Der BVB hat in dieser Bundesliga-Saison bereits 31 Gegentore kassiert. © imago / Team2
Borussia Dortmund

1,6 Gegentore im Schnitt: Der BVB lädt regelmäßig zum Tag der offenen Tür

Borussia Dortmund kassiert unter Edin Terzic in der Bundesliga 1,6 Gegentore im Schnitt. Nur sechs Teams waren seit dem zwölften Spieltag anfälliger. Die BVB-Probleme im Februar 2021 sind komplex.

Beim Blick auf die Tabelle klingt der Satz wie ein schlechter Scherz. „Es wäre wichtig, wenn wir die Zahl der Gegentore auf 26 bis 28 drücken könnten.“ Lucien Favre hat ihn gesagt, als er noch BVB-Trainer war – vor der Saison, am Ende des Dortmunder Trainingslagers in Bad Ragaz im vergangenen Sommer. 26 bis 28 Gegentore sollten es maximal werden, so lautete Favres Plan, um in dieser Saison noch mehr zu erreichen als den zweiten Platz in der Bundesliga.

Der BVB kassierte in zehn Liga-Partien unter Terzic 16 Gegentore

Der Plan ist auf allen Ebenen längst über den Haufen geworfen. Favre ist seit gut zwei Monaten nicht mehr BVB-Trainer, ein erneuter zweiter Platz in der Liga wäre für Borussia Dortmund mittlerweile wie Weihnachten und Ostern an einem Tag – und 26 bis 28 Gegentore stellen für den BVB einen Wert dar, den er allein in der Rückrunde befürchten muss, ganz sicher aber nicht im Laufe einer kompletten Spielzeit anpeilen darf.

Denn nach 21 Spieltagen lag der Ball bereits 31 Mal im Dortmunder Tor. Gegen die TSG Hoffenheim klingelte es wie schon eine Woche zuvor in Freiburg zweimal. In den vergangenen 15 Bundesliga-Spielen blieb der BVB nur ein einziges Mal ohne Gegentreffer (beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg am 14. Spieltag). In den zehn Liga-Partien unter dem neuen Cheftrainer Edin Terzic kassierten die Schwarzgelben bereits 16 Gegentore, das sind nur drei weniger als der Tabellenletzte Schalke 04 in diesem Zeitraum hinnehmen musste.

Gegentorflut beim BVB – die Suche nach den Gründen ist komplex

Insgesamt waren seit dem zwölften Spieltag nur sechs Teams anfälliger für gegnerische Tore als Borussia Dortmund. 1,6 Gegentore sind es unter Terzic bislang im Schnitt. Wenn der BVB diese Quote nicht nach unten korrigiert bekommt, trudelt er am Saisonende mit über 50 Gegentoren ins Ziel – das wäre dann ziemlich genau das Doppelte des einstigen Plans.

Die Suche nach den Gründen für die jüngste Gegentorflut sei „etwas komplexer“, sagte Terzic am Samstag nach dem 2:2 und einem erneuten Rückschlag gegen Hoffenheim. Es gebe nicht „die eine Antwort“. Fakt sei, „dass die Anzahl der individuellen Fehler sehr hoch ist“. Und weiter: „Es ist nicht die leichteste Phase für jeden einzelnen Spieler. Und dann ist es schwierig, um komplett stabil zu sein und wenig Torchancen zuzulassen. Es ist nicht so, dass wir die Stabilität komplett verloren haben, das zeigen ja beispielsweise die Spiele gegen Wolfsburg (2:0, Anm. d. Red.) oder Leipzig (3:1, Anm. d. Red.), wir schaffen es nur nicht, sie konstant zu zeigen.“ Die Enttäuschung darüber sei groß, denn im Training klappe es „sehr, sehr gut“, sagte Terzic.

Lucien Favres mahnende Worte im BVB-Sommer 2020

Und es hat ja sogar schon in dieser Saison geklappt, das ist das eigentlich Verwunderliche. Nach dem sechsten Spieltag hatte der BVB nur zwei Gegentore auf dem Konto, nun, 15 Spiele später, sind es besagte 31. Die Defensive sei zu Saisonbeginn sowohl am Boden als auch in den Kopfballduellen „sehr klar“ im Zweikampf gewesen und hätte dadurch viele Bälle erobert, erklärte Terzic am Samstag. Es gelte, diese Klarheit schnellstmöglich wiederzufinden.

Viel Zeit bleibt nicht. Und aktuell fühlt man sich als Zuschauer von BVB-Spielen eher an einen anderen Satz von Lucien Favre erinnert, der im Sommer in Bad Ragaz ebenfalls fiel. „Manchmal lässt sich die Mannschaft in der Defensive zu leicht vom Gegner überraschen, das kostet uns unnötige Tore.“ Und in diesem Satz klingt derzeit nur das Wort „manchmal“ noch nach einem Scherz.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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Tobias Jöhren

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