Coronavirus

Suche nach Lösungen für die Schulen in NRW – „Freischuss“ für Abiturienten?

Sechs Wochen Distanzunterricht von Anfang Januar bis Mitte Februar - das zehrt an den Nerven von Schülern, Eltern und Lehrern. Die SPD-Opposition fordert umfassende Hilfe - auch für Abiturienten.
Wie es nach dem 14. Februar in den Schulen weitergehen soll, ist noch nicht eindeutig geklärt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die SPD-Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag hat sich angesichts der Corona-Einschränkungen für einen „Freischuss“ bei den Abiturprüfungen in diesem Jahr ausgesprochen. Das würde kurzfristig Druck von den Schülern nehmen, „gerade in der jetzigen Situation, wo viele Jugendliche sehr nervös sind“, sagte der SPD-Schulexperte und stellvertretende Fraktionschef Jochen Ott am Montag in Düsseldorf. Für den Herbst solle daher ein „zweiter Prüfungskreislauf“ angeboten werden.

Skeptisch äußerte sich Ott zu Vorschlägen, die Abiturprüfungen dieses Jahr ganz zu streichen und Abschlüsse auf Basis von Durchschnittsnoten zu vergeben. Bei den Abiturienten dieses Jahrgangs stelle sich die Frage, ob sie angesichts der coronabedingten Ausfälle bei den Halbjahresnoten „zeigen konnten, was sie drauf haben“, sagte Ott. Für viele Schüler wäre es daher wahrscheinlich ein Vorteil, wenn sie die Abiprüfungen machen könnten.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte bereits erklärt, dass das Land trotz der Corona-Krise gemäß einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) auch in diesem Schuljahr an Abschlussprüfungen festhalte. Das gelte für das Abitur und auch für die mittleren Schulabschlüsse. Angesichts der mindestens sechs Wochen dauernden Schulschließungen im Corona-Lockdown bis 14. Februar fordert die SPD-Opposition umfangreiche Sofortmaßnahmen für die Schüler im Distanzunterricht.

Forderung nach Lösungen für Unterricht nach dem 14. Februar

Ein entsprechender Eilantrag wird diese Woche im Plenum debattiert. SPD wie auch Grüne fordern eine Unterrichtung des Landtags durch Gebauer. Die CDU/FDP-Landesregierung habe immer noch keinen Fahrplan, wie es nach dem 14. Februar an den Schulen weitergehen solle. Die nächsten drei Wochen müssten dafür genutzt werden, dass an jeder Schule in NRW ein Wechselmodell aus Fern- und Präsenzunterricht vorbereitet werde, sagte Ott.

„Ich gehe nicht davon aus, dass am 15. Februar, pünktlich zum Rosenmontag, die Klassen überall in Nordrhein-Westfalen wieder komplett voll sind.“ Er gehe eher von Wechselmodellen im Unterricht „bis mindestens Ostern“ aus, so der SPD-Schulpolitiker. Solche Modelle hätte man längst erarbeiten können. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe das aber nicht gewollt. „Wann akzeptiert man endlich: Es ist kein normales Schuljahr“, sagte Ott.

Da bis zum 14. Februar kein normaler Unterricht in den Klassen laufen kann, legte die SPD ein eigenes Sofortprogramm vor. Unter anderem fordert sie kostenlose SIM-Karten für Schüler, damit sie problemlos zum Beispiel mit Tabletcomputern am digitalen Distanzunterricht teilnehmen können. Das würde Kindern und Jugendlichen helfen, die zu Hause keine ordentliche Internetverbindung haben.

„Viele Kinder sind seelisch sehr belastet, viele Eltern gehen am Stock“

„Das Land und gegebenenfalls große Wohnungsbaugesellschaften sollen parallel aktiv für WLAN-Patenschaften in den Nachbarschaften werben“, heißt es in dem Maßnahmenkatalog der SPD. Kinder oder Jugendliche, die zu Hause kein eigenes Zimmer hätten oder mit mehreren Geschwistern in einer kleinen Wohnung lebten, müssten sofort die Möglichkeit bekommen, in Ruhe in den Schulen zu arbeiten. Kinder müssten auch „gesehen werden“, sagte Ott.

Gerade sozial benachteiligte Schüler brauchten jetzt einen festen Ansprechpartner. Über alle sozialen Schichten hinweg gebe es Schüler, die unter dem Lockdown litten „und in dieser Form der Zwangsisolation seelischen Schaden nehmen“, heißt es im SPD-Programm. Ott sagte: „Viele Kinder sind seelisch sehr belastet, viele Eltern gehen am Stock.“ Gerade in den Grundschulen müssten die Kinder – „und wenn es nur für ein Stunde ist“ – in kleinen Gruppen die Lehrer treffen können.

Auch ein kommunales Sorgentelefon für Eltern und Kinder müsse aufgebaut werden. Das Land solle zudem zentral Luftfilteranlagen für Schulen beschaffen und besonders den Förderschulen bereitstellen. Der Distanzunterricht müsse genau analysiert werden. „Es gibt nämlich auch Schulen, da sind die Kinder am Nachmittag richtig platt“, sagte Ott. Manche Schüler säßen sieben bis acht Stunden am Rechner. Ott sprach sich auch gegen ein vorschnelles Streichen der beweglichen Ferientage etwa zur Karnevalszeit oder im Frühsommer aus.

dpa

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