Der BVB hat gegen Augsburg den ersten Schritt aus der Krise gemacht. © dpa
Meinung

BVB-Auftritt gegen Augsburg ist Anspruch und Verpflichtung zugleich

Borussia Dortmund löst die Pflichtaufgabe Augsburg souverän. Und endlich zeigt der BVB Tugenden, die zuletzt schmerzlich vermisst wurden. Das 3:1 ist Anspruch und Verpflichtung zugleich.

Dass Thomas Delaney bei kalten drei Grad in kurzen Ärmeln auf den Rasen schritt, ließ schon vor dem Anpfiff gegen Augsburg erahnen, wie heißblütig der Däne in die Partie gehen würde. Doch es war beileibe nicht nur der am Samstagnachmittag omnipräsente Lückenstopfer Delaney, der seinen Kampfgeist in extrem hoher Dosis einbrachte.

Die gesamte Dortmunder Borussia erfüllte die Hoffnungen der Fans auf eine Reaktion nach den jüngsten Rückschlägen gegen Mainz, Leverkusen und Gladbach. Endlich, so mag man hinzufügen. Endlich waren über weite Strecken Tugenden zu sehen, die zuvor so schmerzlich vermisst worden waren. Jeder Spieler war bereit, zum Wohle des Teams zu arbeiten. Verloren gegangene Bälle schnellstens zurückzuerobern, per Körpersprache auszustrahlen, dass es an diesem Tag in Dortmund nur einen Sieger geben würde.

Der BVB behält auch nach dem frühen Rückstand kühlen Kopf

Gerade nach dem frühen 0:1-Rückstand war diese Wesensveränderung im Vergleich zu den bitteren Rückschlägen zuvor in dieser Saison offensichtlich. Es gab keine zu Boden blickenden Resignierer oder weiche Knie über schwarzgelben Stutzen, es gab stattdessen Spieler, die weiter attackierten, beherzt Druck ausübten und Augsburg kaum noch zur Entfaltung kommen ließen. Die sich den Sieg verdienten, weil sie ihre Überlegenheit diesmal auch in (überfällige) Treffer ummünzten, weil sie das Augsburger Defensivbollwerk mit Tempo aber fern jeglicher Hektik ein ums andere Mal aufrissen. Weil sie konzentriert, weil sie wach blieben.

Ja, zu Gast war am Samstag „nur“ Augsburg, der bei allem Respekt qualitativ limitierte Tabellenzwölfte. Eine Pflichtaufgabe, wenn man so will. Aber genau das waren nicht selten in der Vergangenheit diese Knackpunkt-Spiele, in denen der BVB vergaß, Punkte mitzunehmen und so fahrlässig wertvollen Boden im Kampf um höhere Weihen verschenkte. Und genau deshalb könnte sich der Erfolg gegen den FCA auch im Rückblick in ein paar Wochen als so bedeutsam erweisen.

BVB-Sieg gegen den FC Ausgburg kann nur ein Anfang gewesen sein

Denn die Borussen haben am Samstag erfahren, dass ihr Erfolg nicht allein auf fußballerischer Klasse basieren kann. Denn spielerisch blieb da auf Dortmunder Seite erneut viel Luft nach oben. Sich jedoch gegen einen unbequemen Zerstörer wie Augsburg auch physisch behauptet und die deutliche Mehrzahl der Zweikämpfe gewonnen zu haben, das muss einfach Vertrauen in das eigene Können zurückbringen.

Aber, und das gehört zur Wahrheit dazu: Wir reden jetzt über ein Spiel. Einen ersten Sieg dieser Art nach einigen herben Enttäuschungen. Also reden wir über den Anfang, den ersten Schritt, nicht mehr. Um sich wirklich mehr Reife und Robustheit attestieren lassen zu können, muss der BVB jetzt weitere Vorstellungen dieser Qualität und Einstellung folgen lassen. Schon am Dienstagabend im Pokal-Achtelfinale wird der SC Paderborn vermutlich ebenfalls Beton gegen den BVB anrühren und mit Leidenschaft um seine Chance kämpfen. Ein schneller Rückschlag hier würde all das wieder einreißen, was gegen Augsburg zumindest in die richtige Spur gebracht wurde.

Der BVB hat nun machbare Aufgaben vor der Brust

Dann kommen im Februar in der Liga Gegner wie Hoffenheim, Schalke oder Bielefeld, gegen die ebenfalls einfach kein Patzer erlaubt sein darf. Und dafür muss die Leistung gegen Augsburg der Mindest-Maßstab sein. Gelingt das dem BVB, dann könnte er im Februar womöglich einige der Januar-Schäden reparieren, und wieder fester im Sattel sitzen vorm Endspurt um die Champions-League-Tickets. Doch damit man diesem Braten wirklich trauen kann, sind weitere Beweise nötig.

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Sportredaktion Dortmund
Sascha Klaverkamp, Jahrgang 1975, lebt im und liebt das Münsterland. Der Familienvater beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Sportberichterstattung. Einer seiner journalistischen Schwerpunkte ist Borussia Dortmund.
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Sascha Klaverkamp

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