Der Angeklagte bei der ersten Verhandlung im Sommer 2020. © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Mann fesselt, misshandelt und bestiehlt ein Paar aus Bönen – und verstümmelt sich selbst

In Bönen hat ein Mann ein Paar in seiner Wohnung misshandelt und bestohlen. Der mutmaßliche Täter sorgte bereits 2018 für Schlagzeilen, als er sich von einer Regionalbahn die Hand abtrennen ließ.

Christian W. ist 45 Jahre alt und hat gleich mehrere große Probleme. Neben der Anklage wegen des mutmaßlichen Raubüberfalls im April 2014 muss er mit einer Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft wegen versuchten Versicherungsbetruges fertigwerden. Zwar hat er gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt, doch ob der Fall im zweiten Prozess anders bewertet wird, ist äußerst fraglich.

Der Angeklagte soll sich im Herbst 2018 absichtlich selbst verstümmelt haben, um zum Millionär zu werden. Das Dortmunder Amtsgericht sprach Christian W. im Sommer 2020 schuldig, seine linke Hand gezielt unter eine anfahrende Regionalbahn gelegt und den Schaden anschließend bei verschiedenen Unfallversicherungen gemeldet zu haben. Der Zug hatte W. die Hand abgetrennt.

Ex-Frau packte aus

Belastet wird der Mann aus Bönen von seiner Ex-Freundin. Diese hatte nach der Trennung die Polizei aufgesucht und dort ausgepackt. Nicht genug, dass sie den Beamten von dem versuchten Versicherungsbetrug erzählte. Sie teilte den Polizisten außerdem mit, dass ihr Ex-Freund auch hinter einem brutalen Raubüberfall auf ein Ehepaar im April 2014 stecke.

Damals war ein maskierter Mann in das Einfamilienhaus des Paares in Bönen eingebrochen und hatte die alleine anwesende Frau in seine Gewalt gebracht. Er schlug sie, fesselte sie, sperrte sie in eine Kammer – und wartete dann stundenlang, bis auch der Ehemann nach Hause kam.

Angeklagter soll das Paar gefesselt, misshandelt und bestohlen haben

Auch der Mann wurde anschließend misshandelt und gefesselt, ehe der Räuber mit Bargeld, Kleidung und dem Auto des Paares flüchtete. Christian W., so heißt es, bestreitet auch diese Tat. Er fühlt sich als Opfer seiner Ex-Freundin, die ihm nach der Trennung mit Lügengeschichten schaden wolle. Für die Staatsanwaltschaft und das Gericht reichte die Aussage der Frau aber immerhin aus, um Christian W. in Untersuchungshaft zu nehmen. Der Prozess beginnt am Donnerstag vor dem Dortmunder Landgericht. Mit einem Urteil wird nicht vor Februar gerechnet.

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