Jadon Sancho setzte seinen BVB-Aufwärtstrend gegen Augsburg fort. © imago / Hufnagel PR
Borussia Dortmund

Ausruhen verboten! Der BVB setzt Maßstäbe für erfolgreiche Fußballspiele

Der BVB legt mit dem 3:1 gegen Augsburg die Messlatte für erfolgreiche Fußballspiele. Das vormals kollektive Nervenbündel steigert sich in vielen Bereichen. Doch Ausruhen ist verboten.

Die erste Ecke für den Gegner, verursacht in der Nachspielzeit, verdarb ein wenig eine Statistik, auf die Borussia Dortmund nach dem 3:1 gegen einen diesmal klar unterlegenen FC Augsburg eigentlich stolz sein durfte. Der BVB, zuletzt ein kollektives Nervenbündel, wenn ruhende Bälle in den eigenen Strafraum flogen, ließ gegen Augsburg nur diese eine Ecke zu, Freistöße aus dem Halbfeld gab es für die Gäste nicht – das leidige Thema „Verteidigen gegnerischer Standards“ war in diesem Spiel keins, weil die Borussia keine Standards verursachte.

Wohl die beste Möglichkeit, Gegentore dieser Art zu vermeiden. Und weil es der Mannschaft, wie vorab von Sportdirektor Michael Zorc gefordert, auch gelungen war, endlich einmal länger als nur 45 Minuten konzentriert Fußball zu spielen, stand am Ende ein hoch verdienter wie ungefährdeter Sieg.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: „Das hat mir gut gefallen“

Die erste sportliche Delle in seiner Laufbahn als Cheftrainer hat Edin Terzic dank einer engagierten Vorstellung seiner Mannschaft damit hinter sich gebracht. Treffer von Thomas Delaney (26.) und Jadon Sancho (63.) sowie ein Eigentor des Augsburgers Uduokhai (75.) machten das 0:1 von Andre Hahn (10.) wett und sorgten für ein leistungsgerechtes Resultat. „Wir hatten ein gutes Tempo in unserem Spiel, wir sind mit Ball nicht unruhig geworden. Das hat mir gut gefallen“, lobte auch Zorc am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten.

Als Augsburg gleich mit der ersten Gäste-Chance des Spiels in Führung ging, ein Treffer, dem sowohl außen bei Mateu Morey als auch innen bei Giovanni Reyna und dem zu passiven Manuel Akanji eine Fehlerkette im Verteidigungsverhalten vorausging, da drohte Terzic nach einer Englischen Woche zum Vergessen weiteres Ungemach. Zumal Erling Haaland die Misere der Borussia vom Elfmeterpunkt fortsetzte und die schnelle Ausgleichschance herschenkte. Es war der dritte nicht direkt verwandelte Strafstoß des BVB in Serie, kein Wunder, dass Edin Terzic freimütig bekannte: „Davon haben wir die Schnauze voll!“

BVB-Formkurve von Jadon Sancho zeigt eindeutig nach oben

Von einem „schwierigen Start für uns“ sprach der Cheftrainer, doch diesmal gingen die Köpfe mit den Rückschlägen nicht nach unten. Diesmal blieb die Borussia am Ball. „Die Art und Weise, wie wir das Spiel dann gedreht haben, erleichtert uns“, gestand Terzic später. Defensiv geriet seine Mannschaft nach dem Rückstand kaum einmal mehr in Gefahr, offensiv eroberte sie auffällig viele Bälle in einer Zone rund 25 Meter vor dem Augsburger Tor. Das war eine perfekte Umsetzung der vorgegebenen Taktik: „Es war ein Schlüssel zum Sieg“, so Terzic, „dass wir verlorene Bälle möglichst hoch wieder zurückerobern.“

Neben dem geringen Fehlerquotienten und gleichbleibend hoher Konzentration gibt es weitere Dinge, die positiv stimmen nach einer in Dortmund ungewohnten Siegloserie von drei Bundesliga-Pflichtspielen. Die Formkurve von Jadon Sancho zeigt eindeutig nach oben, sein Tor zum 2:1 öffnete das Spiel und war in der Entstehung und Ausführung sehenswert. Nach dem Traumpass von Raphael Guerreio war Sanchos erster Kontakt bei der Annahme der Schlüssel zum Tor – Augsburgs Oxford konnte dem Engländer dann nicht mehr folgen. Sanchos offensive Läufe hatten Tiefe, seine Bereitschaft zu defensiver Mitarbeit war auffällig.

Roman Bürki fehlt dem BVB auch am Dienstag gegebn Paderborn

Ob man der erkennbaren Reaktion der Mannschaft nun trauen und eine nachhaltige Besserung, was Resultat und Konstanz in den eigenen Leistungen angeht, erwarten kann, „werden die kommenden Wochen zeigen“, sagt Zorc. Die gezeigte Leistung gegen Augsburg, meinte der 58-Jährige, müsse „der Maßstab für die kommenden Spiele sein.“

Die Torhüterdiskussion der vergangenen Woche beendete Terzic mit einem allerdings erzwungenen Wechsel. Roman Bürki stand am Samstag nicht einmal im Kader, Probleme mit der Schulter, die den Schweizer schon länger beschäftigen, verschlimmerten sich in der Woche. Bürki wird auch das Pokalspiel gegen den Zweitligisten Paderborn verpassen, am Montag soll ein MRT Sicherheit über die genauen Ursachen bringen – eine Vorsichtsmaßnahme, wie Zorc betont. Momentan wird ein längerer Ausfall nicht befürchtet.

Weiterkommen im DFB-Pokal ist für den BVB Pflicht

Ausruhen kann sich Dortmund nicht auf diesem einen Spiel, schon am Dienstag wartet die nächste Aufgabe. An ein Ausrutschen im Pokal mag nicht nur Zorc keine Gedanken verschwenden. Es würde den zarten Aufwärtstrend gleich wieder – und nachhaltig – zerstören.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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