Ein Rettungswagen und ein Feuerwehrwagen stehen an dem mit einem Absperrband der Polizei abgesperrten Tatort auf einem Parkplatz, an dem die Leiche einer 22-jährigen Frau gefunden wurde. © picture alliance/dpa
Kriminalität

Tod einer schwangeren Frau: Mutmaßlicher Täter ist womöglich schuldunfähig

Ein 23-jähriger Bergkamener soll seine schwangere Ex-Freundin getötet haben. Ob er sich in einem Strafprozess verantworten muss, steht aber nicht fest. Es hängt auch von einem Gutachten ab.

Der 23-jährige Bergkamener, der verdächtigt wird, seine ehemalige Freundin umgebracht zu haben, ist womöglich schuldunfähig. Zumindest hat die Staatsanwaltschaft Dortmund ein entsprechendes psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben, wie Staatsanwalt Felix Giesenregen auf Nachfrage unserer Redaktion sagte.

Der junge Mann sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, am 14. Januar in Hamm eine 22-jährige schwangere Frau mit mehr als 60 Messerstichen und -schnitten getötet zu haben.

Dass sich nun ein Psychiater mit ihm befassen wird, sei keineswegs eine Routineangelegenheit, erläuterte Giesenhagen: „Das wird nur gemacht, wenn es konkrete Anzeichen für die Schuldunfähigkeit eines Tatverdächtigen gibt.“ Welche das in diesem konkreten Fall sind, wollte der Staatsanwalt nicht sagen.

Eine Einweisung in die Psychiatrie ist denkbar

Falls der Gutachter den 23-Jährigen tatsächlich für schuldunfähig hält, bedeutet das aber keineswegs, dass er nicht vor Gericht muss. Allerdings gebe es in einem solchen Fall keinen strafrechtlichen Prozess, sondern ein sogenanntes Sicherungsverfahren, erläuterte Giesenregen.

In diesem Verfahren würden die Richter prüfen, ob der Mann gefährlich ist. Am Ende könnte die Einweisung in die Psychiatrie stehen, erläuterte der Staatsanwalt: „Und zwar zunächst einmal unbefristet.“

Die Staatsanwaltschaft muss noch einige Spuren auswerten. Zum Beispiel die Handy-Daten des Opfers und des mutmaßlichen Täters. © dpa © dpa

Bevor das Gutachten vorliegt, wären aber alle Vorhersagen über das Ergebnis und die juristischen Folgen „Kaffeesatzleserei“, meinte Giesenregen. Er rechnet damit, dass der Gutachter seine Arbeit in vier bis acht Wochen abschließt.

Danach werde die Staatsanwaltschaft sehen, wie es weitergeht, sagte Giesenregen: „Im Moment gehe ich davon, dass ich Anklage erheben werde.“ Wenn das Landgericht sie zulässt, käme es zu einem Strafprozess.

Bis Giesenregen die Anklageschrift abfassen kann, kommen auf ihn und die anderen Ermittler aber noch eine ganze Menge Arbeit zu. So läuft derzeit noch die Auswertung der Mobilfunkdaten des Opfers und des mutmaßlichen Täters.

Der Staatsanwalt erhofft sich davon Erkenntnisse, warum sich die Frau mit dem Bergkamener auf dem Parkplatz in Hamm traf, auf der sich die Bluttat ereignete. Bisher ist offenbar noch nicht klar, ob sich die beiden verabredet hatten.

Anwohner findet mögliche Tatwaffe

Bei der Suche nach der Tatwaffe hat die Staatsanwaltschaft zumindest eine Spur. Nach den Berichten über das Tötungsdelikt habe sich ein Anwohner bei der Polizei gemeldet, der in seinem Garten ein Messer gefunden hatte, sagte Giesenregen. Allerdings sei das fragliche Grundstück ein ganzes Stück vom Tatort entfernt. Deshalb sei noch nicht klar, ob der Bergkamener dieses Messer benutzt hat. Die Polizei hatte den 23-Jährigen am Tatort südlich der Hammer Innenstadt festgenommen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hat er nach der Tat seine Schwester angerufen. Die kam dann zu dem Parkplatz und rief die Polizei.

Allzu viel Zeit sollte sich die Staatsanwaltschaft nicht lassen. Da der Verdächtige in Untersuchungshaft sitzt, hat er einen Anspruch darauf, dass seine Verhandlung nach spätestens sechs Monaten beginnt. Das schreibt die Strafprozessordnung vor.

Angesichts des Ermittlungsstandes erwartet Giesenregen damit aber keine Probleme. Er werde das Verfahren zügig abschließen, wenn die Handy-Daten ausgewertet sind und das psychiatrische Gutachten vorliegt: „Ich sehe im Moment nicht die Gefahr, dass wir die Sechs-Monats-Frist reißen werden.“

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
1967 in Ostwestfalen geboren und dort aufgewachsen. Nach Abstechern nach Schwaben, in den Harz und nach Sachsen im Ruhrgebiet gelandet. Erst Redakteur in Kamen, jetzt in Bergkamen. Fühlt sich in beiden Städten wohl.
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