Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Philippos Botsaris. © Jörn Hartwich
Amtsgericht Hagen

„Habe meine eigenen Gesetze“: Mann ersticht seine Freundin – Tochter saß im Kinderzimmer

Das kleine Mädchen saß im Kinderzimmer, als die Mama mit 49 Stichen brutal getötet wurde. Der Täter war der Mann, den die Dreijährige Papa nannte. Die Polizei fand die Leiche durch Zufall.

Es müssen grausame Szenen gewesen sein, die sich in der Nacht auf den 10. Juni 2020 im Wohnzimmer der gemeinsamen Hagener Wohnung abgespielt haben. Zweimal hat der Angeklagte sich ein neues Messer holen müssen. Bei einem war die Klinge abgebrochen, beim anderen hatte sie sich aus dem Griff gelöst. 49 Stich- und Schnittverletzungen hatten die Ärzte später gezählt. „Ich habe meine eigenen Gesetze“, hatte der 25-jährige Serbe den Richtern im Prozess erklärt. Die der Bundesrepublik Deutschland akzeptiere er nicht.

Sah die Frau als sein Eigentum

Auslöser der schrecklichen Bluttat war ein Trennungsstreit. Die Mutter von drei Kindern hatte sich nach einer Affäre mit einem anderen Mann vom Angeklagten trennen wollen. Das habe er laut Urteil des Hagener Schwurgerichts jedoch nicht akzeptieren wollen.

„Er war der Meinung, dass die Frau sein Eigentum war und ihm zu gehorchen hatte“, so Richterin Heike Hartmann-Garschagen. Aus seiner Sicht habe sie nicht das Recht gehabt, sich über seinen Willen hinwegzusetzen. „Er war der Meinung, dass er über Frauen verfügen könne, wie er wolle.“

Leiche durch Zufall gefunden

Der 25-Jährige hatte die Tat im Prozess gestanden. Er sei wütend gewesen, hatte er den Richtern erklärt. Er habe seine Partnerin aber immer geliebt und liebe sie auch heute noch – auch, wenn sie tot sei.

Die Polizei hatte die schrecklich zugerichtete Leiche durch Zufall gefunden. Die Beamten waren zu Hagener Wohnung des Paares gefahren, um den 25-Jährigen festzunehmen und nach Serbien auszuweisen. Dort war er zuvor wegen Menschenhandels zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Jahrelang illegal in Deutschland

Die Leiche der Frau lag unter einer Decke. Der Angeklagte selbst befand sich bei einer Freundin, mit der ebenfalls eine Beziehung geführt hat. Auch die Dreijährige war bei ihm. Nach der Bluttat hatte er sie sogar noch zu einem Kindergeburtstag begleitet.

Der Angeklagte war 2018 illegal nach Deutschland eingereist und hatte sein Leben durch Betrügereien finanziert. Das hatte er im Prozess selbst zugegeben. Durch die Beziehung zu seiner deutschen Partnerin hatte er sich ein Bleiberecht erhofft.

Über den Autor
Gerichtsreporter

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.