinale gegen Frankreich. Und das Gegenstück dazu vom Sommer 2018: Im dritten Vorrundenspiel der WM vergab Hummels in der 87. Minuten beim Stand von 0:0 eine große Chance nach Flanke von Mesut Özil, der Ball sprang ihm mehr an die Schulter, weil er zu viel Wucht hineinlegen wollte. Es folgte kurz darauf das Aus statt des Achtelfinals. „Dieser Kopfball hat mich verfolgt“, sagte Hummels später in einem Kicker-Interview. Seine Erklärung im Nachhinein: „Ich glaube, ich wollte viel zu viel Wucht in diesen Ball reinbringen, die aus dieser Distanz gar nicht nötig war.“ Er habe versucht, „den Ball mit 100 km/h reinzuschädeln“.

Spiele werden eben nicht allein im Kopf entschieden – aber manchmal mit dem Kopf.

Testspiel: Deutschland gegen Dänemark

  • Die deutsche Nationalmannschaft spielt am Mittwochabend ein Testspiel gegen Dänemark.
  • Anpfiff ist um 21 Uhr im Tivoli-Stadion Tirol in Innsbruck
  • Im Free-TV wird die Partie von RTL übertragen. Die Sendung startet um 20.15 Uhr.
Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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