Wer einen Senior im Schmallenbach-Haus besuchen will, kommt an dieser Maschine nicht vorbei. Das Programm lässt auch Rückschlüsse auf die Besuchszahlen zu. © Udo Hennes
Senioren

Vergessen im Pflegeheim: Jeder dritte Bewohner bekommt seit Monaten keinen Besuch

Weihnachten machte stutzig. Kann es wirklich sein, dass einige Bewohner des Pflegeheims gar keinen Besuch bekommen? Die Erkenntnisse seither machen betroffen.

Als die Weihnachtszeit kommt, muss Heinz Fleck das erste Mal stutzen. Manch ein Bewohner in seinem Haus bekommt während der Feiertage keinen Besuch. Ein einmaliges Phänomen – oder etwa nicht? Der Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses in Fröndenberg wirft deshalb einen genaueren Blick auf die Besucherzahlen; und ist betroffen angesichts der Erkenntnisse.

„Wir haben eine tolle Betreuung im Haus“, sagt er. „Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich in 30 Jahren vielleicht hier lebe und meine Kinder mich nicht besuchen, wäre ich sehr deprimiert.“ Genau so scheint es aber einigen Bewohner zu ergehen.

Viele bekommen wenig oder keinen Besuch

Im Laufe der Corona-Pandemie wurde es unerlässlich, die Besucher in der Einrichtung elektronisch zu erfassen. Dadurch können Fleck und sein Team auch sehen, wer wenig oder schlimmstenfalls gar keinen Besuch bekommt. Die bittere Erkenntnis nach drei Monaten: Manch ein Senior ist seit Weihnachten noch gar nicht besucht worden. „Das ist schlimm“, sagt Fleck.

Allein im Februar diesen Jahres haben 60 Bewohner auf dem Hirschberg gar keinen Besuch bekommen, 31 Senioren immerhin einen Besuch in vier Wochen. Das sind gut ein Drittel aller Bewohner, die derzeit in der Einrichtung leben.

Heinz Fleck ist Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses in Fröndenberg.
Heinz Fleck ist Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses in Fröndenberg. © Lisa Dröttboom © Lisa Dröttboom

„Wir müssen untersuchen, woran das liegt und wie wir das ändern können“, sagt Fleck. Nahe liegt dabei, dass die Zahlen in der Angst vor dem Virus gründen und die Bewohner mit dem Fernbleiben der Angehörigen geschützt werden sollen. Dabei sind die Kontakte zu Familie und Freunden auch für die Bewohner wichtig, wie die herzergreifenden Momente bei der Öffnung des Hauses nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühsommer zeigten.

Auch fürchtet er, dass manche Angehörigen das Krankheitsbild insbesondere von Demenzerkrankten – davon sind viele Bewohner in der Einrichtung betroffen – gar nicht in seinem vollen Ausmaß versteht. „Vielleicht denkt der eine oder andere ja, ein Besuch würde sich gar nicht lohnen, weil er von seiner Mutter eh nicht erkannt würde.“ Da möchte er aufklären.

Bis zum Sommer weiter beobachten

Das Schmallenbach-Haus möchte dieses Thema künftig angehen – auch über die Corona-Zeit hinaus. Konkrete Pläne gibt es dabei noch nicht, wohl aber einige gereifte Ideen, wie man mitunter auch die Angehörigen wieder auf den Hirschberg locken kann. Denn die Einrichtung soll nicht nur den Senioren zum Wohnen dienen, sondern auch ein Ort der Begegnung sein.

Dass ein Kindergarten auf den Hirschberg zieht, ist dabei ein ebenso wichtiger Schritt wie die Neugestaltung des Campus. So könne man sich in Flecks Vorstellung mit seiner Mutter auf die Bank setzen und gleichzeitig das eigene Kind beim Spielen beobachten.

Auch der geplante Klang- und Bewegungsweg soll Impulse schaffen, mit den Senioren einen Spaziergang zu unternehmen. „Damit man ein Ziel anstreben kann“, sagt Fleck, der aus Erfahrung weiß, dass ein Spaziergang dann mehr Spaß macht.

Bis zu den Sommerferien möchte Fleck die Zahlen nun weiter beobachten und schauen, ob mögliche Lockerungen und die besseren Temperaturen einen Einfluss haben. Dann aber will er spätestens ein Ergebnis aus den Zahlen ziehen und reagieren.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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