Die Zahl der Neuinfektionen ist in der vergangenen Woche weiter deutlich nach oben geklettert. Das ist schlecht. Für die Intensivstationen liegen auch neue Werte vor, mit durchaus interessanten Aspekten. © picture alliance/dpa/AP
Corona-Wochenbilanz

Neuinfektionen steigen stark – bei anderen Faktoren sieht es besser aus

Die Zahl neuer Coronafälle ist auch in der vergangenen Woche stark gestiegen. Bei anderen Faktoren aber sieht es längst nicht so düster aus. Das gilt auch für die Lage auf den Intensivstationen.

Das ist sicherlich die schlechteste Nachricht der vergangenen sieben Tage: Auch in der zurückliegenden Woche ist die Zahl neuer Corona-Infektionen stark gestiegen. Insgesamt registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) in der Woche vom 8. bis 15. März 91.376 Neuinfektionen. Das sind noch einmal 20.720 mehr als in der Woche zuvor. Damit hat sich der Anstieg neuer Fälle drastisch beschleunigt, denn in der vergangenen Woche lag der Anstieg gegenüber der Vorwoche nur bei 12.531.

Noch sind wir vom bisherigen Höchststand der Entwicklung ein ganzes Stück entfernt. Der war in der Woche zwischen dem 14. und 21. Dezember mit 173.574 Neuinfektionen erreicht worden, bevor die Zahl bis Mitte Februar kontinuierlich gesunken war (8. bis 15. Februar: 50.442). Seither geht es wieder aufwärts, leider.

Das ist alles andere als eine gute Entwicklung, die sich natürlich auch in der 7-Tages-Inzidenz niederschlägt. Vor einer Woche lag sie noch bei 82,9, jetzt ist der Wert auf 107,3 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gestiegen. Inzwischen liegt die Inzidenz in zehn Bundesländern wieder über der Marke von 100 und nur noch in sechs darunter.

So besorgniserregend der Anstieg der Fallzahlen auch ist, so positiv stellt sich weiter die Entwicklung bei der Zahl der an oder mit einer Corona-Infektion gestorbenen Menschen dar. In der Woche zwischen dem 15. und 22. März zählte das RKI genau 1.296 Corona-Tote. Das sind noch einmal 188 weniger als in der Vorwoche und noch immer der geringste Wert seit vier Monaten.

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Zuletzt wurden in der Woche zwischen dem 9. und 16. November mit 1.195 weniger Corona-Opfer gezählt. Die bisher meisten Corona-Toten gab es in der Woche zwischen dem 4. und 11. Januar, als 6.112 Opfer registriert wurden. In den vergangenen sieben Tagen hat sich allerdings – auch das gehört zu einem vollständigen Bild der Lage – der Rückgang abgeflacht.

Gleichwohl gilt: Dass die zurückgehende Zahl von Todesopfern trotz steigender Infektionszahlen bereits ein Erfolg der seit Weihnachten – wenn auch schleppend und mit teils chaotischen Begleitumständen – angelaufenen Impfungen der am meisten gefährdeten Menschen ist, liegt nahe. Andererseits ist es für eine Entwarnung sicher noch zu früh, denn bei steigenden Fallzahlen dürfte sich auch die absolute Zahl der jüngeren Menschen erhöhen, die schwer an Covid 19 erkranken, obwohl schwere Verläufe in dieser Personengruppe prozentual nicht so oft auftreten.

Ein Vergleich mit dem vergangenen Frühling, als die erste Infektionswelle über unser Land schwappte, macht deutlich, wie ernst die Lage nach wie vor ist. Damals gab es innerhalb von sieben Tagen die meisten Neuinfektionen zwischen dem 30. März und 6. April, nämlich 38.093. Jetzt, in der dritten Märzwoche gibt es fast doppelt so viele Fälle. Bei den Corona-Toten gab es die meisten Opfer zwischen dem 13. und 20 April: genau 1.605. Hier liegen wir aktuell zum Glück wieder unter dieser Höchstmarke.

In den vergangenen Tagen ist viel über die große Gefahr überlasteter Intensivstationen diskutiert worden, was als Argument für eine erneute Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen ins Feld geführt worden war. Ein nüchterner Blick auf die Zahlen spiegelt diese Argumentation allerdings (noch) nicht wider. Am 22. März 2021 werden in Deutschland auf den Intensivstationen 3.055 Covid-19-Patienten behandelt. Von ihnen werden 1.663 beatmet.

Dieser Wert liegt zwar moderat über den Werten der vergangenen drei Wochen, ist aber noch immer weit entfernt von der Situation Anfang Januar. Am 4. Januar, dem bisher schlimmsten Tag in dieser Hinsicht, wurden auf den Intensivstationen 5.744 Corona-Patienten behandelt, von denen 3.211 Menschen beatmet werden mussten. Das ist gegenüber heute fast schon die doppelte Anzahl an Patienten.

Noch ein Blick auf die Impfungen. Bis einschließlich Freitag (19. März) wurden in Deutschland 7.233.931 Menschen gegen das Virus geimpft. Das heißt: Innerhalb einer Woche erhielten trotz des zeitweiligen Astrazeneca-Aussetzers 1.120.449 Menschen eine erste Corona-Impfung. 3.246.005 Menschen sind bereits zweimal geimpft, 496.219 mehr als eine Woche zuvor.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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