Landgericht Bochum

Großbrand in Recklinghausen: Hauptverdächtiger hatte Hafturlaub

Nach einem Großbrand in einem Mehrfamilienhaus steht ein vielfach vorbestrafter Mann aus Recklinghausen vor Gericht. Die Anklage spricht von achtfachen Mordversuch.
Nach einem Großbrand in einem Mehrfamilienhaus steht ein vielfach vorbestrafter Mann (28) aus Recklinghausen erneut vor Gericht. © Jörn Hartwich

Der „Feuerteufel“ kam mitten in der Nacht: Vor knapp einem Jahr ist in einem Mehrfamilienhaus an der Marienburger Straße in Recklinghausen ein lebensgefährliches Feuer gelegt worden. Der mutmaßliche Brandstifter steht seit Montag wegen achtfachen Mordversuchs vor Gericht. Die Vorwürfe bestreitet er. „Er hat diese Tat nicht begangen“, erklärte sein Verteidiger Olaf Krekeler beim Auftakt vor dem Bochumer Schwurgericht.

Alle Hausbewohner schwebten in Lebensgefahr

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der vierfache Vater (28) sich am 8. März 2020 durch eine perfide Brandlegung an seiner Ex-Freundin rächen wollte, die in dem Brandhaus lebt. Angeblich konnte er die Trennung per SMS nicht akzeptieren. Am fraglichen Wochenende hatte der 28-Jährige, ein vielfach vorverurteilter Straftäter, Hafturlaub.

Gegen zwei Uhr nachts soll er Wäschestücke auf den Fußmatten der vier Wohnungen verteilt, angezündet und so bewusst auch die Fluchtwege versperrt haben. Es sei allein glücklichen Umständen der rechtzeitigen Brandentdeckung zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist, hieß es. Alle acht Hausbewohner, darunter zwei Kinder und eine 84 Jahre alte Dame schwebten laut Anklage in Lebensgefahr.

Nachbarin ruft die Feuerwehr und weckt die Bewohner

Eine Anwohnerin (39) von der Marienburger Straße berichtete als Zeugin, dass sie nachts durch ein lautes „Piep-Geräusch“ (offenbar von einem Brandmelder) aufgeschreckt sei und den Notruf abgesetzt habe. „Ich bin dann sofort rüber und habe überall angeschellt“, so die Augenzeugin. Die dort lebende Seniorin sei kurz danach barfuß nach draußen geführt worden. Laut Anklage erlitt die 84-Jährige „Verbrennungen 1. und 2. Grades“ an der Hand sowie an beiden Fußsohlen.

„Der Angeklagte bedauert, was den Personen passiert ist“, sagte Verteidiger Olaf Krekeler. „Aber er hat sich zur Tatzeit nicht am Brandort aufgehalten.“ Gewaltanwendung sei ihm fremd und passe auch nicht zu seinen zahlreichen Diebstahls-Verurteilungen (aktuelles Haftende Ende 2022). Der 28-Jährige sei zwar in Recklinghausen gewesen, will aber lediglich bis spät in die Nacht in einer Kneipe gezecht und dann nach Hause gefahren sein.

wvb

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.