Das Hellmig-Krankenhaus in Kamen wehrt sich gegen den Vorwurf, die Toiletten würden zu selten gereinigt – und deshalb sei eine hilflose Frau aus Bergkamen 36 Stunden unentdeckt geblieben. Eine Kamera-Überwachung am Eingang gibt es nicht. © Claudia Pott (Archiv)
Hellmig-Krankenhaus Kamen

Vermisste 80-Jährige: Krankenhaus versichert regelmäßige Reinigung der Toiletten

Saß eine vermisste alte Dame wirklich 36 Stunden lang auf der Besuchertoilette im Krankenhaus? Das Hellmig-Krankenhaus Kamen hält das für nicht möglich. Die Toiletten würden täglich gereinigt.

Nachdem eine 80 Jahre alte Frau mutmaßlich 36 Stunden auf der Besuchertoilette des Hellmig-Krankenhauses eingesperrt war, fragen sich viele Menschen, ob die Toiletten dort nicht regelmäßig gereinigt werden. Und vermuten, dass die Frau bei entsprechenden Reinigungsintervallen viel früher hätte gefunden werden können.

Nach Auskunft des Klinikums Westfalen, zu dem das Kamener Krankenhaus gehört, gibt es freilich einen genauen Reinigungsplan, der eine tägliche Reinigung der Toiletten vorsieht. „Die fragliche Toilette wird immer morgens gegen 6 Uhr gereinigt“, teilt die Pressestelle des Klinikums mit. Das soll auch am vergangenen Mittwoch so gewesen sein – am Morgen, nachdem die Frau aus der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Krankenhauses verschwunden war.

Die Toilette soll auch am Mittwochmorgen geputzt worden sein

Die zuständige Reinigungskraft versichert, dass sie die Toilette auch am Mittwochmorgen gereinigt hat. Die Anlage sei zu diesem Zeitpunkt leer gewesen und von ihr komplett gereinigt worden. Das Klinikum hält es auch für ausgeschlossen, dass die Kabine nicht geputzt wurde, weil sie belegt war. Wenn eine Kabine geschlossen ist, sollen sich die Reiningungskräfte durch Klopfen bemerkbar machen. Und wenn darauf keine Reaktion erfolgt, sollen sie die Kabine öffnen.

Dieses Vorgehen sei vorgegeben, versichert eine Sprecherin des Klinikums.

Am Donnerstagmorgen um 6 Uhr hatte die Reinigungskraft die 80-Jährige auf diese Weise auf der Toilette gefunden.

Sie war nach Angaben des Krankenhauses wach und ansprechbar. Die Reinigungskraft habe sofort die Mitarbeiter der ZNA informiert, die sich um die 80-Jährige kümmerten. Unmittelbar danach sei auch die Rufanlage in der Toilettenkabine geprüft worden. Sie habe funktioniert, versichert das Klinikum.

80-Jährige soll 36 Stunden auf der Toilette festgesessen haben

Nach Angaben des Sohnes der Bergkamenerin hat die 80-Jährige die Toilette am Dienstag gegen 17.30 Uhr aufgesucht. Sie sei plötzlich nicht mehr hochgekommen, schildert er. Seine Mutter habe gerufen und den Seilzug der Rufanlage gezogen, aber nichts sei passiert – bis sie am übernächsten Tag gefunden wurde. Sie habe Druckmale vom langen Sitzen auf der Toilettenbrille, versicherte der Sohn.

Eine Videokamera am Eingang, mit der das Krankenhaus prüfen kann, ob ein Patient tatsächlich gegangen ist, gibt es übrigens nicht. Es gebe sie nicht, weil der Eingang direkt von der Information aus gesehen werden könne, sagte die Sprecherin. Eine Kamera gibt es nur an der Parkplatz-Zufahrt.

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Redaktion Bergkamen
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Michael Dörlemann

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