Coronavirus

Startschuss für Impfzentren – Erleichterung bei Senioren

Die nächste Phase der Corona-Impfkampagne in NRW hat begonnen: Seit Montag bekommen jetzt auch Senioren, die nicht in Heimen leben, eine Schutzimpfung. Fast 12.000 Dosen sollten geimpft werden.
Wolfgang Assiep (82) wird als Erster im Impfzentrum Essen von Arzt Klaus Leifeld mit dem Imfpstoff von BioNTech geimpft. © picture alliance/dpa

Die ersten Senioren sind schon um 13.30 Uhr ins Impfzentrum Essen in der Messe gekommen. Man kann ja nie wissen. Und dann noch der ganze Schnee, Busse fahren heute keine, nur eine U-Bahn. Wolfgang Assiep ist in Essen der Allererste. Mehr als sechs Kilometer ist der frühere Bergmann und spätere Hochschuldozent an diesem Montag durch den Schnee gestapft. Um 14.10 Uhr hat der 82-Jährige seinen Termin. Jetzt sitzt er auf einem Stuhl und wartet, dass seine Nummer aufgerufen wird. „Ich bin froh, dass hoffentlich der Druck jetzt weggeht“, sagt er.

Seit November seien er und seine Frau bewusst in Quarantäne, „so dass die Kinder und Enkelkinder nicht mehr kommen“. Jeden Sonntag gebe es seitdem eine Videokonferenz. „Die macht auch Spaß, aber sie ersetzt die Anwesenheit der Enkelkinder nicht – das Drücken, das In-Den-Arm-Nehmen.“

Rund 11.400 Dosen sollten am Montag geimpft werden

Lange haben sie auf diesen Tag gewartet in den 53 fix und fertig aufgebauten Impfzentren in Nordrhein-Westfalen, seit Mitte Dezember: die Kommunalbehörden, die Hilfsorganisationen, die Feuerwehren, die freiwilligen Helfer und nicht zuletzt die Impfteams der Kassenärztlichen Vereinigungen, die für den medizinischen Teil verantwortlich sind. Und die vielen Menschen ab 80 Jahren, die zu Hause leben. In NRW knapp eine Million.

Rund 11.400 Dosen sollten am Montag geimpft werden. Ein Anfang. In Essen leben rund 42.000 Menschen ab 80 Jahren. Über die Hälfte hat dort bisher einen Termin. Ganz unspektakulär geht es dann los. Es ist gerade 13.45 Uhr, eine Viertelstunde vor der geplanten Startzeit. Impfstraße 1,2,3,4. Fünf ist noch nicht ganz fertig. Doch, jetzt. Der nächste bitte. Rote Leuchtziffern zeigen an, wer dran ist. Jedes Mal gibt es einen Gong, der klingt, als wäre man im Einwohnermeldeamt.

Die allermeisten Senioren kommen in Begleitung – etwa mit dem Partner oder einer Tochter. Erledigung der Formalien, wer mag, noch ein Aufklärungsgespräch mit dem Arzt und dann die Impfung. Unter Aufsicht 30 Minuten warten, wie der Körper reagiert. Am Montagnachmittag hat sich die Wartezone gut gefüllt. Einige sind schon um halb drei gekommen, obwohl sie ihren Termin erst um halb fünf haben. Macht nichts. Warten lässt man sie nicht.

„Wir freuen uns einfach, dass sich trotz des Wetters viele auf den Weg gemacht haben“, sagt Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU). „Das Impfen ist die Tür, durch die man gehen muss, um das alte Leben wieder zu bekommen.“ Ob jemand wegen des Wetters nicht gekommen ist, können sie am Nachmittag an der Anmeldung noch nicht sagen. Wem das Wetter am Montag noch zu heikel ist, der kann auch am Dienstag kommen, zur gleichen Zeit, ohne extra Anmeldung.

„Die einzige Aufregung war das Wetter“

Eine gute Stunde nach dem Start ist der leitende Impfarzt Stefan Steinmetz (71) guter Dinge. „Die einzige Aufregung war das Wetter.“ Am Anfang habe es noch ein bisschen beim „Formularkram“ gehakt. „Der Impfarzt muss bei jeder Impfung bis zu sieben Unterschriften leisten.“ Später am Nachmittag wird die Wartezone noch vergrößert, weil fast alle mit Begleitung kommen. Zweieinhalb Stunden nach Impfstart ist die Wartezone zeitweise ganz leer.

Wolfgang Assiep hat es mittlerweile hinter sich – gegen 13.50 Uhr. Ein bisschen ungeduldig sitzt er jetzt in der Nachbeobachtungszone und überlegt, wie er wieder nach Hause kommt. Wieder daheim, „dauert es eine Stunde oder zwei, dann kämpfe ich darum, einen Termin für meine Frau zu bekommen“. Zur Not wieder online UND telefonisch, an zwei Rechnern und an zwei Telefonen. So wie beim ersten Mal, als er für sich einen Termin ergatterte. Seine Frau wird erst in einem Monat 80. „Sie durfte noch nicht, sonst hätte ich sie heute gerne mitgenommen.“

dpa

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