Vor dem Ikea-Haus in Kamen wird am Mittwoch eingeladen, nachdem die Ware direkt zum Auto geliefert wurde. Ikea arbeitet im Karree täglich bis zu 1200 Bestellungen ab. © Stefan Milk
Click & Collect

Lockdown-Boom bei Ikea: Bis zu 1200 Bestellungen pro Tag allein in Kamen

Der Lockdown als Nachfrage-Treiber: Bis zu 1200 Bestellungen gibt Ikea in Kamen täglich an die Kunden ab. Dafür wird die gesamte Mannschaft benötigt, die die Ware direkt ans Auto liefert.

Laufen und Schieben statt Beraten und Kassieren: Ikea steht auch im Lockdown unter Dampf. Das Einrichtungshaus im Kamen-Karree hat zurzeit alle Hände voll zu tun. Obwohl es für Kunden geschlossen ist, läuft der Handel unter Hochdruck weiter: über den Parkplatz, auf dem die Kunden nach dem Prinzip „Click & Collect“ bedient werden.

„Alles kontaktfrei, weil die bestellte Ware direkt bis zum Auto transportiert wird“, berichtet Jutta Iskalla, Leiterin des Kamener Hauses, das an dem Standort am Kamener Kreuz im Jahr 2004 eröffnete, nachdem es aus dem benachbarten Gewerbegebiet Zollpost umgezogen war.

Täglich bis zu 1200 Bestellungen im Kamener Haus

Im Kamener Haus gehen bis zu 1200 Bestellungen täglich über die entsprechende Ikea-Website ein, im Durchschnitt sind es täglich etwa 1000. „Das schwankt natürlich von Tag zu Tag“, so Iskalla. Als noch nicht klar war, dass der Lockdown verlängert wurde, nahmen die Bestellungen etwas ab. „Jetzt sind sie wieder angestiegen, nachdem der Lockdown verlängert wurde.“

Jutta Iskalla ist seit 2018 Leiterin des Kamener Ikea-Hauses im Gewerbegebiet Kamen-Karree. © Ikea © Ikea

Festes Zeitfenster und ein Parkplatz, der zugewiesen wird

Wer seine Ware abholt, dem wurde zuvor ein Zeitfenster zugewiesen. Dann wird er über den Pförtner an der Zufahrt zu einem nummerierten Abholplatz gelotst. Ohne das Auto zu verlassen, kann man dort seine Bestellung telefonisch anfordern. Vier Telefonkräfte organisieren die Ausgabe.

Andere Ikea-Mitarbeiter schieben dann den vorgepackten Einkaufswagen zum Parkplatz, beladen beispielweise mit der Sofalandschaft Fiheten, dem Kultregal Billy oder dem Flurschrank Kleppstad.

„Unsere Mitarbeiter laufen jetzt freilich sehr viel“, sagt Iskalla schmunzelnd. „Nicht nur über den Parkplatz, sondern auch durchs Warenhaus, weil sie ja dort sozusagen für den Kunden einkaufen gehen.“

Alle Mitarbeiter sind im Einsatz

Iskalla ist froh, dass trotz des Lockdowns alle Mitarbeiter vor Ort erforderlich sind und das Unternehmen die Möglichkeit hat, auch in Zeiten der Pandemie einen Teil des Umsatzes zu erwirtschaften. „Wir arbeiten in voller Besetzung, es gibt keine Kurzarbeit.“

Zeitweise habe man aus Gründen des Gesundheitsschutzes lediglich Risikogruppen von der Arbeit befreit. Befreit sind manche Mitarbeiter auch von vertrauten Aufgaben – zum Beispiel an der Kasse. „Die müssen ja jetzt nicht besetzt sein, dafür gibt es andere Tätigkeiten“, so Iskalla. Wie Packen und Schieben.

Aus dem ersten Lockdown gelernt

Aus dem ersten Lockdown habe man viel gelernt, so Iskalla. Und konnte dabei jetzt die Ausgabekapazität fast verdoppeln. Gestartet war man Mitte Dezember mit 700 Abholungen, jetzt sind, siehe oben, 1200 möglich.

Zusätzliche Weiterentwicklung: die Remote-Beratung, bei denen die Kunden über eine Art Video-Konferenz ihre Küche, Schlafzimmer und Wohnzimmer planen können. „Das kann, wenn es in die Einzelheiten geht, auch mal mehrere Stunden dauern“, so Iskalla. Das Angebot werde jetzt mehr und mehr angenommen. „Es musste sich erst einmal herumsprechen.“

Ikea-Mitarbeiter suchen im Kassenbereich online bestellte Ware, die sie zuvor für bestimmte Abholzeiten zusammengestellt haben. Die Kunden können die Ware auf dem Parkplatz kontaktlos abholen. © dpa © dpa

1,1 Millionen Mal Frühstück und 55 Tonnen Köttbullar

In das Kamener Möbelhaus strömen außerhalb von Corona-Zeiten ca. drei Millionen Besucher jährlich. Zum Vergleich: Im alten Haus am Zollpost waren es unter zwei Millionen Besucher. Dass der Umzug im Jahr 2004 Früchte trug, stellte der damalige Leiter Stephan Schweitzer bereits ein Jahr später fest, als allein das Restaurant seinen Umsatz um 50 Prozent steigerte, in einigen beispielhaften Portionen umgerechnet bedeutete das: 1,1 Millionen Mal Frühstück und 55 Tonnen Köttbullar.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1968, aufgewachsen in mehreren Heimaten in der Spannbreite zwischen Nettelkamp (290 Einwohner) und Berlin (3,5 Mio. Einwohner). Mit 15 Jahren erste Texte für den Lokalsport, noch vor dem Führerschein-Alter ab 1985 als freier Mitarbeiter radelnd unterwegs für Holzwickede, Fröndenberg und Unna. Ab 1990 Volontariat, dann Redakteur der Mantelredaktion und nebenbei Studium der Journalistik in Dortmund. Seit 2001 in Kamen. Immer im Such- und Erzählmodus für spannende Geschichten.
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Carsten Janecke

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