BVB-Sportdirektor Michael Zorc umarmt Trainer Edin Terzic. © imago / Team2
Revierderby

BVB-Derbysieg begeistert Sportdirektor Zorc: „Kräfteverhältnisse klargestellt“

Borussia Dortmund hat beim 4:0 (2:0) auf Schalke wenig Mühe mit dem Erzrivalen. Der BVB und Sportdirektor Michael Zorc sind vorerst zufrieden - aber noch weit weg vom Minimalziel.

In ihrem ausgelassenen Selfie-Video grinsen Erling Haaland und Jadon Sancho inmitten der leeren Schalker Arena um die Wette. „Derbysieg, vier zu null, weiter geht‘s“, prusten Borussia Dortmunds Matchwinner ins Mikrofon, klopfen sich auf die Schulter und freuen sich diebisch. Sie hatten soeben beim Erzrivalen nicht nur die drei Punkte geklaut, sondern den Königsblauen wohl auch die letzte Illusion geraubt, dass der Abstieg in Liga zwei noch irgendwie zu verhindern wäre.

BVB gegen Schalke: Ein Klassenunterschied

Der Klassenunterschied, der am Samstagabend beim Dortmunder 4:0 (2:0) im 98. und wohl vorerst letzten Bundesliga-Derby auf dem Rasen zu sehen war, dürfte spätestens im Mai bittere königsblaue Realität werden. Das sehen offenbar nicht nur die wütenden rund 200 Schalke-Fans so, die nach dem Spiel versuchten, die Arena zu stürmen und damit einen Großeinsatz der Polizei provozierten. Auch den Spielern gehen so langsam die Durchhalteparolen aus.

Die Situation, so Torhüter Michael Langer, sei „enorm beschissen“. Langer war nach einer halben Stunde für den verletzten Ralf Fährmann ins Spiel gekommen und musste mit ansehen, wie seine Kollegen nach dem durch einen schweren Fehler von Benjamin Stambouli entstandenen Führungstor vom BVB zerlegt wurden – von der Viertelstunde nach dem Seitenwechsel mal abgesehen, als Schalke Druck machte und bei einem Pfostenschuss von Suat Serdar Pech hatte.

Schalke ist dem BVB auf allen Ebenen unterlegen

Was an der generell klaren Schalker Unterlegenheit nichts ändert. „Sehr viel“, sagte Trainer Christian Gross, „ist in diesem Spiel gegen uns gelaufen.“ Vor dem Anpfiff meldeten sich Shkrodan Mustafi und Nabil Bentaleb kurzfristig verletzt ab, was erneut die Frage nach den Gründen für diese abstruse Verletztenmisere aufwirft. Auch in Gross scheint nun so langsam die Erkenntnis zu reifen, dass es für Schalke aus einer ganzen Palette an Gründen einfach nicht reicht.

An der Einstellung, so Langer, würde es nicht liegen: „Wir versuchen Woche für Woche, alles rauszuhauen. Aber es hat in einem immens wichtigen Spiel wieder nicht geklappt.“

BVB-Erzrivale Schalke muss kämpfen

Schalke bleibt nichts anderes übrig, als den Tatsachen ins Auge zu sehen: Der Abstiegskandidat Nummer eins bräuchte bis zum Saisonende die Punktausbeute eines Champions-League-Teilnehmers, um noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Da kann Gross noch so sehr betonen, „dass ich ein Kämpfer bin“, es klingt nicht mehr wie ein leises Pfeifen im derzeit finsteren Schalker Wald.

Anders der BVB, der nach dem kleinen Erweckungserlebnis in Sevilla in der Bundesliga konsequent nachlegte. „Mit dem Ergebnis und dem Spiel sind wir voll einverstanden. Trotz des schweren Auswärtsspiels in Sevilla drei Tage zuvor haben wir das Derby von der ersten Minute an bestimmt“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Bis auf die Schalker Drangphase kurz nach Wiederanpfiff dominierte Dortmund, die Treffer von Erling Haaland (45., 79.) sowie Jadon Sancho (42.) und Raphael Guerreiro (60.) fielen zwangsläufig. „Wir haben wunderschöne Tore erzielt wie Erling Haalands Seitfallzieher, und wie das dritte Tor herausgespielt wurde, das trägt für mich das Prädikat ,künstlerisch wertvoll‘“, schwärmte Zorc gegenüber den Ruhr Nachrichten. „Insgesamt haben wir die sportlichen Kräfteverhältnisse im Ruhrgebiet klargestellt.“

Borussia Dortmund muss nun nachlegen

Für die Sondersituation Revierderby stimmt die befriedigende Momentaufnahme aus schwarzgelber Sicht, nicht zuletzt bei Fan und Trainer Edin Terzic: „Wenn man dann hier gewinnt, in der Art und Weise als Borusse, freut man sich natürlich besonders.“ Sportlich jedoch will und muss sich der BVB derzeit nicht mit Schalke 04 messen, sondern mit anderen Konkurrenten. Trotz des Hochgefühls am Wochenende weist Dortmund zu den konstant punktenden Mitbewerbern Frankfurt und Wolfsburg weiter sechs Zähler Rückstand auf.

Oberste Hoffnungsträger in einer durchweg stärker und strukturierter auftretenden BVB-Elf bleiben die extrem produktiven Offensivstars Haaland und Sancho. Rechtzeitig vor den Wochen mit K.o.-Spielen nähern sich beide ihrer Topform. Weitere Spaßvideos sind also nicht ausgeschlossen. Sie werden nur nicht mehr auf Schalke gedreht.

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BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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