Die BVB-Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz: Keiner von beiden strahlt zurzeit Sicherheit und Selbstvertrauen aus. © imago / Rolf Simeon
Borussia Dortmund

Bürki oder Hitz? BVB tappt bei den Schnappern in die Falle

Anstelle zweier starker Torhüter hat der BVB derzeit zwei verunsicherte Keeper. Das ist ein Störfaktor für die ganze Mannschaft. Bürki oder Hitz - wer gewinnt das Lächeln zuerst zurück?

Als sich Borussia Dortmund vor sechs Jahren ein aufsehenerregendes Wechselspielchen auf der Torhüterposition leistete, steckte die Mannschaft sportlich weitaus tiefer im Dreck als heute. Bis auf Platz 18 war der BVB abgestürzt im Dezember 2014, als Trainer Jürgen Klopp vor einem Spiel gegen die TSG Hoffenheim dem langjährigen Stammtorhüter Roman Weidenfeller das Vertrauen entzog. Ersatzkeeper Mitchell Langerak durfte ran. Klopps kuriose Begründung: „Ich wollte die Frische, das Lächeln von Mitch im Tor stehen haben.“

Bürki oder Hitz? Diskussionen um Torwartposition beim BVB schon seit Saisonbeginn

Ein Fotoshooting, um den attraktivsten Sonnyboy unter seinen Nummer-1-Kandidaten zu küren, hat das Trainerteam von Borussia Dortmund in diesen Tagen nicht anberaumt. Die Diskussionen um uneingeschränktes Vertrauen und bestmöglichen Rückhalt auf dem Rasen bei der Planstelle zwischen den Pfosten begleiten den BVB hingegen bereits die gesamte Saison.

Im Herbst galt Bürki mal als nicht gänzlich fit nach einer Erkrankung, was er übrigens bestritt, und Ersatzmann Hitz durfte ihn länger vertreten, als es nötig gewesen wäre. Ausweichende Antworten von Ex-Trainer Lucien Favre verstärkten die Unruhe bei dieser Thematik. Die Zweifel waren damit auch öffentlich gesät. Schwache Leistungen bei den Auswärts-Niederlagen in Leverkusen (1:2) und Gladbach (2:4) brachten Bürki im Januar – wieder einmal – in den Fokus der öffentlichen Kritik.

Die BVB-Torhüter-Problematik: Bürki verletzt, Hitz mit Fehlern

Seitdem fehlt der 30-Jährige im Training und bei den Spielen gegen Augsburg (3:1), den SC Paderborn (3:2 n.V.) und in Freiburg (1:2) wegen einer Schulterverletzung, die der Klub ohne genauere Diagnose anführte. Sein Einsatz am Samstag im Spiel gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) wird also zunehmend unwahrscheinlich. Bahn frei für seinen Lands-, Neben- und Ersatzmann Marwin Hitz? Ja. Und nein.

Nach der Pokalpartie vor einer Woche heimste Hitz ein öffentliches Lob seines Trainers ein. „Marwin hat gespielt, weil er sich das verdient hat. Er hat das gut gemacht“, sagte Edin Terzic, der Hitz unter anderem dafür dankte, dass der mit einem weiten Schlag sogar ein Tor eingeleitet hatte. „Man hat nicht gemerkt, dass er nicht im Rhythmus war“, so Terzic, „wir waren mit seiner Leistung sehr einverstanden.“ Zwei Tage später musste Hitz in Freiburg einen Gegentreffer voll und einen halb auf seine Kappe nehmen. Lächeln hin oder her, der BVB steht mit seiner Torhüter-Problematik noch schlechter da als vorher.

Einen nervlich wackelnden Schlussmann kann der BVB gerade nicht gebrauchen

In vielen Torhüter-Aspekten liegen die Fähigkeiten von Hitz (1,94 m) und Bürki (1,87 m) nur wenig auseinander. Für Bürki sprechen seine manchmal brillanten Reflexe auf der Linie und eine gute Quote in Eins-gegen-eins-Duellen. Die Vorzüge von Hitz: Er kommuniziert positiver, spielt genauere weite Bälle, bleibt ruhiger. Dafür leistet er sich mehr Blackouts als Bürki, dem wiederum in 50:50-Situationen zu oft der Mut und das Selbstvertrauen fehlen, gerade bei der Strafraumbeherrschung.

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Was kein Torhüter und keine Mannschaft der Welt gebrauchen können: Fehlendes Zutrauen und einen Schlussmann, der nervlich wackelt. Doch genau auf diese Situation läuft es beim BVB hinaus und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Defensivleistung deutlich stabilisiert hat. Mit größten Mühen ist es Terzic gelungen, dass seine „Jungs“ konzentrierter, geschlossener verteidigen. Borussia Dortmund lässt vergleichsweise wenige Torchancen zu. Dafür fliegen, siehe die Spiele gegen Freiburg, Mainz, Leverkusen, Gladbach, zu viele haltbare Bälle bis ins Tor.

Der BVB braucht einen Torwart, der Respekt beim Gegner auslöst

Was die Schwarzgelben benötigen, ist ein Torhüter, der mit seiner Ausstrahlung Respekt beim Gegner auslöst und der seiner Mannschaft im Wortsinn den Rücken freihält. Was der BVB aktuell hat, sind zwei Torhüter, von deinen keiner die Sicherheit und das Selbstvertrauen ausstrahlt, das eine verunsicherte Elf gut gebrauchen könnte.

Der Vertrag von Hitz läuft im Sommer aus, mit Bürki haben die Borussen erst vor knapp einem Jahr die verlängerte Zusammenarbeit bis 2023 vereinbart. In den anderthalb Jahren zuvor hatte er sich mit guten Leistungen und kämpferischem Einsatz regelmäßig „Bürki, Bürki“-Sprechchöre verdient. Doch schon bei der Vertragsverlängerung hieß es, er sei zwar kein Top-Torhüter im internationalen Vergleich, aber verlässlich, ehrgeizig und einer, der die phlegmatischen Kollegen auch mal anstachele, also ein wichtiges Puzzlestück in der Kabine. In den Mannschaftsrat wurde Bürki dennoch nicht berufen.

Lazio-Keeper bringt sich beim BVB selbst ins Gespräch

Obwohl sich im Kader größere Baustellen auftun (Innen- und Außenverteidiger, Flügelspieler) und kaum Geld vorhanden ist, um es in gute und entsprechend teure Torhüter zu investieren, wenn man dort zumindest solide aufgestellt ist, könnte ein neuer Schnapper ein Thema für den Transfersommer werden. Eine Diskussion, die dem Klub nicht ungelegen zu kommen scheint.

Die schwarzgelben Schnapper-Problematik scheint sich bereits herumgesprochen zu haben: Lazios Keeper Thomas Strakosha (25), in Rom zur Nummer zwei degradiert, brachte sich sogar selbst ins Gespräch: „Beim Thema Dortmund würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich das nicht interessiert.“ Auch über RB Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi (30) wird diskutiert – äußerte aber selbst den Wunsch, in Leipzig zu bleiben. Ob beide allerdings eine dramatische Verbesserung darstellen, sein dahingestellt.

Und egal, wer in den nächsten Spielen und wer ab Sommer im BVB-Tor steht: Hilfreich wäre, er hätte Grund zum Lächeln.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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