Auch gegen Hoffenheim der BVB-Matchwinner: Erling Haaland. © imago / Moritz Müller
Meinung

BVB kann nach 3:2-Sieg durchatmen – doch einige Schwachstellen bleiben

Der BVB rettet in letzter Sekunde den Sieg gegen Hoffenheim und kann durchatmen. Doch der späte Treffer und der Siegeswille dürfen nicht über die Schwächen hinwegtäuschen. Kevin Pinnow kommentiert.

Bedingungslosigkeit. Die hatte BVB-Trainer Marco Rose im Vorfeld des Heimspiels gegen die TSG Hoffenheim immer wieder gefordert. Beim Bundesligaauftakt gegen Frankfurt war sie zu sehen, gegen den SC Freiburg fehlte sie komplett. Und jetzt? Jetzt war sie wieder da – zumindest in den letzten Augenblicken des Spiels, als der BVB alles reinwarf, um diese Partie noch zu seinen Gunsten zu drehen.

Denn gefühlt war der Ball in der Nachspielzeit schon dreimal geklärt. Doch Borussia Dortmund hat ihn nicht verloren gegeben. Die Schwarzgelben haben bedingungslos nachgesetzt, bedingungslos gekämpft. Bis der Ball endlich drin war und der Jubel beim Torschützen, der Mannschaft, dem Trainer und dem ganzen Stadion keine Grenzen mehr kannte. So wie es sich Marco Rose gewünscht hatte – und wie er es sich auch in Zukunft immer wünschen wird.

Dass Erling Haaland am Ende wieder einmal der Hauptprotagonist, der Matchwinner war, kommt nicht von ungefähr. Er verkörpert diese Bedingungslosigkeit mit jeder Faser seines Körpers. Und der ist bekanntlich groß und breit. Er hasst es, zu verlieren. Er hasst es, ohne Tor zu bleiben. Beides stand relativ kurz bevor. Weil Haaland es gegen die tiefstehende TSG schwer hatte und weil Borussia Dortmund phasenweise zu schläfrig agierte.

Wieder ein Gegentor nach einem Standard für den BVB

Zweimal ging der BVB in Führung, beide mal verspielte er sie. Und das recht fahrlässig. Beim 1:1 schien Raphael Guerreiro, der die Rolle des Außenverteidigers eigentlich recht ordentlich bekleidete, völlig desorientiert. Er hatte Christoph Baumgartner komplett aus den Augen verloren. Das 2:2 offenbarte erneut die großen Schwächen bei Standards. Seit Monaten klingelt es nach Ecken oder Freistößen in großer Regelmäßigkeit. So auch gegen die TSG Hoffenheim.

In der vergangenen Spielzeit wäre dieser Ausgleich in der letzten Minute der regulären Spielzeit mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der K.o. für Borussia Dortmund gewesen. Von Rückschlägen hat die Mannschaft sich nur selten erholt, meist die Köpfe in den Sand gesteckt und sich dem eigenen Schicksal ergeben. In diesem Fall wäre ein Unentschieden dabei herausgesprungen.

Ausgleichstreffer haben den BVB gegen Hoffenheim wachgerüttelt

Doch irgendetwas ist anders. Die BVB-Profis scheinen die Gier nach Siegen in sich zu tragen. Sie muss aber offensichtlich zunächst herausgekitzelt werden, bis sie dann wirklich zum Vorschein kommt. Denn der 3:2-Sieg darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Borussia Dortmund diesen Siegeswillen scheinbar noch nicht über 90 Minuten ausstrahlen kann.

Zwar war der BVB dauerhaft bemüht, diese Partie erfolgreich zu gestalten, hatte die Hoffenheimer größtenteils im Griff und lag auch in allen Statistiken vorne. Dennoch gab es immer wieder Phasen, in denen der BVB die von Rose geforderte Mentalität vermissen ließ. Zum Beispiel nach dem 1:0 durch Giovanni Reyna, als die Dortmunder eigentliche alle Trümpfe in der Hand hatten. Doch sie verloren die Kontrolle, wurden fahrig in ihren Aktionen und luden den Gegner zu Torchancen ein. Erst durch den Ausgleich wurden sie wieder wachgerüttelt. Am Ende ist alles gut gegangen. Der BVB hat sich früh genug an seine Bedingungslosigkeit erinnert. Jetzt muss er das nur noch bedingungslos tun. Und nicht nur phasenweise.

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