Weil sie einen Finger nach einer Hand-OP nicht mehr bewegen konnte, zog eine Frau vor Gericht. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Pfusch bei der Hand-OP? Patientin hat zwei Jahre später noch Schmerzen

Eine Frau aus Recklinghausen kann nach einer Hand-OP den kleinen Finger nicht mehr richtig bewegen. Sie ist sich sicher: Der Arzt hat unsauber gearbeitet. Nun hat sie das Krankenhaus verklagt.

Es war nur ein Sturz in der Garage, doch die Folgen begleiten eine Frau jetzt schon seit zweieinhalb Jahren. Sie ist sich sicher, dass die Ärzte eine Mitschuld tragen. Deshalb hat sie das Bergmannsheil in Gelsenkirchen auf 50.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Seit Freitag beschäftigt der Fall das Essener Landgericht.

Es war Ende Oktober 2018, als die Büroangestellte zu Fall kam. Der Schmerz in der rechten Hand wurde immer schlimmer, obwohl äußerlich erst einmal nichts zu sehen war – bis auf die starke Schwellung.

Komplizierter Trümmerbruch

Ihr Arzt schickte sie am nächsten Tag gleich in die Handchirurgie nach Gelsenkirchen. Dort wurde ein komplizierter Trümmerbruch in der Mittelhand diagnostiziert. Eine OP, so die Ärzte, war unumgänglich. Strittig war allerdings die Methode – offenbar auch unter den Ärzten, die damals beim Vorgespräch dabei waren.

Bei der Operation wollte es der Chirurg nach eigenen Angaben erst minimalinvasiv mit Drähten versuchen, dann mit Schrauben und Platten. Am Ende holte er einen Oberarzt hinzu, der die Knochenhaut vernähte und doch Drähte einsetzte, um die Knochen zu stabilisieren.

Was zurückblieb war eine mehrere Zentimeter lange Narbe, starke Bewegungseinschränkungen und Arbeitsunfähigkeit. „Außerdem habe ich immer noch Schmerzen“, sagte die Recklinghäuserin am Rande des Prozesses. Ihr rechter kleiner Finger lasse sich aufgrund einer Fehlstellung außerdem nicht mehr so bewegen, wie sie es gerne möchte.

„Nach bestem Wissen und Gewissen“

Der Operateur ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. „Ich operiere seit über zehn Jahren nach bestem Wissen und Gewissen“, sagte er bei seiner Zeugenvernehmung. Dass während der OP umgeschwenkt sei, sei auch nicht ungewöhnlich. „So eine Fraktur sieht man nicht jeden Tag. Das war kein einfacher Fall.“

Einige Wochen nach der Operation war ihm die Recklinghäuserin noch einmal im Krankenhaus begegnet. Da soll er selbst betroffen gewesen sein, weil sich die Hand nicht nur verfärbt hatte, sondern auch sonst nicht gut aussah.

Schiene falsch angelegt?

„Er ist zusammengezuckt und war richtig erschüttert“, so die 59-Jährige im Prozess. Ihre Anwältin Sabrina Diehl ist der Auffassung, dass ihre Mandantin zu keiner Zeit in eine Versorgung mit Platten und Schrauben eingewilligt habe und dass es der Operateur auch gar nicht versucht habe, minimalinvasiv zu arbeiten. Die angeblich angefertigten Röntgenaufnahmen befänden sich nämlich nicht in den Unterlagen. Außerdem sei anschließend auch noch eine Schiene falsch angebracht worden, so dass sich weitere Komplikationen ergeben hätten.

Der Rechtsvertreter des Krankenhauses hat alle Vorwürfe zurückgewiesen. Wie die Richter den Fall sehen, ist noch unklar. Das Urteil soll am 23. April gesprochen werden.

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Gerichtsreporter

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