Mehmet Scholl hat einen Vorschlag: Er bringt Lothar Matthäus als Nachfolger für Jogi Löw als Bundestrainer ins Spiel. Ein Fußballer aus dem Kreis Unna hält das für keine gute Idee. © dpa
Nationalmannschaft

Heimische Fußballer zum Löw-Rücktritt: „Hoffentlich macht‘s nicht der Matthäus“

Jogi Löw kündigt sein Ende als Bundestrainer an und löst seinen Vertrag nach der EM auf. Ist das die richtige Entscheidung? Wer wird sein Nachfolger? Das sagt die Fußballszene aus dem Kreis Unna.

Die Nachricht überraschte am Dienstagvormittag: Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw (61) hat angekündigt, sein Amt im Sommer nach der Fußball-Europameisterschaft aufzugeben. Damit endet nach der verschobenen Euro 2020 eine Ära beim Deutschen Fußballbund. Löw arbeitet seit 2004 für den DFB, übernahm den Posten des Bundestrainers nach dem Sommermärchen 2006 hauptverantwortlich von Jürgen Klinsmann. Nach 17 Jahren hört Löw nun also auf.

Jogi Löw hört nach dem EM als Bundestrainer auf. © dpa © dpa

Das Thema Nationalmannschaft polarisiert. Gerade die Thematik Bundestrainer, haben wir in Deutschland doch schätzungsweise 80 Millionen davon. Wir haben uns in der Vereinslandschaft am Hellweg umgehört und gefragt, was die Sportler, Trainer und Funktionäre von Löws Entscheidung halten.

Nils Hoppe, Spielführer des Holzwickeder SC: „Ich denke, das ist eine Chance für die Mannschaft, sich ab dem Sommer neu zu formieren. Müller, Hummels und Boateng auszusortieren war, denke ich, eine unglückliche Entscheidung. Die erleben jetzt vielleicht ihren zweiten Frühling. Wer es im Sommer wird, ist mir persönlich egal. Da habe ich keine großen Erwartungen. Ich hoffe nur, dass es nicht der Matthäus macht, wie es Mehmet Scholl vorgeschlagen hat. Der reicht mir als Experte im TV-Studio schon.

Nils Hoppe ist es egal, wer neuer Bundestrainer wird. Nur einer soll es ganz bestimmt nicht werden. © Art © Art

Ulrich Eckei, Vorsitzender des BSV Heeren: „Deutschland ist mit Jogi Löw Weltmeister geworden, deshalb geht seine Tätigkeit in Ordnung. Leider ist ihm zuletzt der Neuaufbau nicht so gelungen, dafür bekommt er gerade Kritik. Jetzt gilt es, einen vernünftigen Nachfolger zu finden. Hansi Flick ist eine Alternative, der kennt sich beim DFB bereits aus. Bei Jürgen Klopp glaube ich eher, dass er eine Ideallösung auf Vereinsebene ist, denn bei der Nationalmannschaft ist die Vorbereitung ja meist sehr kurz.“

Timo Milcarek, Spielführer des SuS Kaiserau: „Es wurde Zeit. Löw hat super erfolgreiche Jahre geprägt mit dem Highlight des WM-Titels 2014. Danach ging es aber langsam bergab. Er tut sich und der Mannschaft damit etwas Gutes, denn sein Ruf, den er sich erarbeitet hat, drohte zuletzt ein wenig zu kippen. Ich bin gespannt, was mit Klopp in Liverpool passiert. Ich würde mir wünschen, dass er da noch die Kurve kriegt. Aber wenn er ab dem Sommer frei wäre, könnte ich mir ihn als Nachfolger gut vorstellen. Das Problem des DFB in den letzten Jahren war ja auch ein Mangel an Alternativen für den Posten.“

Tuncay Sönmez hört im Sommer ebenfalls als Trainer auf – jedoch aus anderen Gründen als Jogi Löw. © Neumann © Neumann

Tuncay Sönmez, scheidender Trainer des FC Overberge: „Ich finde, das ist für beide Seiten der richtige Weg und wird der Mannschaft frischen Wind geben. Ich bin auch im Sommer weg, aber das ist bei mir und dem FC Overberge ja eine andere Sache. Löw stand mächtig in der Kritik – teils auch berechtigt. Er hat es jetzt schlau gemacht. Seinen Rücktritt früh anzukündigen, wird ein kluger Schachzug gewesen sein. Das nimmt ihm den Druck vor dem EM. Ich bin gespannt, wer Nachfolger wird. Klopp ist noch zu gierig auf Titel. Der wird’s sicherlich nicht.

Martin Klüting, Unnaer Wirt und Kenner der Fußballszene: „Es ist meines Erachtens an der Zeit für einen Wechsel. Den hätte es bereits nach der desaströsen Vorstellung bei der WM 2018 in Russland geben müssen. Jetzt hat Löw die Konsequenzen gezogen. Ich denke, dass der konservative DFB eine Lösung mit U21-Trainer Stefan Kuntz wählt und keine Zeit in eine Trainersuche investieren will. Jürgen Klopp indes braucht noch das Tagesgeschäft.“

Martin Klüting glaubt, dass U21-Coach Stefan Kuntz gute Chancen hat, Löw zu beerben. © Teimann © Teimann

Sebastian Kurt, Trainer der Reservemannschaft des SV Frömern: „Löws Rücktritt ist die logische Konsequenz. Er und der DFB haben zuletzt viel Gegenwind bekommen. Ich gehe davon aus, dass Löw jetzt nachgibt und zumindest Müller und Hummels mit zur EM nimmt. Ich stelle mir nur die Frage: Spielen wir noch ein vernünftiges Turnier mit Löw? Der DFB sollte besser einen sofortigen Nachfolger präsentieren. Viele sagen, Klopp wäre für den Posten prädestiniert. Ich sehe das nicht so. Er braucht den täglichen Umgang mit seinen Spielern. Auch langfristig sehe ich ihn nicht auf dem Posten.“

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Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann
Redaktion Lokalsport
67er Jahrgang aus dem Herzen Westfalens. Lokaljournalist durch und durch, seit über 25 Jahren mit dem geschärften Blick auf das Sportgeschehen zwischen Lippe und Ruhr.
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