Prozess

Mordanschlag knapp vereitelt: IS-Terrorist zu Haftstrafe verurteilt

Deutschland ist vor fast zwei Jahren einem islamistischen Terroranschlag knapp entgangen. In Neuss wollten IS-Terroristen einen Islamkritiker erschießen. Nun wurde der erste von ihnen verurteilt.
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Kopfschüttelnd, dann wieder das Gesicht in den Händen verborgen, lauscht Ravsan B. der Urteilsverkündung. Zu sieben Jahren Gefängnis hat ihn das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag verurteilt. Der 31-Jährige sei als IS-Terrorist an Anschlagsplanungen beteiligt gewesen, berichtet Richter Jan van Lessen. Der 31-Jährige hatte ein Teilgeständnis abgelegt.

Kurz vor dem Urteil sagte er: „Das tut mir alles schrecklich leid, ich entschuldige mich.“ Mit einer IS-Terrorzelle mehrerer tadschikischer Landsleute habe er zunächst einen Auftragsmord an einem Geschäftsmann in Albanien begehen wollen, so das Gericht. Ein Russe habe dafür 40.000 US-Dollar ausgelobt. Die Hälfte sollte an den sogenannten Islamischen Staat fließen. Nur wegen Zweifeln an der Identität der ausgespähten Zielperson habe man das Vorhaben abgebrochen.

Mordanschlag auf konvertierten Islamkritiker aus Neuss geplant

Danach hätten die Terroristen Anschläge in Tadschikistan begehen wollen, doch ein hochrangiger IS-Terrorist habe via Telegram-Chat gefordert, einen Anschlag „dort zu begehen, wo ihr seid“. Es sei derselbe IS-Drahtzieher gewesen, der bereits 2017 den Attentäter von Stockholm bei seinem Anschlag mit fünf Toten angeleitet habe. Der Attentäter war dort mit einem Lastwagen in einer Fußgängerzone in eine Menschenmenge gefahren.

Nach der Aufforderung habe die Gruppe Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag unternommen, beim Paintball Kampf-Simulationen eingeübt und sich außerdem bei Flugschulen nach Drachen- und Gleitschirmflügen erkundigt. Schließlich sei die Wahl auf einen zum Christentum konvertierten Islamkritiker aus Neuss gefallen. Dessen Auftritt im Youtube-Kanal „Ex-Muslime klären auf“ hatte den Hass der Dschihadisten geschürt.

Mit einer halbautomatischen Waffe samt Schalldämpfer sollte der Mann erschossen werden. Die Waffe habe der 31-Jährige in seiner Wohnung unter dem Bett aufbewahrt und besonders den Schalldämpfer bei einem abgehörten Gespräch angepriesen: „Es ist ein nützliches Ding. Du wirst deine Arbeit damit sauber erledigen.“ Sein Gesprächspartner habe zugestimmt: „Ohne lautes Piffpaff.“

„Diese Geisteskranken hatten sich sogar schon Waffen besorgt“

Nach der Ermordung sollte die Leiche des Kritikers gefilmt und im Internet mit einem IS-Bekenner-Video- oder einer Foto-Collage zur Schau gestellt werden. Doch der Islamkritiker Amir A. hatte im vergangenen April quicklebendig auf Youtube berichtet, dass ein weiterer Mordanschlag auf ihn gescheitert sei. „Diese Geisteskranken hatten sich sogar schon Waffen besorgt“, berichtete er. „Um Haaresbreite hätten sie es geschafft.“

Die Bundesanwaltschaft hatte achteinhalb Jahre beantragt. Strafmildernd wertete das Gericht neben dem Teilgeständnis des 31-Jährigen die Tatsache, dass der Vater von zwei Kindern nach seiner Trennung von seiner Frau an depressiven Verstimmungen gelitten habe.

Der 31-jährige Tadschike ist der Sohn eines Polizisten und einer Philologin. Als anerkannter Flüchtling wohnte er zuletzt in Wuppertal und arbeitete bei einem Autozulieferer. Seine Verteidiger kündigten nach der Verhandlung an, gegen das Urteil in die Revision vor den Bundesgerichtshof zu ziehen.

dpa

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