BVB-Kapitän Marco Reus (r.) erzielt gegen Armenien den Treffer zum 3:0. © imago / Jan Huebner
Borussia Dortmund

BVB-Kapitän Reus überzeugt bei DFB-Comeback – doch das kann nur ein Anfang sein

Marco Reus steht gegen Armenien nach fast zwei Jahren wieder in der Startelf des DFB-Teams. Der BVB-Kapitän avanciert zu einer der prägenden Figuren. Das kann aber nur ein Anfang gewesen sein.

Hansi Flick sollte nach dem 6:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Armenien natürlich auch zur Leistung von Marco Reus Stellung beziehen. Reus hatte vom neuen Bundestrainer nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Kai Havertz sein erstes Startelf-Mandat in der DFB-Elf seit knapp zwei Jahren erhalten und ein starkes Spiel abgeliefert. Wahrscheinlich hätte Flick dies genau so beschrieben, doch dazu kam es am späten Sonntagabend nicht. In der virtuellen Fragerunde mit den Journalisten streikte die Technik. Im Presseraum der Mercedes-Benz-Arena kam die Frage beim Bundestrainer nicht an. Flick hörte nur ein Rauschen.

Die Zahlen und Eindrücke sprachen auch so für sich. Reus traf zum 3:0 per sehenswertem Dropkick, er bereitete den zweiten Treffer von Serge Gnabry mit einer scharfen Hereingabe vor, er legte den Ball zum Lattenschuss von Leroy Sane auf. In der ersten halben Stunde dieses Spiels avancierte Reus neben Doppel-Torschütze Serge Gnabry und Leon Goretzka zur zentralen Figur im deutschen Spiel.

Flick setzt BVB-Kapitän Reus auf seiner Lieblingsposition ein

In der zentralen Mittelfeldposition fühlte sich der Dortmunder Kapitän auch im Dress der Nationalmannschaft unübersehbar wohl und bestätigte seine gute Form aus der Frühphase der Bundesliga-Saison. Flick bereitete das sichtbar große Freude, er beklatschte jede gelungene Aktion des BVB-Kapitäns. In einem persönlichen Gespräch hatte der Löw-Nachfolger Reus von seinen Ideen „sehr schnell überzeugt“, wie der 32-Jährige unlängst betonte. Sollten Rücktrittsgedanken im Kopf des BVB-Kapitäns herumgeschwirrt haben, drängte der neue Chef-Trainer sie mit Entschlossenheit zur Seite.

Ohnehin aber brauchte es wohl nur einen kleinen Stupser, um Marco Reus die Weiterführung seiner DFB-Karriere schmackhaft zu machen. Noch immer ist die Diskrepanz zwischen der Zahl seiner Länderspiele und der der Spiele, die er verletzungsbedingt verpasste, viel zu groß. Vor der Partie gegen Armenien wurden die Münchner Manuel Neuer und Thomas Müller für jeweils 100 Länderspiele im DFB-Trikot geehrt. Das ist noch immer eine magische Marke, die nur verdiente Spieler erreichen, die lange Jahre auf hohem Niveau agiert haben. Reus hätte in dieser Reihe ebenfalls stehen können, wenn er in der Vergangenheit nicht so oft hätte passen müssen, weil die Gesundheit streikte. Die Geschichte ist oft erzählt worden, die Gründe sind hinlänglich bekannt.

BVB-Kapitän Reus: 46. Einsatz und 14. Tor im DFB-Trikot

So war das 6:0 gegen einen an diesem Abend chancenlosen Gegner aus Armenien erst der 46. Einsatz von Marco Reus im deutschen A-Team, er schoss erst sein 14. Tor. Werte, die er in den kommenden Monaten ausbauen kann und will. Er sei ausgeruht, hat Reus in den Tagen in Stuttgart gesagt, „mir hat die Pause gutgetan.“ Er sei angereist, „dass wir gut loslegen und frischen Wind reinbringen.“ Und natürlich sehe er sich auch in einer tragenden Rolle. „Ich bin in diesem Kreis einer der Ältesten und Kapitän einer Vereinsmannschaft. Ich will Verantwortung übernehmen.“

Marco Reus (3.v.l.) soll unter Hansi Flick eine tragende Rolle im DFB-Team übernehmen. © imago / Schüler © imago / Schüler

Das ist ganz in Flicks Sinne, der, anders als sein Vorgänger, willens scheint, seine Mannschaft um Reus herumzubauen und ihm die Position anzubieten, die dem Dortmunder am meisten liegt und in der er seine Stärken am besten zur Geltung bringen kann: im zentralen Mittelfeld, mit den entsprechenden Freiheiten, was den Aktionsradius anbelangt. Er sei, hat Flick am Anfang der Tage in Stuttgart über Marco Reus gesagt, immer noch eine der herausragenden Figuren auf dieser Position. In Havertz befruchtet ein deutlich jüngerer Positionskonkurrent den Zweikampf auf dieser Position, das dürfte dem Team insgesamt guttun.

EM-Verzicht von Marco Reus war eine weitsichtige Entscheidung

Spielt Reus so wie am Sonntag, wird der ehemalige Leverkusener es schwer haben, ihn zu verdrängen. Doch im telefonischen Austausch zwischen Flick und Reus war auch Thema, wie Flick die Belastung für den mittlerweile 32-Jährigen verteilen kann. Reus hat im Sommer auf die Europameisterschaft verzichtet, weil er nach einer intensiven Saison in Dortmund die Pause dringend benötigte, weil er das Gefühl hatte, dass ein weiterer Sommer ohne Erholung nachhaltige Auswirkungen auf seine Gesundheit und seinen Wert für seinen Klub in Dortmund haben könnte.

Es war eine Entscheidung, die bei so manchem für Stirnrunzeln gesorgt hatte, die manche auch schon als versteckten Rücktritt interpretierten. Sie hat sich vor allem aber sehr schnell als kluge und weitsichtige Entscheidung herausgestellt. Reus hat in Dortmund bislang keine Einheit versäumt, er wirkt fit und ausgeruht für die anstehenden Belastungen. Diesen Eindruck vermittelte er auch im Kreis der Nationalmannschaft, wo er zweifelsfrei noch Nachholbedarf hat, was seinen Einfluss auf das Spiel anbelangt. Dass Flick behutsam mit Reus‘ „Ressourcen“ umgehen will, deutet auch seine Auswechslung am Sonntag nach einer Stunde Spielzeit an.

Das DFB-Team benötigt einen Marco Reus in Top-Form

Nun werden größere Herausforderungen kommen als sie der 86. der FIFA-Weltrangliste am Sonntag darstellte. „Wir müssen bereit sein, dann unsere beste Leistung abzurufen“, hat Flick zur langfristigen Entwicklung gesagt. Es ist ein Satz, der auch für Marco Reus gilt. Bei allem Lob für seinen Auftritt gegen Armenien: Auch der DFB braucht einen Marco Reus in Top-Form, wenn es in 14 Monaten bei der WM in Katar darum gehen wird, Deutschland wieder an die Weltspitze heranzuführen.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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