Bundestagswahl

Stolperstart der Union – Laschet muss Wahlkampf-Tour verschieben

Nur noch gut sieben Wochen sind es bis zur Bundestagswahl - da könnte man langsam mal mit dem Wahlkampf beginnen. Das wollte jetzt auch Unions-Kanzlerkandidat Laschet. Doch es kommt anders.
Eigentlich wollte jetzt auch Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet seine Wahlkampf-Tour starten. Doch es kommt anders. © picture alliance/dpa

Es hätte das Symbolfoto des Tages werden können: Armin Laschet steigt gut sieben Wochen vor der Bundestagswahl in den Ring. So geplant für diesen Donnerstag. Der CDU-Vorsitzende und Unions-Kanzlerkandidat wollte an diesem Tag zu einer Deutschlandreise aufbrechen, seiner ersten Wahlkampftour.

Auftakt sollte sein: ein Besuch im Boxcamp Gallus in Frankfurt am Main. Keine 24 Stunden vorher sagt die CDU den Termin überraschend ab. Laschet sei, so lässt sich die Begründung zusammenfassen, als Ministerpräsident im vom Hochwasser geplagten Nordrhein-Westfalen unabkömmlich.

Der Wahlkampf der Union startet damit endgültig eher stolpernd als mit einem machtvollen Aufschlag. Denn auch der offizielle Auftakt am 21. August wird nicht so stattfinden wie lange geplant. Eigentlich sollte dieser ein großes Event im Freizeitpark Rust werden – wurde dann aber nach Berlin verlegt. Die Details sind noch offen.

Der Hintergrund in beiden Fällen: die jüngste Flutkatastrophe. Bilder der Parteispitzen von CDU und CSU im Vergnügungspark, während im Ahrtal die Menschen verzweifelt ihr Hab und Gut zu retten versuchen – das war der Unionsführung dann offensichtlich doch zu brenzlig.

Wegen Flutkatastrophe: Laschet verschiebt Wahlkampftour

Ähnlich sah es jetzt bei Laschets Wahlkampftour aus, die auch Programmpunkte wie einen Spaziergang durch die Altstadt von Heidelberg, den Besuch eines Weingutes in Leimen oder den Gang über den Baumwipfelpfad Schwarzwald beinhalten sollte. Alles Bilder, die nicht zur Katastrophenlage im eigenen Bundesland passen.

„Die Bewältigung der Hochwasserkatastrophe hat für Armin Laschet höchste Priorität, ihr wird er auch weiterhin seine volle Aufmerksamkeit widmen“, hieß es denn auch in einer Mitteilung der Bundes-CDU zur Absage der dreitägigen Tour, die sich las, als sei sie in der Staatskanzlei in Düsseldorf geschrieben worden.

Laschet steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite muss er als Landesvater Präsenz und Tatkraft zeigen. Erst am Montag schlug ihm bei einem Besuch im Katastrophengebiet die Enttäuschung mancher Menschen entgegen, die sich in ihrer Not allein gelassen fühlen. Versprochen wurde ihnen unmittelbar nach der Flut schnelle und unbürokratische Hilfe. Doch diese vermissen sie bislang offenbar.

Auf der anderen Seite müsste der Kanzlerkandidat der Union endlich mit dem Wahlkampf loslegen. Schließlich sind es bis zum Wahltag nur noch gut sieben Wochen. Und die Umfragewerte sinken wieder.

Gegner von Laschet legen längst vor

Die politischen Mitbewerber jedenfalls legen längst vor. Potsdam, Teltow, Beelitz waren vergangene Woche Ziele von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner tourte entlang der Ostsee unter anderem durch Ahlbeck, Binz und Warnemünde. Und der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck brachte ebenfalls an der Küste in Travemünde, Lübeck und Eckernförde seine Botschaften unters Volk.

Zwar war der Zulauf bei diesen Veranstaltungen bisweilen überschaubar – die Republik befindet sich eben im Moment mehr im Urlaubs- und weniger im Wahlkampfmodus. Aber auch solche Termine bringen Medienpräsenz. Und die ist schon deshalb wichtig, weil bereits ab Mitte August gewählt werden kann. Per Briefwahl, die coronabedingt in diesem Jahr voraussichtlich weit stärker genutzt wird als früher.

Es geht aber bei weitem nicht nur um die politische Konkurrenz. Die Schwesterpartei CSU verdeckt kaum ihren Unmut über die bislang nur dahinplätschernde Wahlkampagne. „Wir stehen vor einer neuen Zeit. Wer die neue Zeit prägen will, muss jetzt den Wahlkampf prägen“, schrieb CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erst am Dienstag in einem Gastbeitrag für die „Welt“. Davon kann bisher nicht die Rede sein.

So dürfte sich CSU-Chef Markus Söder in seiner Auffassung bestätigt fühlen, dass er der „Antreiber“ im Wahlkampf sein müsse. „Wir brauchen einfach mehr Tempo und Power“, sagte der Unterlegene bei der Kür des Unions-Kanzlerkandidaten erst am vergangenen Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Da sei er sich mit Laschet einig, versicherte er noch. Was man als Aufforderung an Laschet verstehen konnte, endlich genau dies an den Tag zu legen: mehr Tempo und Power.

dpa

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