Kann ich mich mit dem Coronavirus infizieren, wenn ich einen Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebe? Auch diese Frage hat das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Kein Kontakt? Logisch, aber: Wie schütze ich mich noch vor Corona?

Dass ich mich beim Kontakt mit anderen Menschen mit Corona anstecken kann, ist klar. Was aber weiß man inzwischen zur Übertragung durch Lebensmittel, Mode, Türklinken oder Einkaufswagen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hat die Aufgabe, die Bundesregierung unter anderem in Fragen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wissenschaftlich zu beraten. Daher hat das Institut akribisch die bisher bekannten Studien und Forschungsergebnisse zum Coronavirus durchstöbert und ausgewertet. In einer langen Liste hat das Institut aufgeschlüsselt, wo nach dem derzeitigen Stand der Forschung eine wirkliche Gefahr der Ansteckung mit dem Coronavirus besteht und wo die Gefahr praktisch gleich null ist. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

Kann man sich über Lebensmittel anstecken?

Bisher, sagt das BfR, gebe es keinen einzigen Fall, bei dem sich jemand durch den Verzehr von mit dem Virus behafteten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse oder auch Backwaren angesteckt hätte.

Können Coronaviren über Fleischwaren übertragen werden?

Bisher wurden dem BfR keine solchen Fälle bekannt. Landwirtschaftliche Nutztiere, die zur Fleischproduktion verwendet werden, können sich nach dem gegenwärtigem Wissensstand nicht mit Corona infizieren. Eine Kontamination von Fleisch oder Fleischwaren könnte während der Schlachtung, der Fleischzerlegung und -verarbeitung sowie dem Verkauf nur dann erfolgen, wenn Hygieneregeln nicht eingehalten werden.

Können Coronaviren über Milch von Kühen, die mit möglicherweise verunreinigten Futtermitteln gefüttert wurden, übertragen werden?

Höchst unwahrscheinlich, sagt das BfR. Ein solcher Fall sei bisher nicht bekannt geworden und es gebe auch keinerlei Hinweis darauf, dass auf diesem Weg das Virus übertragen werde.

Wie kann man sich vor einer Infektion mit dem Virus durch Lebensmittel und Produkte wie Kosmetika schützen?

Obwohl eine Übertragung des Virus auf diesen Wegen unwahrscheinlich ist, sollten beim Umgang mit diesen die bekannten Hygieneregeln wie das Händewaschen eingehalten werden. Coronaviren, schreibt das BfR, könnten sich in Lebensmitteln nicht vermehren; sie benötigten dazu einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt. Da die Viren hitzeempfindlich sind, könne das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden. Und dass man Lippenstifte oder Make-Up nicht mit anderen gemeinsam benutzen sollte, dürfte auch selbstverständlich sein, auch wenn das vor allem unter jungen Frauen durchaus üblich sein soll.

Was ist mit Hunden, Katzen und anderen Haustieren, können die sich über verseuchtes Futter infizieren und das dann weitergeben?

Auch in diesem Punkt gilt: Bislang gebe es dafür keinen einzigen Beleg und unwahrscheinlich sei es obendrein, sagt das BfR.

Können Coronaviren über Oberflächen wie Bargeld, Türklinken oder die Griffe von Einkaufswagen übertragen werden?

Ansteckungen, die auf diesem Weg erfolgt sind, seien bislang nicht bekannt geworden, sagt das BfR, allerdings: Wenn ein Infizierter etwa direkt auf den Griff eines Einkaufswagens niest oder hustet, können die Viren dort eine Zeitlang überleben. Wenn dann jemand anderes über die Hände das Virus vom Griff des Einkaufswagens aufnimmt, sich danach mit der Hand über das Gesicht fährt und das Virus so über die Schleimhäute von Nase oder Augen in den Körper gelangt, dann kann man sich schon infizieren. Da hilft nur eins: Händewaschen und Hände raus aus dem Gesicht.

Bleiben Coronaviren auf festen und trockenen Oberflächen infektiös?

Zu dieser Frage äußert sich das BfR zurückhaltend. Die Frage, wie lange ein Virus auf einer Oberfläche aktiv bleibe, hänge von vielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche sowie vom speziellen Virusstamm und der Virusmenge ab. Im Allgemeinen seien humane Coronaviren nicht besonders stabil auf trockenen Oberflächen. Meist blieben die Viren höchsten ein paar Stunden bis zu wenigen Tagen infektiös, am längsten laut mehreren Studien wohl auf Oberflächen aus Metall. Allerdings kämen, so das Institut, die Studien in der Frage der Lebensdauer der Viren auf Oberflächen nicht immer zum selben Ergebnis. Klar sei aber, dass sich das Coronavirus im Labor im Schnitt als deutlich instabiler erwiesen habe als andere Viren oder Bakterien.

Kann ich mich an importierten Waren wie Mode, Kosmetik, Spielzeug oder Werkzeug aus Risikogebieten anstecken?

Das ist nach allem, was man bisher weiß, unwahrscheinlich, sagt das BfR. Eine Ausnahme: Importierte gekühlte oder gefrorene Lebensmittel, die unter unhygienischen Bedingungen hergestellt wurden, könnten das Virus zumindest theoretisch enthalten. Allerdings sei eine Übertragung auch auf diesem Weg bisher nicht nachgewiesen worden.

Kann ich das Coronavirus von Oberflächen abspülen?

Coronaviren reagieren empfindlich auf fettlösende Substanzen wie sie in Seifen und Geschirrspülmitteln vorkommen, schreibt das BfR. Es gebe dazu zwar noch keine eigenen Studien, es sei aber höchst wahrscheinlich, dass Coronaviren auf diese Weise unschädlich gemacht würden. Das gelte besonders, dann, wenn im Geschirrspüler das Geschirr mit 60 Grad Celsius gereinigt werde.

Bleiben Coronaviren auf Textilien infektiös?

Derzeit liegen dem BfR keine Informationen dazu vor, wie lange das Coronavirus auf Textilien oder in der Waschmaschine infektiös bleibt. Die Coronaviren mögen allerdings keine Waschmittel, sagt das Institut. Deshalb solle man seine Wäsche wie gewohnt waschen. Kleidungsstücke und Bettwäsche, die mit Körperflüssigkeiten Infizierter in Kontakt gekommen sein könnten, solle man bei mindestens 60 Grad mit einem Vollwaschmittel waschen und danach gründlich trocknen.

Schützt hochkonzentriertes Vitamin D gegen eine Coronainfektion?

Es gebe Studien, nach denen Corona-Infizierte oftmals einen Vitamin-D-Mangel haben. Das habe zu weit verbreiteten Spekulationen geführt, dass Vitamin D gegen Corona schütze, sagt das BfR und widerspricht solchen Gerüchten: Es gebe aber bisher in keiner Studie einen Beleg für einen schützenden Effekt durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten. Grundsätzlich sei Vitamin D zwar wichtig für jeden Menschen, die Einnahme hoher Konzentrationen sei allerdings auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Sollte ich in meiner eigenen Wohnung Oberflächen desinfizieren?

Dazu gebe es für gesunde Menschen keinen Grund, sagt das Bundesinstitut für Risikoforschung. Es reiche das Einhalten normaler Hygienemaßnahmen wie häufiges und richtiges Händewaschen mit Seife und die regelmäßige Reinigung von Oberflächen und Türklinken mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln.

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Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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