Das ist der Gewinner des Preises "Spiel des Jahres 2021" © Christopher Filipecki
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Spiel des Jahres 2021 „MicroMacro: Crime City“: Eine Empfehlung?

Am 19. Juli wurde das „Spiel des Jahres 2021“ gekürt. Gewonnen hat „MicroMacro: Crime City“, ein äußerst sperriger Name. Was verbirgt sich dahinter? Lohnt sich der Kauf? Wir haben es getestet.

Seit 1979 küren Spielekritiker das „Spiel des Jahres“. Ein Gesellschaftsspiel, das in den letzten zwölf Monaten erschien und sie am meisten überzeugt hat und in ihren Augen für die ganze Familie geeignet ist. Seit zehn Jahren gibt es den Preis „Kennerspiel des Jahres“, bei dem Spiele für Vielspieler ausgezeichnet werden, die auch mal etwas komplexeres Denken erfordern.

2021 lautet der Gewinner „MicroMacro: Crime City“ von Johannes Sich, erschienen im Verlag Pegasus Spiele. Sich allein den Namen zu merken, fällt schon schwer. Doch was genau kann das Spiel, das mit seinen ca. 25 Euro Ladenpreis zu den günstigeren Nominierten zählt?

„MicroMacro“ ist zunächst ein kooperatives Spiel. Bedeutet, man spielt nicht gegen seine Mitspieler, sondern gemeinsam. Solche Spielarten sind seit einigen Jahren zu absoluten Lieblingen unter Fans und Kritikern geworden, da sich niemand am Ende ärgern muss, dass er verloren hat. Besonders schön: „MicroMacro“ lässt sich hervorragend auch ganz allein spielen.

Ein großer Stadtplan, eine Lupe und Karten – mehr Material braucht es nicht. © Christopher Filipecki © Christopher Filipecki

Denn hier geht es nicht um bloßes Glück oder um eine fein ausgeklügelte Strategie, um andere auszustechen, sondern um Ermittlung. „MicroMacro“ ist ein Detektivspiel. Wer nun mit den Augen rollt, weil er sich schon jetzt überfordert fühlt und beispielsweise „Black Stories“ nicht mag, kann durchatmen: Eine Partie geht kurz und ist dazu noch im Schwierigkeitsgrad variabel.

Und die erste Runde lässt sich schon direkt beim Kauf des Spiels im Laden spielen. Denn sollte man noch unschlüssig sein, ob die Spielart etwas für einen ist, kann man den ersten Fall auf dem Karton lösen. „Wer hat den Burger-Verkäufer ermordet?“, lautet die erste Frage und kann innerhalb weniger Sekunden beantwortet werden. Nur wie?

Zum Spielprinzip: Jeder Fall handelt von einem ermordeten, verunglückten oder ausgeraubten Mitbewohner in Crime City. Eine fiktive und sehr süße Comic-Stadt, die bis ins kleinste Detail auf einem riesigen (!) Stadtplan abgedruckt wurde (75cm x 110cm-Größe). Dieser Plan zeigt jedoch keine Straßennamen oder Parks, sondern gleicht einem großen Comicbild in Vogelperspektive.

Lediglich ein Ausschnitt des 75cm x 110cm großen Plans. © Christopher Filipecki © Christopher Filipecki

Erste Ernüchterung: Warum ist der Plan denn in Schwarz-weiß? Nein, hier ist nicht die Farbe ausgegangen. Dass der Plan eben nur in Schwarz-weiß existiert, macht das Ganze erheblich schwerer. So kann man die Bewohner nämlich nicht anhand ihrer Farben unterscheiden, sondern muss genau darauf achten, wer nun eigentlich gerade gesucht wird und im Fall verwickelt ist. Der Herr mit den Schlappohren oder doch der mit dem Schnurrbart?

Jetzt stellt sich die Frage, wie man am besten vorgeht. Zurück zum Beispiel „Tod des Burger-Verkäufers“. Man sucht zunächst den Burger-Laden, schaut, wer dort arbeitet und weiß fortan, wie der Burger-Verkäufer aussieht. Und nun der Clou an dem Spiel: Nur wenige Meter weiter taucht der Burger-Verkäufer wieder auf, aber zeitlich betrachtet ein paar Minuten später. Einige Meter weiter ist er wieder zu finden. Man kann verfolgen, was er nach dem Verkauf seiner Burger gemacht hat. Der Spielplan zeigt also unterschiedliche Zeitebenen. Und dann… oh, nein! Er liegt erdrosselt hinter Bäumen! Wer war das denn?

Schaut man etwas genauer, sieht man, dass der Burgerverkäufer von einem Maskierten beobachtet und verfolgt wurde. Der Täter? Jawohl, er hat wenige Meter zuvor die Tatwaffe in der Hand! Fall geklärt. Also gar nicht so schwer. Danach geht es aber ans Eingemachte.

Das sind die 16 Fälle, die es zu lösen gibt. Los geht es mit „Der Zylinder“. © Christopher Filipecki © Christopher Filipecki

16 spannende Fälle warten darauf, in Wimmelbild-Manier entdeckt zu werden. Diese bestehen aber nicht mehr nur aus einer Frage und einer Antwort, sondern aus mehreren Stationen, die sich alle irgendwo auf dem Plan finden lassen. Die ersten Partien benötigen nur wenige Minuten zum Lösen, doch die Schwierigkeitsschraube wird fühlbar angezogen. So dauert es bei den wirklich kniffligen Finalrunden gerne mal 40 Minuten für einen Fall. Richtig gucken, entdecken, nochmal andere Wege gehen und sich dann über die gefundene Lösung freuen!

Das Material ist überschaubar: Neben dem Spielplan, den insgesamt 120 Fallkarten und der Anleitung liegt noch eine Lupe bei, um mehr erkennen zu können.

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. © Christopher Filipecki © Christopher Filipecki

Das Spiel ist ab 10 Jahren empfohlen. Eltern sollten aber für sich entscheiden, was sie ihren Kindern zumuten können. Immerhin heißt es „Crime City“, weil jeder Fall sich um Mord, Raub oder Betrug dreht – aber eben in einem sehr detailverliebten und niedlichen Comicstil, was die Brutalität erheblich abmildert. Die Macher haben die Fälle neben ihrer Schwierigkeit zu lösen auch in drei Gewalt-Stufen eingeteilt.

Laut Verpackung eignet sich das Spiel für ein bis vier Spieler. Wir empfehlen jedoch möglichst zu zweit zu spielen, da allein zu spielen bei den schwierigen Fällen frustrierend werden könnte und es ab drei Leuten vielleicht am Tisch schon zu eng wird, um alles sehen zu können.

„MicroMacro: Crime City“ ist ein sehr außergewöhnliches Spiel, das sich komplett anders anfühlt als das, was man ansonsten zockt. Rätselfreunde und Fans von satirischem Zeichentrick werden es lieben. Allein schon die Tatsache, dass sich alle Fälle auf einem Spielplan befinden und man somit alle Lösungen ab der ersten Sekunde vor sich hat, aber vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht, ist genial.

Leider hat man das Spiel in ca. 6-7 Stunden durch und kennt sämtliche Fälle. Dafür kann man es problemlos an Freunde und Familie verschenken oder ausleihen. Wer Blut geleckt hat: Der zweite Teil ist für Ende August angekündigt. Eine absolute Empfehlung und mit das beste „Spiel des Jahres“ der letzten Dekade.

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