Doppelpack gegen Bremen: BVB-Torjäger Erling Haaland (l.). © imago / Kirchner-Media

BVB-Einzelkritik: Haaland und Reyna melden sich zurück – Bellingham resolut

Erling Haaland trifft endlich wieder, Giovanni Reyna meldet sich nach langer BVB-Formkrise zurück. Auch Jude Bellingham weiß beim 4:1 gegen Werder Bremen zu überzeugen. Die Einzelkritik.

Marwin Hitz: Nach dem Weitschuss von Manchesters Phil Foden, der nicht unaltbart schien, wuchs die Kritik am Schweizer prompt, und auch beim 0:1 gegen Bremen stellte sich die Frage, ob Hitz den Schuss von Milot Rashica nicht hätte abwehren können. Allerdings schlug die Kugel aus recht kurzer Distanz knapp neben ihm ein (14.). Zuvor bei Bittencourts Schuss, der tückisch auftickte, auf dem Posten (5.). Danach bis zur Pause beschäftigungslos. Hatte Glück, dass Eggesteins perfekter Schuss nur an den Pfosten klatschte (63.). Mit der Parade gegen Eggesteins 25-Meter-Schuss sammelte er Pluspunkte (74.). Note: 3,0

Mateu Morey: Bremens Zweiersturm gestattete ihm, sich häufig mit nach vorne einzuschalten. In seinem Kerngeschäft aber mit einer folgenschweren Unaufmerksamkeit. Beim 0:1 hob der Spanier das Abseits auf (14.). Die Wiedergutmachung folgte: Sein Querpass auf Reyna leitete das 1:1 ein (29.). Zur Pause blieb er in der Kabine. Note: 4,0

Manuel Akanji: Mit einigen guten Verlagerungen wie beim Angriff, der den Elfmeter zur Folge hatte. Defensiv hatte er bis zur Pause alles im Griff. Im Verbund mit Hummels ordentlich gegen den eingewechselten Selke, beinahe folgenschwer allerdings sein Fehlpass, der Eggestein ein freies Schussfeld verschaffte. Hitz rettete (74.). „Wir kassieren immer noch zu viele Gegentore. Das sind individuelle Fehler, manchmal stellen wir uns auch als Mannschaft dumm an“, sagte der BVB-Innenverteidiger nach dem 4:1. Note: 3,0

Mats Hummels: In der Luft besaß er die Hoheit, einige gedachte Werder-Anspiele in die Spitze antizipierte er gut. In der Anfangsphase aber, als Werder zielstrebig konterte, kam er im Umschalten nur schwer hinterher. In der Zweikampfführung souverän und bis zur Pause nur einmal zweiter Sieger, als ihm Osaka entwischte (45.+1). Das passierte gegen Sargent dann noch einmal, ohne Folgen (68.). Torgefährlich ist er schon in der gesamten Saison, dass 4:1 (87.) per Kopf nach Ecke von Hazard war bereits sein fünfter Liga-Treffer. Note: 2,5

Raphael Guerreiro: Sein Ballverlust gestattete Werder die erste Chance des Spiels durch Bittencourt (5.), überhaupt kam er schwer in die Gänge und vernachlässigte seine Aufgabe gegen den Ball. Offensiv mit mehr Elan: Schon vor der Hereingabe, die zum Elfmeter nach Foul an Marco Reus führte, mit einer gefährlichen Flanke. Stabilisierte sich, wichtig, dass er Sargents Hereingabe abfing (68.). Note: 3,5

Jude Bellingham: Rückte sehr weit vor und presste bisweilen am gegnerischen Strafraum. Resolut wie immer im Zweikampf, das bekam nicht nur Oasko zu spüren (23.). Auch um Abschlüsse bemüht, sein Schlenzer-Versuch wurde noch geblockt (31.) – nachdem ihn Reyna schön freigespielt hatte, kam sein Schuss etwas zu zentral. Pavlenka wehrte zur Ecke ab (42.). Stopfte mit viel Laufeinsatz auch nach der Pause einige Löcher. Note: 2,5

Mahmoud Dahoud: Schlechtes Positions- und Stellungsspiel zu Beginn, das rief Terzic auf den Plan, der ihn an die Seitenlinie holte und intensiv auf ihn einsprach. Nach einer wilden Anfangsphase etwas besser im Spiel, holte sich einige Bälle sehr tief ab. Dadurch wurde aber auch der Weg zum Werder-Tor weit. Nach gut einer Stunde war sein Arbeitstag beendet. Note: 4,0

Julian Brandt: In Köln zuletzt in der Startelf, danach fanden auch einige Spiele komplett ohne seine Beteiligung statt. Mit einer guten Schusschance, der Ball ging nur knapp vorbei (16.). Das Bemühen war ihm danach anzusehen, seine ersten 45 Minuten waren ein Anfang, mehr aber noch nicht. Ließ Eggestein bei dessen Pfostenschuss zu viel Platz, nach 77 Minuten war Schluss. Note: 4,0

Giovanni Reyna: So spielt man sich aus dem Tief! Mit viel mehr Selbstvertrauen und Zug zum Tor als zuletzt, ihm half das Traumtor zum 1:1, als er den Ball aus 18 Metern einfach in den Winkel drosch (29.). Danach suchte er gegen Moisander immer wieder das Eins-gegen-Eins, mit etwas Glück kam sein Querpass vor dem 3:1 zu Haaland durch, fast identisch die Vorarbeit für Bellingham (42.). Friedl holte ihn dann rüde von den Beinen und war dafür mit Gelb noch gut bedient (59.). Auch sein Pass auf Haaland war sehenswert (64.). Mal wieder ein rundum überzeugender Auftritt! Note: 2,0

Marco Reus: Clever, wie er sich nach der Hereingabe von Guerreiro zwischen Ball und Werder-Defensivspieler Kevin Möhwald schob, der zwar mit dem linken Fuß den Ball touchierte, Reus aber mit dem rechten Bein foulte – ein vertretbarer Elfmeter (33.). Viel unterwegs und anspielbar, bis zur Pause aber noch zu selten in den gefährlichen Räumen unterwegs. Nach der Halbzeit auch torgefährlich, mit zwei guten Abschlüssen binnen 30 Sekunden (55.). Note: 2,5

Erling Haaland: Zunächst wenig eingebunden, wie schon in den vergangenen Spielen. Sicher beim Elfmeter, und er weiß auch trotz einiger torloser Spiele, wo ein Stürmer zu stehen hat. Haaland hat schon schwierigere Treffer erzielt als das 3:1, aber er stand dort, wo er gebraucht wird (38.). Nach Reynas Pass fehlte ihm ein knapper Meter vor dem herausstürzenden Pavlenka. Mit deutlich besserer Körpersprache, erarbeitete sich so drei weitere gute Chancen (80./85./86). Sein Kopfballtreffer fand zu Recht keine Anerkennung (83.) Note: 2,0

Lukasz Piszczek: Zur Pause für Morey eingewechselt, erst sein siebter Bundesliga-Einsatz in dieser Saison. Erledigte seine Aufgabe auf der rechten Seite solide, den eingewechselten Romano Schmid hatte er im Griff. Note: 3,0

Fotostrecke

Bundesliga, 29. Spieltag: BVB – Werder Bremen 4:1 (3:1)

Emre Can (61. für Dahoud), Thorgan Hazard (77. für Brandt), Reinier (88. für Reus) und Steffen Tigges (88. für Haaland) bleiben ohne Note.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
Zur Autorenseite
Avatar