Die Natur-Idylle am Aussichtspunkt über den Beversee ist fast perfekt – wenn das Kraftwerk im Hintergrund nicht daran erinnern würde, dass sich Spaziergänger im Ruhrgebiet befinden. © Michael Dörlemann
Freizeittipps NRW

Wunderbare Winterwanderung durch das Naturschutzgebiet Beversee

Natürliche Idylle, die Bergbau-Vergangenheit des Ruhrgebiets und der Strukturwandel – all das liegt im Naturschutzgebiet Beversee dicht beisammen. Auch im Winter eignet sich der See wunderbar für einen Ausflug.

Wer am Ufer des Beversees in Bergkamen steht, der könnte für einen Moment vergessen, dass er sich im Ruhrgebiet befindet – dem größten Ballungsgebiet in Deutschland. Noch dazu in einer Stadt, die vor gerade einmal 30 Jahren damit warb, die „größte Bergbaustadt Europas“ zu sein. Der See liegt still. Wasservögel ziehen ihre Kreise vor der Kulisse des dunklen Waldes. Nur hin und wieder unterbricht das aufgeregte Schnattern von Enten die winterliche Stille.

Der Beversee verdankt seine Existenz dem Bergbau

Die winterliche Idylle könnte perfekt sein, wenn sich nicht hinter dem Wald riesig und massiv das Kohlekraftwerk Bergkamen-Heil erheben würde. Es erinnert daran, dass der Beversee zwar ein Naturschutzgebiet, aber keineswegs auf natürlichem Wege entstanden ist. Wie fast die ganze Stadt Bergkamen hat auch das Beverseegebiet seine Existenz dem Bergbau zu verdanken.

An den Eingängen zum Beverseegebiet gibt es Informationstafeln, auf denen auch die Rundwege um den See zu sehen sind. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich dem Naturschutzgebiet Beversee zu nähern – entweder von der Marina Rünthe oder vom Wanderparkplatz an der Werner Straße (B 233) zwischen Bergkamen-Rünthe und Bergkamen-Mitte.

An der Marina zweigt der Wanderweg vom Hafenweg in die Marina ab. An beiden Stellen gibt es Infotafeln zum Naturschutzgebiet, zu denen auch Karten mit den Wanderwegen rund um den See gehören.

Zwei unterschiedlich lange Rundwege

Besucher können sich entweder für den kurzen Rundwanderweg bis zur Aussichtsplattform am See entscheiden, der jeweils etwa zweieinhalb Kilometer lang ist. Der längere Weg, der um den gesamten See herum und ein Stück am Datteln-Hamm-Kanal entlang führt, ist etwa sechs Kilometer lang.

Besonders wenn es vorher geregnet hat, sollten Besucher feste Schuhe tragen, die auch ein wenig Matsch vertragen können.

Die Wege sind zwar durchgehend befestigt, aber nicht asphaltiert. Wenn es nass ist, bildet sich an vielen Stellen eine matschige Oberfläche. Hunde dürfen mit zum Beversee. Sie müssen aber ständig an der Leine bleiben, weil es sich um ein Naturschutzgebiet handelt.

Hunde müssen im Naturschutzgebiet an die Leine. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Besucher umfängt schon nach wenigen Metern auf dem Weg ins Naturschutzgebiet eine nahezu urtümliche Waldlandschaft, die ab und zu von Lichtungen unterbrochen wird. An einigen Stellen finden sich auch kleine, fast kreisrunde Tümpel – halb zugewachsene Bombentrichter, die aus dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben sind.

In den vergangenen Jahren haben die Förster dafür gesorgt, dass der rund 100 Hektar große Wald um den See so gut wie nur noch aus einheimischen und standortgerechten Laubbäumen besteht. In Richtung der Marina und der Werner Straße ist er dichter und dunkler. Wer den längeren Weg um den Beversee herum geht, kommt im Westen durch einen lichteren Wald mit Farnen als Untergrund.

Die Aussichtsplattform ist der Höhepunkt der Wanderung

Unbestrittener Höhepunkt der beiden Rundwanderungen ist die Aussichtsplattform am See, die der Regionalverband Ruhr (RVR), der Eigentümer des Naturschutzgebiets, erst vor einigen Monaten komplett neu aus Edelstahlelementen und Holzbohlen errichtet hat.

Sie hat vor allem den großartigen Ausblick über den etwa 700 Meter langen und 100 Meter breiten Beversee und seine Tierwelt zu bieten. Wer ein Fernglas hat, sollte es unbedingt mitbringen.

Der Aussichtspunkt ist vom Regionalverband Ruhr (RVR) erst vor wenigen Monaten neu gestaltet worden. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Das ist aber nicht alles: Eine Liege aus Holz lädt dazu ein, in der Stille am See zu entspannen – zumindest bei entsprechendem Wetter. An der Balustrade gibt es Fotos und Texte zu Tieren, Pflanzen und Insekten, die am und im See zu sehen sind – und eine große, von Nistkästen umgebene Tafel informiert, wie der See und das Naturschutzgebiet entstanden sind.

Fotostrecke

Wanderung um den Beversee

Und damit ist der Besucher nicht nur wegen des Kraftwerks im Hintergrund unweigerlich wieder beim Bergbau angekommen. Der Kohleabbau unter dem Bereich führte vor gut 80 Jahren dazu, dass sich die Erde im Bereich des heutigen Sees stark absenkte.

Der Beverbach, der durch die Senke fließt, füllte sie mit Wasser. Der ganze Bereich darum herum war Eigentum des Bergbaus, der ihn einzäunte und die Öffentlichkeit für Jahrzehnte ausschloss – mit dem Effekt, dass sich die Natur ungestört entwickeln konnte.

Auch im Winter lassen sich am See Wasservögel beobachten. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Noch zu Beginn der 70er-Jahre war das Beverseegebiet in Gefahr. Es gab Pläne, den See zuzuschütten und das Kraftwerk dort zu bauen. Wohl nur dem Einsatz des Bergkamener Lehrers Helmut July und des Kreisdirektors Herbert Reiss ist es zu verdanken, dass das Beverseegebiet erhalten blieb und zum Naturschutzgebiet wurde. Nach beiden sind Wege am Beversee benannt.

Ein Abstecher zur Marina Rünthe lohnt sich

Auch diejenigen, die nicht an der Marina Rünthe starten, sollten einen Abstecher zu einem der größten Yachthäfen der Region einplanen. Die Marina mit über 300 Boots-Liegeplätzen ist in einem ehemaligen Kohle-Umschlaghafen entstanden.

Wer am Beversee ist, sollte einen Abstecher zur Marina Rünthe einplanen. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Außerhalb des Lockdowns können Besucher im „Restaurant im Yachthafen“ einkehren, am schwimmenden Kiosk von Käpt´n Fiete eine Wurst essen oder bis ans Ende des Leitwerks zur Cocktail-Bar „Liquid Liberty“ schlendern, um etwas Heißes zu trinken.

Wer im Winter am Beversee war, kommt im Frühjahr oder Sommer sicher wieder – wenn die Zugvögel zurück sind, auf den Wiesen seltene Pflanzen blühen, Libellen über den See schwirren und es sich im Schatten der Bäume gut aushalten lässt.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
Zur Autorenseite
Michael Dörlemann

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.