Die drei angeklagten Motorradrocker vor Prozessbeginn an der Seite ihrer Verteidiger Hartmut Moyzio (l.), Dirk Lenzing und Matthias Düllberg (hinten) © Werner von Braunschweig
Landgericht Bochum

Umstrittene SEK-Einsätze: Motorradrocker ergeben vor Gericht schwere Vorwürfe

Zwei Motorradrocker aus Wanne-Eickel müssen wegen illegalen Drogen- und Waffenbesitzes jeweils Geldstrafen bezahlen. Auslöser dafür waren umstrittene SEK-Einsätze.

Die Anklage sprach von Rauschgift, Schusswaffen, Erpressung und blutrünstigen Drohungen – übrig blieb davon am Ende nur ein winziger Teil: Das Bochumer Landgericht hat am Freitag zwei Mitglieder (47,52) des Motoradclubs „Freeway Riders“ aus Wanne-Eickel zu Geldstrafen in Höhe von 4.200 beziehungsweise 900 Euro verurteilt. Ein dritter Rocker (46), ebenfalls aus Wanne-Eickel wurde von allen Vorwürfen freigesprochen.

Die Ermittlungen gegen das Trio basierten auf der belastenden Aussage eines zum Ausstieg entschlossenen Ex-Clubmitglieds. Der Mann hatte von kiloschweren Drogendeals und einem Schusswaffenverkauf berichtet, außerdem behauptet, dass er erpresst worden sei, tausende von Euro als eine Art „Aussteiger-Ablöse“ zu zahlen. Angeblich sei ihm sogar gedroht worden, ihm andernfalls „Tattoos aus dem Gesicht zu schneiden“ und „seine Freundin zu vergewaltigen“.

Anwälte kritisieren Polizeiarbeit scharf

Nachdem der Belastungszeuge im Prozess seine Aussage verweigert hatte, ließen sich große Teile der Vorwürfe nicht nachweisen. Für die Verteidiger des Trios war an den Belastungen ohnehin nicht das Geringste dran („Alles verlogene Behauptungen“). Scharfe Kritik übten die Anwälte zudem an der Polizeiarbeit („Unfaire Ermittlungen“).

Im April 2019 hatten Spezialeinsatzkräfte früh morgens die Wanne-Eickeler Wohnungen der Rocker mit Blendgranaten gestürmt, durchsucht und dabei bei einem eine deaktivierte Schusswaffe, bei einem anderen eine Mini-Menge Marihuana gefunden – darauf beruhen schlussendlich die zwei verhängten Geldstrafen.

Nicht die Spur eines Indizes

Bei dem freigesprochenen Rocker habe sich letztlich nicht eine Spur eines Indizes nachweisen lassen. „Ein Desaster“, kritisierte Verteidiger Matthias Düllberg (Bochum). Nichtsdestotrotz aber habe die Polizei die Wohnung des Familienvaters damals mit zwei schlafenden Kleinkindern früh morgens um fünf Uhr sinngemäß in Schutt und Asche gelegt. Verteidiger Düllberg: „Mein Mandant ist vor allem freigesprochen worden, weil ihm Unrecht widerfahren ist.“

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