Beim BVB auf dem Abstellgleis: Torhüter Roman Bürki (M.). © Groeger
Borussia Dortmund

Aus der 1 wird die 38: Roman Bürki beim BVB auf dem Abstellgleis

Gregor Kobel ist noch nicht da, soll aber die Nummer eins des BVB werden. Roman Bürki ist aber noch nicht weg. Wie Borussia Dortmund mit einer potenziell pikanten Personalkonstellation umgehen will.

Die veränderten Gegebenheiten für Roman Bürki sind auch an Kleinigkeiten festzumachen, als Borussia Dortmunds ehemalige Nummer eins am Sonntag zum ersten Training den topgepflegten Rasen am Trainingszentrum in Dortmund-Brackel betritt.

Roman Bürki hat seine Nummer „1“ beim BVB eingebüßt

Bürki kommt gemeinsam mit Marwin Hitz, der nach seiner Knieverletzung aus dem Pokal-Halbfinale gegen Holstein Kiel wieder weitgehend fit ist und nun in den kommenden Tagen an das Mannschaftstraining herangeführt werden soll. So weit, so normal. Aber doch ist für Bürki alles anders. Seine Zeit in Dortmund dürfte begrenzt sein, der Torhüter ist nach sechs gemeinsamen Jahren bei Borussia Dortmund auf dem Sprung zu einer neuen Herausforderung. In der Sommerpause hat ihm der BVB eine neue Nummer eins vor die Nase gesetzt und dann auch persönlich mitgeteilt, dass er sich einen neuen Klub suchen darf.

Noch ist Bürki da, die veränderte Hierarchie macht sich vor allem an seinen Trainingsklamotten fest. Bürki hat seine Nummer „1“ eingebüßt, er trägt die Nummer 38 auf dem Trainingsshirt. Exakt die Nummer übrigens, die er wählte, als er 2015 vom SC Freiburg zur Borussia kam und als Nachfolger von Roman Weidenfeller in dessen Fußstapfen trat. Die „1“ ist künftig reserviert für Gregor Kobel, der aber noch fehlt, weil er sich nach dem EM-Aus der Schweiz in den Urlaub begeben hat.

Zorc über Bürki: „Er wirkt auf mich sehr entspannt“

Dass die Personalie Bürki Komplikationspotenzial bergen könnte, hat Michael Zorc mehrfach verneint, er wiederholt es auch am Sonntag im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. „Er wirkt auf mich sehr entspannt, ich erwarte auch keine Komplikationen“, sagt der Sportdirektor der Borussia. Momentan sei es „sehr ruhig“ am Transfermarkt, auch in der Personalie Roman Bürki, nachdem sich ein Interesse der AS Monaco durch die Leihvereinbarung mit den Bayern über Alexander Nübel erledigt hatte.

Nach Informationen der Ruhr Nachrichten hat sich auch Olympique Marseille beim degradierten Dortmunder Keeper gemeldet (wir berichteten). Bei den Südfranzosen ist der Vertrag des 38-jährigen Yohann Pele ausgelaufen und wird nicht verlängert. Für die Nummer eins, den aktuellen Kapitän Steve Mandanda, eine Klublegende, aber auch schon 36, wird ein Nachfolger gesucht. Auch wenn dessen Vertrag noch bis 2024 läuft.

BVB-Torhüter Roman Bürki sucht eine neue Herausforderung

Dass Marseille kurz vor einer Leihe von Pau Lopez (26, AS Rom) steht, dürfte Bürkis Chancen nicht verbessern, denn im Kader steht auch noch der 18-jährige Simon Ngapandouetnbu, der als riesengroßes Talent gilt, ebenso wie der nach einer Leihe zurückgekehrte Ahmadou Dia (21) aber gänzlich unerfahren ist. Anderseits könnte die nahende Verpflichtung von Lopez aber eine andere Tür für Bürki öffnen – die nach Rom. Auch OSC Lille in Frankreich sucht noch eine neue Nummer eins.

Es ist ein Geduldspiel. Für den ehrgeizigen Torhüter, der ungeachtet seines professionellen Auftretens auf dem Platz schwer getroffen sein soll von der Art und Weise, wie er in Dortmund aufs Abstellgleis geschoben wurde. Aber auch für den BVB, der mit der Ablöse von 15 Millionen Euro für Kobel in Vorleistung gegangen ist und zumindest einen Teil dieser Summe gern refinanzieren möchte.

Roman Bürki steht beim BVB bis 2023 unter Vertrag

Den Fall, dass Bürki keinen Klub findet und auf seinem bestehenden und bis 2023 laufenden Vertrag pochen wird, hält man dem Vernehmen nach in Dortmund für unwahrscheinlich. Es wäre in der Tat eine pikante Konstellation für den neuen Trainer Marco Rose, der bei seiner Vorstellung bereits Kobel de facto als neue Nummer eins ausgerufen hat. „Er ist jung und talentiert. Wenn wir den holen, wollen wir ihn in erster Linie auch spielen lassen“, hat Rose gesagt, aber auch erklärt, dass er sich mit allen Keepern unterhalten wolle. Explizit hat Rose betont, wie sehr ihm imponiert habe, dass Bürki nach der Verletzung von Hitz ohne erkennbare Nervosität ins Dortmunder Tor zurückgekehrt sei und dort dann „richtig gut“ gehalten habe. Er sei froh, sagt Rose, „drei richtig gute Greifer im Team zu haben.“

Bis zur Ankunft von Kobel und der vollständigen Belastbarkeit von Hitz kommt es zu der kuriosen Situation, dass Bürki der einzige Keeper im Kader mit internationaler Klasse ist. Die dürfte zwar im ersten Testspiel der Vorbereitung am Dienstag kommender Woche nicht unbedingt vonnöten sein, wenn es gegen den Südwest-Regionalligisten FC Gießen geht. Rose aber muss auch in Absprache mit Zorc klären, ob ein Bürki-Einsatz ein zu großes Verletzungsrisiko birgt, das einen potenziellen Transfer torpedieren könnte. Hitz soll in dieser Woche gezielt ans Teamtraining herangeführt werden und hat von den Ärzten nach seiner Knieverletzung Grünes Licht für alle torhüterspezifischen Belastungen bekommen, nach rund neun Wochen Pause wird der BVB aber beim 33-Jährigen kein Risiko eingehen.

Luca Unbehaun verstärkt ab Montag die BVB-Trainingsgruppe

Dass Luca Unbehaun nicht mit ins Trainingslager der U23 nach Kirchberg/Tirol reist und am Montag ins Training der Profis einsteigt, passt in diesen Kontext. Die Nummer drei der Vorsaison wird im Training der Profis verbleiben, bis Kobel seinen Urlaub beendet, möglicherweise auch danach – falls in die Personalie Roman Bürki Bewegung kommen sollte. „Wichtig ist“, betont Zorc, „dass alle Seiten professionell mit der Situation umgehen.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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