Hinter diesen alten Mauern verbirgt sich eine hochmoderne Wohnung. © Stefan Milk
Immobilien

War es Schweinestall oder Remise? Jetzt ist es jedenfalls ein Loft

Es gibt Wohnungen, die erwartet man eher in angesagten Großstadtgegenden denn im beschaulichen Rünthe. Doch dort gibt es ein echtes Loft. Der Eigentümer baute es in ein Gebäude von 1860.

Am Sofa lehnt ein Kinderfahrrad. Mitten im Wohnzimmer hängt von der vier Meter hohen Decke eine Schaukel herab. An dem Stahlträger, der mitten im Raum steht, sind mit Magneten unzählige, von Kindern gemalte Bilder befestigt. Wer beim Begriff „hochmodernes Loft“ automatisch an eine sterile Umgebung denkt, der wird bei dieser Immobilie in Rünthe eines Besseren belehrt. In dieser Wohnung wird gelebt – und vor allem gespielt.

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Gebäude aus dem 19. Jahrhundert umgebaut

„Das ist hier ein Traum für Kinder“, sagt der Papa. Dennis, 34 Jahre alt, kaufte vor fünf Jahren mit einem guten Freund ein altes Gemäuer aus dem 19. Jahrhundert, das zuletzt als Lagerstätte genutzt worden war. Er selbst glaubte bis zu einem Termin mit unserer Redaktion, dass es ursprünglich mal ein Schweinestall gewesen sei. Doch der Nachbar weiß es besser: „Das war eine Remise für Kutschen“, sagt der und deutet zum Beweis auf die zahlreichen Rundbögen in den Außenmauern, die noch heute auf große Toreinfahrten hindeuten.

Ein Schaukel mitten im Wohnzimmer – das Loft ist alles andere als steril. © Stefan Milk © Stefan Milk

Ein Tor gibt es tatsächlich noch, alle anderen wurden zu großen Fenstern. Heute ist das große Gebäude auch zweigeteilt. Im vorderen Bereich lebt Dennis` Freund mit seiner Familie, er selbst baute für sich und Familie den hinteren Teil des altes Hauses um. Und zwar komplett. „Original sind nur noch die Außenwände“, sagt Dennis, doch genau das reizt den 34-Jährigen.

„Alt von Außen, neu von Innen. Ich mag es, wenn sich das beißt“, sagt Dennis, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte und auch kein Bild seiner Person wünscht. „Ich steh nicht gern in der Öffentlichkeit“, sagt er. Sein Haus – bzw. das, was er selbst daraus gemacht hat, zeigt er aber gern.

Treppe mit Seitenschutz aus Schnursenkelen

„80 Prozent habe ich in Eigenleistung gemacht“, sagt der gelernte Schweißer, der nach einem anschließenden Studium heute Fertigungsleiter ist. „Die Treppe habe ich selbst gebaut“, berichtet er und weist auf eine schlichte, aber elegante offene Treppe, die ins Obergeschoss führt. Die Seiten der Treppe sind durch ein Geflecht gesichert, das auf den ersten Blick wie eines aus Stahlseilen wirkt. Doch: „Das ist Meterware Schnürsenkel“, sagt Dennis und schmunzelnd angesichts der ungläubigen Blicke, die er erntet.

Ein Netz aus Schnürsenkeln sorgt für Sicherheit rund um die selbstgebaute Stahltreppe. © Stefan Milk © Stefan Milk

Normalerweise würde solch eine Treppe jeden Raum dominieren, doch im 160 Quadratmeter großen Erdgeschoss, in dem außer einer Couchgarnitur und einer Kücheninsel an der Seite wenig steht, fällt sie nicht ins Gewicht. Hier ist soviel Platz, dass der fünfjährige Sohn mit einer ganzen Fußballmannschaft Radfahren könnte.

Viel liebe zum Detail

Viel Liebe zum Detail hat Dennis beim Umbau gezeigt, doch am Ende hatte er die Nase voll. Das Gästebad ist noch im Rohbau – und lässt erahnen, wie das Gemäuer ursprünglich ausgesehen haben muss. Einen Architekten brauchte er dennoch nur für den Bauantrag, den Statiker beschäftigte er aus eigenem Willen heraus. „Auch Fußleisten sind irgendwie überbewertet“, sagt Dennis lachend. Die fehlen seit dem Einzug vor zwei Jahren. „Was nicht fertig ist, wenn man einzieht, das wird irgendwie auch nicht fertig“, sagt der Hausherr. Nach drei Jahren Bauzeit fehlte dann der Schwung, denn den Umbau hatte er nach seiner eigentlichen Arbeit an drei Tagen die Woche gestemmt.

Die Kücheninsel im offenen Wohnbereich. © Stefan Milk © Stefan Milk

„Ich habe auch noch andere Hobbys. Jetzt schraube ich grad lieber an meinen Autos“, sagt er und öffnet die vom Wohnzimmer abgehende Tür in die Garage. Dass die nicht größer ist, ist das einzige, was er bedauert und was ihn nochmals zu einem Umzug bewegen könnte. „Ich wollte immer einen eigenen Bauernhof haben“, sagt der Mann, der mit viel Platz aufwuchs und das auch nicht missen will.

Dreizimmer-Wohnung im Obergeschoss

Von dem gibt es im Obergeschoss noch mehr. Um die Treppe kann man einmal herumlaufen, bodentiefe Fenster im Dach lassen einen Blick über das riesige, mehr als 4000 Quadratmeter große Grundstück zu. Im inneren gibt es fünf Türen. Eine führt ins geräumige Bad, zwei in Kinderzimmer, eine ins Schlafzimmer und eine in den Begehbaren Kleiderschrank, wo auch der Staubsauger steht. „Drei-Zimmer-Wohnung“ nennt Dennis diesen Bereich lachend, der allein 200 Quadratmeter Wohnfläche umfasst.

Dennis` Lieblingsraum ist das Schlafzimmer. Die Holzbalken spiegeln den Charme des Hauses wieder. Früher fiel das Licht nur durch die halbrunden Fenster ins Obergeschoss. © Stefan Milk © Stefan Milk

Hier ist alles neu, selbst der Fußboden. Dennis zeigt ein Video vom ursprünglichen Zustand des Hauses. Kleine Dachluken, ein paar Rundbögen, das wars. Alles dunkel. „Hier oben war es schlimm. Und alles morsch“, berichtet Dennis. Doch zum Glück musste er keine großen Auflagen einhalten sondern lediglich Sprossenfenster einbauen. „Das hätte ich aber sowieso getan“, sagt Dennis. „Wenn das unter Denkmalschutz stünde, hätte ich es nicht gemacht.“

Das Bad im Obergeschoss bietet einen Blick ins Grüne. © Stefan Milk © Stefan Milk

So konnte er schalten und walten und konnte wegen der Privatnutzung auch mit Schnürsenkeln arbeiten. „Wir haben es mal durchgerechnet. Der Umbau durch Fachleute hätte etwa 600.000 Euro gekostet“, verrät Dennis. Er machte aber vieles selbst. Nichts destotrotz steigerte sich durch den Umbau der Wert der Immobilie.

Verkaufen würde er aber nur, wenn der Käufer auch menschlich zu den Nachbarn passt. „Das ist ja mein guter Freund“, sagt Dennis. Da muss dann einfach alles stimmen. Und Ausbaumöglichkeiten gibt es ja auch so noch, sollte es ihm eines Tages zu klein werden: „Hier geht es auf den Dachboden“, sagt Dennis und weist auf eine Luke in der Decke vor der Schlafzimmertür. „Da war ich aber noch nicht.“

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