Die Dortmunder Fanhilfe übt Kritik an der Zusammenstellung der „Datei Gewalttäter Sport“. © imago/Eibner
BVB-Fanszene

1000 neue Namen in der „Datei Gewalttäter Sport“ – Kritik aus BVB-Kreisen

Seit März läuft der Fußball fast nur noch mit Geisterspielen. Die Polizeibehörden haben trotzdem 1000 neue Personen als „Gewalttäter“ abgespeichert. Aus BVB-Kreisen gibt es Kritik.

Zuletzt im März hat der deutsche Fußball ausverkaufte Stadien gesehen. Seitdem sind dennoch 1056 neue Namen in der „Datei Gewalttäter Sport“ (DGS) bei der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) registriert worden. Das berichtet die „Junge Welt“ unter Berufung auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag.

Formulierungen stoßen bei den Fanhilfen auf Verwunderung

Den möglichen zeitlichen Verzug zwischen „Tat“ und Einspeicherung begründete das Bundesinnenministerium demnach mit der aufwendigen „Sachverhaltsklärung“ und einer „umfangreichen Prüfung des Einzelfalls durch die Polizeibehörden“.

Diese Formulierungen stoßen bei szenekundigen Juristen und Fanhilfen auf Verwunderung. Schließlich können eine Personalienfeststellung oder ein Platzverweis im Fußballumfeld ausreichen, um in der Datei als „Gewalttäter Sport“ aufzutauchen. Weitergehende Recherchen durch die Behörden seien kaum bekannt, heißt es. Zum Hintergrund: 2018/19 galt nur ein Viertel der in der DGS gespeicherten Personen als „gewaltsuchende Fans“ der Kategorie C. Der Rest ist überwiegend Beifang.

Zu den „Störern“ gehören auch Anhänger von Borussia Dortmund

Von den insgesamt 7910 mutmaßlichen „Störern“ dürfte auch eine beachtliche Zahl der größten Fanschar im Land, der von Borussia Dortmund, zuzurechnen sein. Genau lässt sich die Menge nicht beziffern. Einer der zentralen Kritikpunkte an der DGS ist eben deren Intransparenz. „Betroffene Fans müssen über die Speicherung ihrer Daten von den Behörden proaktiv informiert werden, um sich dagegen wehren zu können“, sagt Monika Lazar, die sportpolitische Sprecherin der Grünen in der „Jungen Welt“. Die Gründe für eine Einspeicherung müssten zudem „auf ein absolut notwendiges Maß reduziert werden“.

Für eine Information darüber, ob der eigene Name in der Datei erfasst ist, muss man einen Auskunftsantrag stellen. Nicht selten erfahren Betroffene bei Routineüberprüfungen im Straßenverkehr oder an Flughäfen mehr oder weniger zufällig davon, dass sie bei der Polizei als „Gewalttäter“ gelten.

Scharfer Widerspruch von der Dortmunder Fanhilfe

Aus BVB-Kreisen gibt es aktuell wieder einmal scharfen Widerspruch: „Als Fanhilfe Dortmund stehen wir der Datei Gewalttäter/Sport in ihrer derzeitigen Ausgestaltung äußerst kritisch gegenüber“, heißt es in einer Stellungnahme, die den Ruhr Nachrichten vorliegt.

So bestehe laut Fanhilfe Dortmund ein großes Problem darin, dass die zuständigen Behörden bislang keinerlei Transparenz über die Kriterien geschaffen habe, die für eine Aufnahme in die DGS maßgeblich seien. „Zudem ist wenig darüber bekannt, welche Daten erhoben, wie sie verwendet und an welche inländischen/ausländischen Institutionen sie weitergegeben werden.“

Dortmunder Fanhilfe macht Vorschlag

Ein Vorschlag: Eine unabhängige Beschwerdestelle solle prüfen, ob die Eintragung in die „Datei Gewalttäter Sport“ verhältnismäßig sei. Und weiter: „Wir verlangen daher, dass Betroffene standardmäßig über ihre Aufnahme in die Datei informiert und gleichzeitig über etwaige Löschfristen der entsprechenden Eintragung belehrt werden.“ Solange die DGS nicht mindestens die genannten Anforderungen erfülle, ist sie „aus unserer Sicht […] in ihrer gegenwärtigen Form abzuschaffen“, schließt die Stellungnahme.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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