Vor dem Landgericht Essen muss sich ein 21-Jähriger verantworten, der seine Nachbarin im Schlaf erstochen haben soll. © Jörn Hartwich

Nachbarin mit über 40 Messerstichen getötet: Gericht verhandelt Albtraum-Tat

Eine Frau (27) in Marl ist von ihrem 20-jährigen Nachbarn im Schlaf erstochen worden. Zuvor soll der Täter durch das Fenster eingestiegen sein. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Diese Tat ist so schrecklich, dass es einem eiskalt über den Rücken läuft: Im vergangenen November wurde eine Frau aus Marl in ihrem Bett erstochen. Der Täter soll erst 20 Jahre alt gewesen sein. Ein „Junge“ von nebenan, der noch bei den Eltern wohnte. Ab dem 3. Mai steht er in Essen vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord und Mordversuch.

Der Fall hat so große Wellen geschlagen, dass sogar schon das englische Boulevard-Blatt „Sun“ darüber berichtet hat. Dort ist von einem „video game-obsessed neighbour“ die Rede, von einem computerspielsüchtigen Nachbarn. Und davon, dass ihm Stimmen die Tat befohlen hätten.

Über 40 mal zugestochen

Auch die Essener Staatsanwaltschaft geht offenbar von einer psychischen Störung des Angeklagten aus. Angeblich leidet der inzwischen 21-Jährige unter Sprachstörungen, autistischen Zügen und möglicherweise auch Schizophrenie.

„Es ist unklar, wie dieser Gewaltausbruch möglich war“, sagt Verteidiger Hans Reinhardt. Sein Mandant stehe selbst unter Schock. Dass ein Computerspiel eine Rolle gespielt haben könnte, hält er für möglich: „Da musste er gehorchen.“

Es war gegen 23 Uhr, als der Angeklagte am 9. November 2020 durch ein offenes Badezimmerfenster in die Wohnung seiner bereits schlafenden Nachbarin eingestiegen sein soll. Der vierjährige Sohn der Frau lag in seinem Kinderbett.

Über 40 Mal soll der 21-Jährige auf seine Nachbarin eingestochen haben. Mit zwei Messern, die er aus ihrer Küchenschublade genommen hatte. Es begann ein verzweifelter Todeskampf, den die 27-Jährige nicht gewinnen konnte. Als der Täter von ihr abließ, soll sie es zwar noch geschafft haben, ihre Schlafzimmertür zu verschließen. Die Ärzte konnten später jedoch nur noch ihren Tod feststellen.

Auch den Sohn (4) attackiert

Anschließend soll der Angeklagte auch auf den vierjährigen Sohn der Frau eingestochen haben, der wachgeworden sein soll und geschrien habe. Die Ärzte hatten später unter anderem klaffende Stichwunden am Hals festgestellt. Doch der Junge hatte Glück. Er hat überlebt.

Es soll sogar Videos und Fotos vom Tatort geben, die der 21-Jährige noch aus der Wohnung seiner Nachbarin heraus an Bekannte geschickt haben soll. Er brauche Hilfe bei der Flucht, soll er ihnen mitgeteilt haben.

Der Angeklagte war nach seiner Festnahme zunächst in die JVA Wuppertal gebracht worden. Als er kurze Zeit später dem Haftrichter vorgeführt wurde, soll aber schon deutlich geworden sein, dass mit dem 21-Jährigen irgendetwas nicht stimme. Es wurden Gutachter eingeschaltet, der junge Marler kam in die geschlossene Psychiatrie. Ob er überhaupt schuldfähig ist, ist unklar. Das muss der Prozess ergeben.

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Gerichtsreporter