Coronavirus

NRW nimmt Erstimpfungen wieder auf – Impfplan steht trotz Astrazeneca

Die Impfmaschine in NRW soll wieder anlaufen. Am Samstag geht es in Alten- und Pflegeheimen weiter. Der Lieferstreit mit Astrazeneca hat laut Gesundheitsministerium keine Auswirkungen.
Eine medizinische Fachkraft hält eine Spritze mit dem Pfizer-BioNTech-COVID-19-Impfstoff in der Hand. © picture alliance/dpa

Nordrhein-Westfalen nimmt, wie angekündigt, an diesem Samstag wieder Erstimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen des Landes auf. Das bekräftigte am Freitag das Gesundheitsministerium in Düsseldorf. Wegen Lieferschwierigkeiten beim Pharma-Unternehmen Biontech waren Erstimpfungen seit dem 20. Januar ausgesetzt worden.

Zweitimpfungen seien aber weiter verabreicht worden, teilte das Ministerium mit. Bislang habe es in NRW 347 177 Erst- und 142 268 Zweitimpfungen gegeben. Auch die Impfungen in Krankenhäusern und Unikliniken könnten in der nächsten Woche wieder aufgenommen werden.

Trotz der Lieferstreitigkeiten mit dem Pharmakonzern Astrazeneca kann der Impf-Plan für NRW laut Landesregierung eingehalten werden. Die Planungen des Gesundheitsministeriums beruhten auf den zugesicherten Lieferungen des Impfstoffs von Biontech, nicht auf Kalkulationen mit Astrazeneca, teilte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit.

70.000 Menschen sollen wöchentlich geimpft werden

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte noch in dieser Woche bekräftigt, ab dem 8. Februar sollten wöchentlich etwa 70.000 Menschen über 80 Jahren in einem der 53 Impfzentren in NRW eine Erstimpfung erhalten. Das Ministerium rechnet in den ersten acht Wochen mit insgesamt 560.000 Erstimpfungen.

Bei einer Million Menschen wären 14 Wochen erforderlich. „Die Planung ist nach wie vor aktuell“, erklärte der Sprecher. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die bedingte Marktzulassung für den Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns Astrazeneca in der EU. Sie gelte für Personen ab 18 Jahren, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit.

Die endgültige Entscheidung über die Zulassung muss nun die EU-Kommission treffen – das gilt als Formsache. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe rief die Bürger zu Geduld auf. Kammerpräsident Hans-Albert Gehle appellierte aber auch an die Politik, beim „Impf-Gipfel“ Lösungen zu finden statt Sündenböcke zu suchen.

„Versäumnisvorwürfe führen nicht aus Pandemie”

„Gegenseitige Versäumnisvorwürfe führen nicht aus der Pandemie“, mahnte er. Eine vorausschauende Planung und gute Informationspolitik bei der Impfstoffverteilung sei unerlässlich, damit die Bürger nicht das Vertrauen verlören. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Montag über die Lage beraten.

An einer Videokonferenz sollen die Ministerpräsidenten der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft. Mit konkreten Beschlüssen ist laut Regierungssprecher Steffen Seibert allerdings nicht zu rechnen.

Vielmehr gehe es um einen Austausch zur weiteren Impfstrategie und eine gemeinsame Informationsbasis. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe entschuldigte sich bei allen Impfwilligen, die Probleme bei der Terminbuchung hatten.

Einige Probleme behoben

„Die vergangenen Tage waren für die Bürger, aber auch für uns und alle Beteiligten, eine echte Zerreißprobe“, räumte der Vorstandsvorsitzende Dirk Spelmeyer ein.

Einige Probleme hätten inzwischen behoben werden können. Wer zum Beispiel noch keinen Zweittermin erhalte habe, müsse nicht selbst aktiv werden, sondern könne einfach den Ersttermin wahrnehmen und werde dabei den Nachfolgetermin erhalten.

Mit Schwierigkeiten sei gerechnet worden, wenn der Großteil der fast eine Million Impfberechtigten in NRW sich gleichzeitig an eine Hotline und ein Online-Portal wende, unterstrich der Vorstand. „Dass sich der Start jedoch so schwierig gestaltet hat, bedauern wir sehr.“

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