Saisonübergreifend hat Borussia Dortmund die vergangenen fünf Bundesliga-Heimspiele ohne Zuschauer im Signal Iduna Park verloren. © imago / Olaf Döring
Borussia Dortmund

BVB allein zu Haus – die Festung Signal Iduna Park bröckelt

Borussia Dortmund hat in der Corona-Krise nicht nur viel Geld verloren, sondern auch seine Heimstärke. Die Geisterspiel-Bilanz des BVB im Signal Iduna Park ist verheerend.

Manchmal sagen Zahlen mehr als 1000 Worte, zum Beispiel diese hier: Borussia Dortmund gewann unter dem jüngst entlassenen Trainer Lucien Favre in der Bundesliga 26 von 32 Heimspielen, wenn Zuschauer im Stadion erlaubt waren, spielte fünfmal unentschieden und verlor nur ein einziges Mal (2:4 gegen Schalke 04 im April 2019). Von acht Geister-Heimspielen in der Liga verlor der BVB dagegen sechs und gewann nur zwei.

Die vergangenen drei Liga-Heimspiele gegen Bayern München (2:3), den 1. FC Köln (1:2) und den VfB Stuttgart (1:5) wurden allesamt verloren. Nur zu Saisonbeginn, als gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) 9.300 Zuschauer, gegen den SC Freiburg (4:0) 11.500 Zuschauer und gegen Schalke (3:0) 300 Fans zugelassen waren, konnte Borussia Dortmund in der Bundesliga in dieser Spielzeit Heimerfolge verbuchen.

BVB könnte einen ziemlich alten Negativrekord einstellen

Und somit droht gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag (15.30 Uhr) die Einstellung eines ziemlich alten Negativrekords des BVB. Vier Bundesliga-Heimniederlagen in Serie gab es letztmals vor 20 Jahren und bislang auch nur einmal in der Vereinsgeschichte. In der Spielzeit 1999/2000 ging Schwarzgelb unter Trainer Bernd Krauss und später Udo Lattek nach Niederlagen gegen Arminia Bielefeld, den Hamburger SV, die Spielvereinigung Unterhaching und den FC Bayern München viermal nacheinander ohne Punkte vom heimischen Rasen.

Es hat sich längst herumgesprochen in der Liga, dass aus der ehemals gefürchteten Festung Signal Iduna Park ein ganz nettes Auswärtsdomizil geworden ist. In der Heim-Tabelle belegt der Vizemeister aktuell nur Rang sieben. Der BVB fremdelt mit dem eigenen Wohnzimmer, wenn keine schwarzgelben Fans zu Besuch kommen. Noch mehr Zahlen zum Beweis? Bitte: Favres Bundesliga-Punkteschnitt in Heimspielen mit Zuschauern lag bei 2,59 Zählern pro Partie, in Geisterspielen nur bei 0,75. Das Torverhältnis mit Fans lag unter Favre in der Liga bei 103:35, ohne Fans bei 9:17.

Gelbe Wand „so gefürchtet wie keine andere Tribüne“

„Es kann gut sein, dass die Unterstützung der Zuschauer eine noch größere Rolle spielt, als man ohnehin annehmen durfte“, sagt Reinhard Rauball im Interview mit den Ruhr Nachrichten. Dortmund sei „seit Jahren die Nummer eins in puncto Fans im Stadion“, meint der BVB-Präsident. Die Südtribüne, die Gelbe Wand, sei „so gefürchtet wie keine andere Tribüne“ – weder in der Bundesliga noch international. „Augenscheinlich fehlt den Spielern diese gewaltige Unterstützung, denn wir haben in der Tat zuhause zuletzt nicht überzeugt.“

Saisonübergreifend hat Borussia Dortmund sogar die vergangenen fünf Bundesliga-Heimspiele ohne Zuschauer im Signal Iduna Park verloren. Auf der Zielgeraden der vergangenen Spielzeit setzte es an den Spieltagen 32 und 34 ein 0:2 gegen den FSV Mainz 05 und ein 0:4 gegen die TSG Hoffenheim. Hoffnung vor Edin Terzics Heimdebüt als BVB-Cheftrainer macht da eigentlich nur der Blick in die Champions-League-Statistik.

Gute BVB-Bilanz in der Champions League

In der Gruppenphase der Königsklasse sammelte der BVB in den Heimspielen gegen Zenit St. Petersburg (2:0), den FC Brügge (3:0) und Lazio Rom (1:1) sieben Punkte ein und blieb ungeschlagen. Und vielleicht kommt ja auch der VfL Wolfsburg gerade richtig. Denn: Borussia Dortmund ist gegen die „Wölfe“ seit zehn Bundesliga-Partien ungeschlagen und gewann neun davon. Immerhin etwas.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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