Ansturm

So will Winterberg das Besucher-Chaos in den Griff kriegen

Einen Spaziergang in selten gewordener Schneelandschaft mögen sich derzeit viele nicht entgehen lassen - allen Appellen zum Trotz. In Winterberg soll jetzt mehr kontrolliert werden.
Ein Skiläufer geht mit Landlauf-Skiern auf der Schulter an geparkten Autos vorbei. © picture alliance/dpa

Die Hoffnung auf ein paar unbeschwerte Stunden in verschneiter Landschaft hat auch am Dienstag wieder viele Menschen ins sauerländische Winterberg getrieben – trotz Corona-Pandemie. Mit einem „massiven Maßnahmenpaket“ will die Stadt dem Ansturm von Tagesausflüglern jetzt entgegenwirken.

Unter anderem sollen die Parkplatzkapazitäten erheblich eingeschränkt werden. Dabei soll vermieden werden, dass die Besucher in Wohngebiete ausweichen. Die Maskenpflicht wird auf weitere Gebiete im Stadtgebiet ausgeweitet. Geplant sind auch eine personelle Verstärkung des Ordnungsamtes, um die Einhaltung der Corona-Regeln besser kontrollieren zu können.

In den vergangenen Tagen seien immer wieder Verstöße etwa gegen die Abstandsregeln festgestellt worden, sagte Stadtsprecherin Tabea Kappen. Unterstützung soll die Stadt dabei von der Polizei erhalten. Auch Sicherheitsdienste sollen zum Einsatz kommen.

Vor allem aber hofft die Stadtverwaltung, dass sich möglichst viele Ausflügler gar nicht erst auf den Weg nach Winterberg machen. „Wir appellieren, zu Hause zu bleiben und Kontakte zu reduzieren. Dies dient uns allen, wenn wir möchten, dass wir möglichst bald schon wieder Winter- und Freizeit-Spaß, Wander- und Bike-Urlaub bei uns in unserer schönen Region erleben möchten“, erklärte Bürgermeister Michael Beckmann (CDU).

„Zustände eine Zumutung“

„Hatten wir am Samstag die Situation noch im Griff, waren die Zustände am Sonntag zum großen Teil eine Zumutung“, erklärte der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Manuel Padberg laut Mitteilung. „Da geht es um Müll, um das Zuparken von Einfahrten, um die Notdurft, die irgendwo auf privaten Grundstücken verrichtet wird.“

Der beliebte Wintersportort war am Dienstag erneut von zahlreichen Tagesgästen aufgesucht worden. Wieder kam es auf den Zufahrtsstraßen zu langen Staus. Wie an den Vortagen waren in der 13.000-Einwohner-Stadt alle Parkplätze restlos belegt. Die Besucher kamen, obwohl Winterberg seit Sonntag eindringlich an Tagesausflügler appelliert hatte, nicht zu kommen.

„Bitte überlege, ob eine Anreise wirklich erforderlich ist“, schrieb die Stadt am Dienstag auf ihrer Internetseite. „Aufgrund der hohen Nachfrage ist mit kilometerlangen Staus zu rechnen.“ So kam es dann auch – sowohl bei der Anreise als auch am Nachmittag bei der Rückreise.

Am Dienstag schaltete sich auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein. Er appellierte an die Bürger, derzeit auf Ausflüge in den beliebten Sauerland-Ort zu verzichten. „Große Menschenansammlungen erhöhen das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Pandemie“, mahnte er in Düsseldorf. „Mein Appell lautet daher: Bleiben Sie zu Hause!“

Keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten

Das Gebot des Tages heiße Kontaktvermeidung, schrieb die Stadt auf ihrer Internetseite. „Wir lieben unsere Berge. Ihr auch. Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und zu Menschenaufläufen“, erklärte die Stadt weiter. „Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon! Tu Dir das doch nicht an.“

Die Stadt wies darauf hin, dass es keine Einkehr- oder Aufwärmmöglichkeiten gebe. In der Stadtmitte seien nur die öffentlichen Toiletten geöffnet. Beckmann kündigte am Dienstag außerdem eine Kontrolle von Ferienwohnungen an, die aktuell entgegen der Corona-Schutzverordnung vermietet würden. Den Vermietern drohten Bußgelder bis zu 5000 Euro, den Gästen bis zu 500 Euro.

„Wir werden hier den maximalen Rahmen ausschöpfen“, erklärte der Bürgermeister. Erneut großen Andrang verzeichnete am Dienstag auch die Eifelgemeinde Hellenthal im Kreis Euskirchen an der deutsch-belgischen Grenze mit dem Wintersportgebiet Weißer Stein. „So gerne wir die Gäste grundsätzlich haben, so appellieren wir jetzt an die Rücksichtnahme, möglichst nicht zu kommen“, sagte Bürgermeister Rudolf Westerburg (parteilos) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Rund um die Orte Udenbreth und Hollerath seien alle Parkmöglichkeiten belegt, teilte die Gemeinde auf ihrer Internetseite mit. „Auch das Parken entlang der Bundesstraße ist nicht mehr möglich“, hieß es. Sanitäre Einrichtungen seien „leider keine“ vorhanden. Dienstag sei bereits der vierte Tag in Folge mit einem „extremen Besucheransturm“, so Westerburg.

Er schätzte, dass in den vergangenen Tagen jeweils etwa 1500 bis 2000 Besucher in die Region gekommen seien. Verkehrsstau auf den Zufahrtsstraßen habe es aber nicht gegeben. Westerburg äußerte Verständnis für die Ausflügler: „85 bis 90 Prozent sind Familien mit kleinen Kindern, die einfach mal aus ihren engen Wohnungen raus wollen“, sagte er.

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