Coronavirus

Spendenbereitschaft sinkt: Corona bringt viele Tierheime in finanzielle Krise

Keine Feste, keine Tage der offenen Tür - den Tierheimen sind in der Pandemie Einnahmen weggebrochen. Wegen der finanziellen Nöte vieler Menschen, könnte die Spendenbereitschaft weiter sinken.
Tierheime in NRW konnten vom Land Nothilfen für Futter beantragen. © picture alliance/dpa

Eine Tonne Futter haben die Tiere im Siegener Tierheim sicher – dank einer Spende. Mit einem „Daumen hoch“ reagiert die Einrichtung auf ihrer Facebook-Seite auf die hoch willkommene Zuweisung eines Supermarkts. Spenden sind in Zeiten der Pandemie bitter nötig für viele Tierheime. Auch der Betrieb in Siegen würde besonders in der Corona-Krise nicht ohne finanzielle Unterstützung laufen.

„Wir finanzieren uns zu zwei Dritteln aus Spenden“, sagt Tobias Neumann. Er leitet das Tierheim, ein Zuhause für rund 2000 Tiere im Jahr. 2020 war für die Einrichtung enorm schwierig. Keine Feste, keine Tage der offenen Tür, keine Stände. Das führte allein für das Heim in Siegen zu einem Spendenverlust von mehr als 30.000 Euro.

Soforthilfen des Landes kaum ausgeschöpft

Neumann beantragte beim Land im Frühjahr 2000 Euro als Futterkosten-Soforthilfe. Aber: „Für ein Tierheim unserer Größe war das ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die Nothilfe des NRW-Umweltministeriums umfasste 400.000 Euro, wurde aber nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft. 2020 wurden 68 Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen wie Gnadenhöfe mit 119.000 Euro gefördert, berichtet das Ministerium in Düsseldorf.

Warum nicht mehr abgerufen wurde, weiß das Ministerium nicht. Das Verfahren sei „unbürokratisch, niedrigschwellig und serviceorientiert abgewickelt“ worden. „Wir beobachten die Auswirkungen der Pandemie weiterhin sehr aufmerksam. Davon abhängig sind weitere Maßnahmen zu prüfen.“ Das Landesumweltamt biete auch künftig unabhängig davon ein Tierheim-Bauförderprogramm an.

Die Soforthilfe „war ganz nett, aber auch nur etwas für den hohlen Zahn“, meint Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Sie hält eine generelle staatliche Förderung der Tierheime für geboten – und eine Übernahme der Kosten, wenn die Heime Fundtiere für die Kommunen in Obhut nehmen und versorgen. Für diesen Dienst würden die Tierschützer nicht oder nicht ausreichend bezahlt, kritisiert Schmitz.

Viele Menschen von Pandemie finanziell getroffen

Unsicher bleibe, wie sich die Spendenbereitschaft der Menschen entwickeln werde, denn viele seien von der Pandemie finanziell getroffen. Eine Umfrage des Verbands hatte schon im Spätsommer gezeigt, dass bei gut der Hälfte der Tierschutzvereine nicht nur die Spenden gesunken, sondern auch die Rücklagen weitestgehend aufgebraucht waren.

Bei den Einnahmen machte sich Schmitz zufolge deutlich bemerkbar, dass weniger Pensionstiere versorgt wurden. „Denn die Leute sind ja nicht in den Urlaub gefahren.“ Im Corona-Jahr habe es insgesamt eine deutlich höhere Nachfrage nach Katzen und Hunden gegeben. Eine positive Folge der Pandemie: Da es starke Beschränkungen bei den Besuchsregeln gab, seien die Tiere ruhiger und entspannter gewesen.

Zudem kamen Tierheime, die auch digital gut aufgestellt sind, bisher besser durch die Krise. Weil sie sich über Webseiten und Social-Media-Kanäle „in die Köpfe bringen“, wie Sabine Schneider vom Siegener Tierheim schildert. So erzählt das Tierheim emotionale Geschichten rund um seine tierischen Gäste – und setzt so auf geöffnete Herzen und damit auch offene Portemonnaies.

dpa

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