Waffen

Kleiner Waffenschein: Immer mehr Menschen in NRW dürfen Schreckschusswaffen tragen

Wer den Kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschuss- oder Reizstoffwaffen in der Öffentlichkeit tragen. Die Zahl der Berechtigungen steigt weiter. Die Polizei warnt schon länger vor Gefahren.
Die Zahl der Menschen mit Kleinem Waffenschein ist in NRW gestiegen. © picture alliance/dpa

Immer mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen besitzen einen Kleinen Waffenschein für das Tragen einer freiverkäuflichen Schreckschuss- oder Gaswaffe in der Öffentlichkeit. Die Gesamtzahl aller aktuell gültigen Kleinen Waffenscheine belief sich im Dezember 2020 in NRW auf landesweit 174.744, wie das NRW-Innenministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Das entspricht einer Zunahme gegenüber dem Dezember 2019 um 7742 oder gut 4,6 Prozent. Im Gesamtjahr 2019 war die Zahl der Kleinen Waffenscheine in NRW um 11.376 oder 7,3 Prozent gewachsen. Bereits seit den Jahren 2014/2015 sei ein stetiger Anstieg der Kleinen Waffenscheine zu verzeichnen, erklärte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums. Ein Motiv lasse sich aus den erhobenen Zahlen nicht entnehmen.

Nach früheren Angaben gab es 2014 in NRW 65.553 Inhaber eines Kleinen Waffenscheins. Die Zahl hat sich seitdem also mehr als verdoppelt. Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht vor fünf Jahren hätten den Trend zum Kleinen Waffenschein verstärkt, wie einzelne Polizeibehörden in NRW in der Folgezeit berichteten.

„Eine Schreckschusspistole sorgt nicht für mehr Sicherheit“

Viele Polizeibehörden warnen vor Gefahren auch für den Nutzer oder vor einer Gefährdung Unbeteiligter. Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen sähen häufig scharfen Waffen ähnlich. Deshalb könne es unter Umständen zu einem unkontrollierten Handeln bei Außenstehenden kommen, warnt etwa die NRW-Polizei. Ungeübte Waffenträger könnten sich in extremen Stresssituationen zudem selbst gefährden oder auch Unbeteiligte verletzen. Aus nächster Distanz abgefeuert könnten solche Waffen sogar lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen.

Polizeibehörden warnen vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl, zumal Situationen eskalieren könnten. „Eine Schreckschusspistole sorgt nicht für mehr Sicherheit. Im Gegenteil: Sie mitzuführen, birgt viele Gefahren“, hat in der Vergangenheit auch Innenminister Herbert Reul (CDU) angesichts deutlich steigender Zahlen unterstrichen.

Die NRW-Polizei verweist auf einen Schrillalarm als eine mögliche Alternative für diejenigen, die für eine Notsituation vorsorgen wollen. Damit könne man weiträumig auf sich aufmerksam machen und Angreifer in die Flucht schlagen. Wer in Not gerate, sollte die Polizei über die Nummer 110 anrufen und Passanten um Hilfe bitten.

Schießen mit Schreckschusswaffen an Silvester verboten

Ein Kleiner Waffenschein wird ab 18 Jahren von der Polizei oder einer kommunalen Behörde erteilt und berechtigt zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffen. Bevor man den Kleinen Waffenschein bekommt, prüfen die Behörden die persönliche Eignung und Zuverlässigkeit – man darf zum Beispiel nicht vorbestraft sein.

Nutzen darf man freiverkäufliche Schreckschusspistolen, Reizgas- oder Signalwaffen nur auf Schießständen oder in eng umgrenzten Fällen wie Notwehr. Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Volksfesten, Demonstrationen oder im Kino dürfen solche Waffen auch mit Kleinem Waffenschein nicht mitgeführt werden. Ebenso sei verboten, damit an Silvester zu schießen – schon gar nicht mit pyrotechnischer Munition.

dpa

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