BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. © imago images/Matthias Koch

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ist zufrieden – ein Punkt bremst die Freude

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zieht ein erstes Saison-Fazit und zeigt sich mit der Ausbeute zufrieden. Ein Punkt bremst die Freude aber.

Als die erfolgreichen Jäger unten auf dem Rasen vor Freude Arm in Arm im Kreis tanzten, fiel auch den Bossen oben auf der Tribüne eine Last von den Schultern. Der BVB hat sich zurück in die Champions League gearbeitet.

BVB erreicht die Champions League – und alle sind zufrieden

Sie hüpften wild herum, schubsten einander, lachten, feixten. Die BVB-Profis hatten es tatsächlich geschafft. Die Aufholjagd war vollendet. Das Ticket für die Königsklasse war ihnen nach dem 3:1-Sieg in Mainz nicht mehr zu nehmen. Also entlud sich die Freude in einem großen schwarzgelb gefärbten Tanzkreis auf dem nach einem extremen Wolkenbruch tiefen Rasen der Opel Arena. Doch auch von einer Gewitterpause und müden Beinen nach dem Pokalfinale hatten sich die Borussen zuvor am Sonntagabend nicht mehr vom finalen Schritt ihres Comebacks abhalten lassen.

Auch zwei Etagen höher, auf den Ehrenplätzen der Mainzer Spielstätte, gab es reihum strahlende Gesichter. „Ich bin sehr erleichtert, dass wir es geschafft haben. Anfang April, nach dem 1:2 gegen Frankfurt, habe ich es angesichts von sieben Punkten Rückstand auf Frankfurt und elf auf Wolfsburg kaum noch für möglich gehalten, dass uns der Sprung in die Champions League noch gelingt“, gestand Hans-Joachim Watzke. Der Geschäftsführer des BVB rechnete im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten vor: „Pokalsieger, Tabellenplatz vier und Viertelfinale der Champions League erreicht – diese Bilanz hätte ich vor der Saison unterschrieben“, sagte er. „denn es war mir klar, dass es eine schwierige Saison werden würde. Die Niederlagen gegen Mainz und Hoffenheim zum Ende der vergangenen Spielzeit hatten für kein gutes Grundgefühl gesorgt.“

Der BVB musste einige Rückschläge verkraften

Dieses Gefühl bestätigte sich. Eine holprige Saison, etliche Rückschläge und Niederlagen, dann der Rauswurf von Trainer Lucien Favre im Dezember. Dem BVB drohte die Abfahrt des Champions-League-Zuges ohne ihn an Bord. Der bisherige Assistenzcoach Edin Terzic übernahm – und startete mit Problemen, durchwachsenen Ergebnissen. Zweifel an dieser internen Trainer-Lösung wurden schnell laut. Dann das 1:2 gegen Frankfurt. Der Tiefpunkt.

Heute aber ist Terzic der große Gewinner. „Wir wollten nach der Niederlage gegen Frankfurt den Glauben in der Mannschaft daran wecken, dass wir es noch schaffen können“, verriet der 38-Jährige nach dem Zieleinlauf in Mainz.

Das BVB-Team lieferte im Endspurt – Watzke lobt den Trainer

Die Mannschaft glaubte. Und lieferte. Sechs Siege nacheinander in der Liga mit 17:6-Toren, zusätzlich beflügelt von Triumphen im Pokal-Halbfinale und im Endspiel. „Edin hat das hervorragend gemacht“, lobte BVB-Boss Watzke seinen Trainer. „Wir wussten immer, welches Potenzial in diesem Kader steckt. Aber Terzic hat es geweckt, er hat eine tolle Ansprache und alles aus den Spielern herausgeholt. Das hat Zeit benötigt, es ging nicht von null auf 100, aber es ist ihm letztlich gelungen.“

Sportlich darf die Borussia also aufatmen. Und auch finanziell gibt das Dortmunder Startrecht in Europas Fußballelite Sicherheit. „Dank der Qualifikation für die Champions League werden wir mehr als 30 Millionen Euro mehr in der Kasse haben“, erklärt Hans-Joachim Watzke, „das reicht nicht, um schwarze Zahlen zu schreiben, dafür schlagen die gewaltigen Auswirkungen der Pandemie einfach eine zu große Lücke. Aber dieses Geld hilft uns natürlich sehr.“

BVB-Boss Watzke: „Für diese Fahrt um den Borsigplatz lebst du“

Bei aller Freude über die jüngsten Erfolge musste Watzke aber etwas Wasser in den Wein gießen. „Dass die Mannschaft und unsere Fans den Pokalsieg nicht gebührend feiern konnten, hat mir leidgetan. Sie konnte diesen Titel, der für viele Spieler ja der erste war, gar nicht auskosten“, sagte er, und sprach aus Erfahrung: „Für diese Fahrt auf dem Truck um den Borsigplatz vor Zehntausenden Fans lebst du. Das lädt dich für Monate mit Energie auf.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp