Reform

BVB gefordert: Taskforce „Zukunft Profifußball“ spricht Empfehlungen aus

Die DFL hat die Ergebnisse der Taskforce „Zukunft Profifußball“ präsentiert. Das Papier enthält 17 Empfehlungen - auch an den BVB. Vor allem angesichts der Corona-Krise sind sie ambitioniert.
Die Taskforce „Zukunft Profifußball“ fordert einen intensiveren Austausch zwischen den Vereinen und der DFL mit den Fußballfans, damit ihre Belange mehr zum Tragen kommen. © Guido Kirchner (Archiv)

Mitten in der größten Finanzkrise der Bundesliga-Geschichte hat die Taskforce „Zukunft Profifußball“ anspruchsvolle Ziele für das Jahr 2030 ausgerufen und dafür 17 Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte das Gremium im September ins Leben gerufen.

„Mit dem Abschlusspapier machen wir viele zukunftsweisende Reformvorschläge, mit denen einige Schieflagen, die wir in den letzten Jahren im Fußball erleben mussten, ernsthaft in die richtige Richtung bewegt werden können“, sagte Grünen-Politiker und Taskforce-Mitglied Cem Özdemir der Deutschen Presse-Agentur. „Jetzt liegt der Ball für die DFL auf dem Elfmeterpunkt, das Tor muss sie aber selber schießen. Wir feuern an!“

Interdisziplinäres Gremium fordert mehr Fan-Beteiligung und Engagement im Frauenfußball

Die Ziele für die kommenden Jahre, die das 37-köpfige Gremium mit Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Sport und Zivilgesellschaft benannt hat, sind ehrgeizig. „Bitte fangen Sie an, mit mir zu träumen“, sagte Psychologie-Professorin Heidi Möller am Mittwoch bei der Vorstellung des Ergebnisberichts.

Angestrebt wird bis 2030 unter anderem eine sportlich erfolgreiche und wirtschaftlich gesunde Bundesliga, in der die Menschenrechte geachtet und geschützt werden, eine stärkere Bindung der Fans an die Vereine – die bis dahin durch Maßnahmen zur Nachhaltigkeit breite Bevölkerungsschichten gewonnen haben – sowie ein professioneller Frauenfußball.

DFL-Boss Christian Seifert: „Es ist etwas sehr Besonderes entstanden“

„Der grundsätzliche Ansatz war es, Entwicklungen der Vergangenheit zu diskutieren und zu reflektieren. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, einen breiten und vielstimmigen Diskurs zu initiieren“, sagte DFL-Boss Christian Seifert zur Arbeit der Taskforce. „Es ist etwas sehr Besonderes entstanden. Ein solches Format ist meines Wissens nach einzigartig im gesamten Weltsport.“

DFL-Boss Christian Seifert. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Zu den Handlungsempfehlungen der Taskforce gehören unter anderem ein grundsätzliches Bekenntnis zu Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball inklusive der Einrichtung einer entsprechenden Kommission, die zeitnahe Einberufung einer Arbeitsgruppe zur Stärkung der wirtschaftlichen Stabilität von Profivereinen, die Gründung einer Kommission zur Intensivierung des Dialogs mit unterschiedlichsten Fangruppen, die Förderung von Frauenfußball und Frauen im Fußball, die Deckelung von Spielergehältern und die stärkere Regulierung der Beraterbranche.

Spieler und Trainer sollen intensiver in den Austausch mit Fans treten

Auch innerhalb der Vereine sollen die Fans noch weiter eingebunden werden, rät die Taskforce. So sollen beispielsweise Spieler und Trainer intensiver in den Austausch mit den Anhängern einbezogen werden, gleichzeitig aber auch die Einbindung in die Strukturen der Klubs intensiviert werden. Fans sollten beispielsweise auch in Aufsichtsräten sitzen, lautet eine Empfehlung. Wen die Taskforce dabei genau als Fan definiert und ob sie sich damit auch auf eine Einbindung der aktiven Fanszene bezieht, geht aus dem Papier nicht hervor.

DFL-Chef Christian Seifert merkte bei der Pressekonferenz an, dass die Vereine in allen angesprochenen Prozessen an unterschiedlichen Punkten stünden. Der BVB pflegt beispielsweise über seine Fanabteilung oder über den Fanrat den Kontakt mit den organisierten Fan-Gruppen. Letzterer ist aber kein offizielles Gremium von Borussia Dortmund und versteht sich selbst als Bindeglied zwischen Anhängern, Verein und KGaA.

Mitglieder des BVB sind in der Taskforce vertreten

In Jan-Henrik Gruszecki, der wie Ramona Steding vom BVB-Fanszine schwatzgelb.de Teil der Taskforce war, hatte man bei Borussia Dortmund zuletzt die neu geschaffene „Stabsstelle Strategie und Kultur“ mit einen ehemaligen BVB-Ultra besetzt. Ein Mitglied im Aufsichtsrat aus der aktiven Fanszene gibt es bei der Borussia allerdings nicht.

„Der Austausch in der Task Force war für alle Seiten konstruktiv und gewinnbringend, auch weil dort verschiedene Interessengruppen miteinander kontrovers diskutiert haben“, sagte Gruszecki am Mittwoch nach der Vorstellung der Ergebnisse. Es sei ein guter erster Schritt in die richtige Richtung, um das Kulturgut Fußball zu manifestieren. „Das klare Bekenntnis zur 50+1-Regel ist ein wichtiges Signal. Diese Brandmauer steht, auch wenn es manchmal schon brennt. Aber sie steht und beschützt das große Ganze.“

Um die Belange der Fans besser zu verstehen, rät die Taskforce, eine empirische Studie zu Fan-Interessen zu erstellen. Außerdem sollen Fans über digitale Formate stärker einbezogen und zu ihrem Meinungen befragt werden.

DFL-Chef Christian Siefert wirbt um Geduld

„Gemessen werden wir, die DFL und die Clubs, an der Umsetzung. Es ist nun an uns zu überlegen, wie wir diesen wertvollen Prozess in die Zukunft tragen und zum Leben erwecken können“, sagte Seifert. Der 51-Jährige warb dabei aber um Geduld. „Die Ideen sind Leitplanken, die es nun gilt, in die Zukunft zu bauen. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, wir sind nach wie vor in einer immensen Krise. Ein Zweitligist, der momentan um den Klassenerhalt kämpft, kann nicht von heute auf morgen 17 Maßnahmen umsetzen.“

Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga werde sich aber intensiv mit den Handlungsempfehlungen beschäftigen und prüfen, welche der vorgeschlagenen Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden sollten. Die finale Entscheidung darüber obliegt den 36 Erst- und Zweitligisten.

Kurzfristig genieße für die Vereine das Überleben in der Corona-Krise höchste Priorität. „Die wirtschaftliche Stabilität in dieser außergewöhnlichen Phase ist von besonderer Bedeutung. Das Thema hat jeder Verein und die DFL auf dem Schirm“, sagte Seifert. „Wir werden uns sehr intensiv damit beschäftigen.“

Taskforce „Zukunft Profifußball“ will interdisziplinären Dialog fortführen

Fest steht auch: Der interdisziplinäre Dialog soll in jedem Fall fortgeführt werden. „Wir verstehen den zusammenfassenden Ergebnisbericht nicht als Ende des Austauschs“, sagte Seifert, „sondern als Auftakt eines kontinuierlichen Prozesses der Kommunikation mit elementaren Anspruchsgruppen des Profifußballs.“ Dafür warb auch Bundesligaprofi Andreas Luthe vom 1. FC Union Berlin: „Wir haben den Scheinwerfer auf gewisse Themen ausgerichtet. Wichtig, ist, dass es jetzt weitergeht.“

mit Material von dpa

Die 17 Handlungsempfehlung der Taskforce:

  • Grundsätzliches Bekenntnis zu Nachhaltigkeit im deutschen Profifußball
  • Einrichtung einer Kommission Nachhaltigkeit und Verantwortung
  • Ausarbeitung eines verbindlichen Wertegerüsts/Verhaltenskodex und Menschenrechtskonzepts
  • Identifizierung neuer strategischer Partnerschaften mit Fokus auf nachhaltigem und verantwortungsvollem Handeln und Wirtschaften
  • Umsetzung bundesweit sichtbarer Kampagnen und Einführung von Awards
  • Zeitnahe Einberufung einer Arbeitsgruppe zur Stärkung wirtschaftlicher Stabilität von Profifußballclubs
  • Einsatz für Reformen auf europäischer oder globaler Ebene in Zusammenarbeit mit der Politik
  • Evaluierung von Strukturen für kontrollierte strategische Investitionen im Rahmen von 50+1
  • Einleitung politischer und verbandsrechtlicher Schritte zur stärkeren Regulierung der Beraterbranche
  • Bereitstellung eines Beratungsangebots für (Jugend-)SpielerInnen und deren Familien
  • Gründung einer DFL-Kommission zur Intensivierung des Dialogs mit unterschiedlichsten Fangruppen
  • Ausarbeitung von Kriterien für einen konstruktiven Klub-Fan-Dialog
  • Optimierung von Austauschformaten und Benchmarking-Prozessen
  • Förderung von Frauenfußball
  • Förderung von Frauen im Fußball
  • Umsetzung weiterer Maßnahmen zur langfristigen Nachwuchsförderung
  • Institutionalisierung interdisziplinärer Dialogstrukturen

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