Kritisiert die Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung: Denise Schriewersmann. © Stephan Rape
Corona-Pandemie

Wir sprachen mit den Corona-Skeptikern – und landeten am Ende auf der Straße

In Stadtlohn treffen sich regelmäßig Corona-Skeptiker, die mit den Pandemie-Schutzmaßnahmen nicht einverstanden sind. Wir haben mit ihnen gesprochen – und wurden am Ende rausgeschmissen.

Die Gruppe fällt auf. Zwölf Menschen spazieren am Samstagnachmittag durch den Ortskern von Stadtlohn. Sie kommen aus dem Ort selbst, aber auch aus Bocholt, Raesfeld oder Dülmen. Die Kirchenglocken läuten, nur vereinzelt sitzen Menschen vor den Cafés und schauen neugierig herüber. Zur gleichen Zeit kommt es bei Protesten in Berlin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen von Corona-Leugnern mit der Polizei.

Das Ziel der Gruppe in Stadtlohn ist das Ladenlokal an der Eschstraße 15. Früher war hier eine Fahrschule, seit einigen Monaten steht das Ladenlokal leer. Die Schaufensterscheiben sind neuerdings von innen mit Postern verhangen. Deren Inhalt ist eindeutig: Hier ist jemand mit den Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung nicht einverstanden.

Corona-Skeptiker stellen Bedingungen

Die Spaziergänger organisieren sich in der Gruppe „Stadtlohn zeigt sich“ im Messenger Telegram. Hierüber haben wir angefragt, ob wir einen Spaziergang begleiten und ein Interview mit ihnen führen können – aus organisatorischen Gründen in einer kleinen Runde und nicht, wie zunächst angeboten, mit der gesamten Gruppe.

Drei Personen sollten sich bereiterklären, sich namentlich zitieren und fotografieren zu lassen. Die Administratorin der Gruppe sagte zu – unter der Bedingung, dass sie das Gespräch ebenfalls aufzeichnen und die Materialien veröffentlichen darf. Das ist zwar unüblich, aber wir wollten auch diese Gruppierung zu Wort kommen lassen, nachdem sie am vorvergangenen Wochenende durch Störungen beim Impffestival aufgefallen war.

Denise Schriewersmann ist eine Administratorin der Telegram-Gruppe. Mit ihr haben wir das Interview abgesprochen und das Gespräch in voller Länge aufgezeichnet. Die beiden anderen angekündigten Interviewpartner – Bernhard Wehling, Besitzer des Ladenlokals, und Michael Hettmer, wollten sich nicht direkt zu ihr setzen und äußerten sich während der Aufzeichnung nicht.

„Das hier ist ein Treffen unter Freunden, unter Gleichgesinnten“, sagte Denise Schriewersmann zu den Spaziergängen, die immer samstags in Stadtlohn stattfinden. Das Thema Corona spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle – anders, als es die Plakate im Schaufenster nahelegen.

„Also, ich bin kein Corona-Leugner, wie man das in den Medien schreibt. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass es hier ein Virus gibt“, erklärte die zweifache Mutter auf Nachfrage. Ihre Kritik richtet sich gegen die Maßnahmen der Regierung: Die Wirtschaft und Existenzen würden zerstört, Menschen eingesperrt. „Der große Crash kommt noch.“

Überhaupt: Wenn die Pandemie so schwer wäre, dann hätte die Regierung doch ganz anders reagiert. „Dann hätten wir ganz am Anfang alles dicht machen müssen, Grenzen, Geschäfte, dann wären wir nach zwei, drei Wochen mit dem Thema durch gewesen.“ Und jetzt seien Alte und Vorerkrankte größtenteils geimpft, doch die Einschränkungen hätten weiterhin Bestand.

Stattdessen gebe es Grundrechtseinschränkungen ohne hinreichenden Anlass, so Denise Schriewersmann weiter: „Uns werden Rechte weggenommen, was ich verstehen würde, wenn sich draußen die Leichen stapeln würden. Aber zu keiner Zeit waren hier überfüllte Intensivstationen oder Krankenhäuser.“ Sie verfüge über Insiderwissen, führte die Verkäuferin weiter aus.

Auf die Nachfrage nach einem Beleg führt die zweifache Mutter nach kurzem Suchen einen Artikel aus dem „Ärzteblatt“ an, der mit „Krankenhäuser schließen ihre Pforten auch im Coronajahr 2020“ überschrieben ist. Darin berichtet ein deutscher Arzt von Krankenhausschließungen im ländlichen Raum in den USA – eine Entwicklung, die bereits vor 2020 begonnen hat. Denise Schriewersmann hierzu: „Wenn ich eine weltweite Pandemie habe, dann schließe ich keine Krankenhäuser.“

Am Ende kommt der Rausschmiss

Nach etwas mehr als 13 Minuten ist das Interview beendet. Unsere Fragen sind beantwortet. Während wir die Kamera einpacken, äußert sich Bernhard Wehling doch noch zur Thematik. „Die Regierung ist ein großes Verbrechen gegen die Menschen.“ Wieso er nicht klagt? „Das System ist durch und durch korrupt und kaputt.“

Nach seiner Tirade meldet sich Denise Schriewersmann nochmals zu Wort, der offenbar aufgefallen ist, dass sie sich als einzige vor der Kamera äußert: „Ich will nicht allein an den Pranger gestellt werden!“ Die anderen Gesprächspartner hatten sich während der Aufnahme aber nicht geäußert. Es war lediglich abgesprochen, dass sich drei Personen bereiterklären, sich namentlich zitieren und fotografieren lassen zu wollen.

Am Ende ziehen alle dieses Einverständnis zurück – wir veröffentlichen den Beitrag und das Video nach Rücksprache mit unserer juristischen Abteilung trotzdem.

Bernhard Wehling bittet uns am Ende unvermittelt hinaus. „Sie sind ein Propagandablatt! Gott schütze Sie.“

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