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Meinung

BVB-Dilemma gegen die Kellerkinder: Ein Merkmal fehlender Qualität

Borussia Dortmund lässt beim 1:1 gegen Mainz erneut Punkte gegen ein Kellerkind liegen. Das ist kein neues BVB-Phänomen - und der Grund, warum es für ganz oben wieder nicht reichen wird.

Nein, meinte Marco Reus, der Kapitän der Borussia. Er glaube nicht, dass es an seinen Fehlschüssen allein gelegen habe, dass Borussia Dortmund mal wieder gegen einen Gegner aus dem Bundesliga-Keller Punkte verschenkt hatte. Aber natürlich, so Reus, sei er „ein Teil des Problems“.

Das „Problem“ ist der Fakt, dass der BVB an guten Tagen jedem Gegner der Welt Paroli bieten, ihn manchmal sogar beherrschen kann. An nicht so guten, die erstaunlicherweise in der Häufung vor allem gegen Mannschaften passieren, die der Borussia eigentlich nicht das Wasser reichen können, gibt sie Punkte ab, wo eine Spitzenmannschaft keine Punkte liegen lassen darf. Jedenfalls nicht in dieser unschönen Regelmäßigkeit.

Der BVB verfällt nach dem 0:1 gegen Mainz in Hektik

Es bleibt ein Rätsel, warum dies so ist. Da gibt es Spiele, in denen der BVB nicht einmal das, was man die „Grundtugenden“ des Fußballs nennt, auf den Platz bekommt. Da reichen den spieltechnisch und taktisch eigentlich unterlegenen Kontrahenten dann Einsatz und Aggressivität, um der Borussia den Schneid abzukaufen – und wichtige Zähler abzuluchsen. So war es in dieser Saison in Augsburg (0:2), so war es gegen Köln (1:2), so war es gegen Stuttgart (1:5) und bei Union Berlin (1:2), wobei die Köpenicker allmählich zu einer echten Spitzenmannschaft heranwachsen und damit in dieser Aufzählung eigentlich fehl am Platze sind.

In diese Kategorie fiel die Partie gegen Mainz aber noch nicht einmal. Die erste Hälfte war sehr ordentlich, der BVB schoss elf Mal aufs gegnerische Tor, erzielte einen Treffer aus einer äußerst knappen Abseitsposition heraus und vergab mindestens drei weitere Hochkaräter. Eigentlich fehlte nur das Tor. Unerklärlich hingegen war, warum eine Mannschaft, die so überlegen agiert, dann nach einem Sonntagstreffer des Gegners die Klarheit in ihrem Spiel verliert und in Hektik verfällt.

Ein Merkmal fehlender Qualität bei Borussia Dortmund

Man muss die Niederlage in Berlin nicht mit hinzunehmen, um zu erkennen, dass es für eine Mannschaft mit der Qualität und den Ambitionen der Borussia schon jetzt, kurz vor Ende der Hinrunde, deutlich zu viele Ausrutscher sind. Zu viele Punkte, die der BVB vom eigenen Empfinden her eigentlich sicher auf sein Konto packen müsste, die aber in der Endabrechnung fehlen werden.

Wie man das Dilemma bezeichnet, ist dabei zweitrangig. Wenn immer Glück Können ist, wie es BVB-Berater Matthias Sammer mal formulierte, ist in der logischen Konsequenz immer Pech wohl Unvermögen. Es ist also ein Merkmal von fehlender Qualität, wenn diese Spielverläufe einer Mannschaft immer wieder passieren.

Die Bayern schwächeln – und müssen sich doch kaum Sorgen machen

Und so reicht ein Remis gegen Mainz vielleicht, um sich am Ende trotzdem sicher für die Champions League zu qualifizieren. Mit ziemlicher Sicherheit reicht dieses 1:1 aber nicht, um nachhaltig am Thron der Bayern zu rütteln oder ihn gar nach dem 34. Spieltag zu besteigen.

Apropos Bayern. Eine über die vergangenen Monate ja schon als „unbesiegbar“ titulierte Mannschaft menschelt derzeit so sehr, dass sie sogar im Pokal gegen einen Zweitligisten die Segel streichen muss. Die mit dem weltbesten Torhüter so schwer zu überwindende Defensive ist in der Bundesliga zuletzt im November beim 5:0 gegen Eintracht Frankfurt ohne Gegentor geblieben. Das wären aus Münchner Sicht eigentlich mindestens zwei Gründe, um sich ernsthafte Sorgen zu machen.

BVB-Sieg in Leipzig ist nun nur noch die Hälfte wert

Doch vor ihrem Spiel gegen den SC Freiburg am Sonntag durften die Bayern feixend das 1:1 des BVB registrieren, sie sahen auch, dass Leipzig zum zweiten Mal in Serie nicht gewann. Und Leverkusen, nun ja, hatte die jemand wirklich ernsthaft auf dem Zettel? Und am Sonntag werden die menschelnden Bayern dann trotz ihrer Probleme irgendwie den SC Freiburg besiegen und sich als Sieger dieses Spieltags fühlen.

Fragt man die Bayern, so gelten ihrem Empfinden nach ohnehin nur die Schwarzgelben aus Dortmund als ernsthafter Konkurrent im Titelkampf. Doch die stehen nach dem Spiel vom Samstag nun da, wo sie sich laut Trainer Edin Terzic auf keinen Fall wiederfinden wollten. Es dürfe auf keinen Fall passieren, hatte Terzic am Donnerstag erklärt, „dass wir am Samstagabend da stehen, wo wir acht Tage zuvor standen.“

BVB trifft nun auf Leverkusen und Mönchengladbach

Genau das aber ist passiert, das 1:1 gegen Mainz torpedierte den Sieg in Leipzig. Und irgendwie konnte man es sogar erahnen. Zum Glück kommen in der kommenden Woche zwei Auswärtsspiele gegen Europapokal-Konkurrenten. Es würde auch nicht verwundern, wenn Borussia Dortmund dort sechs Punkte holen würde. Sorgen muss man sich dann erst wieder in 14 Tagen. Dann kommt der FC Augsburg in den Signal Iduna Park.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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