Ukraine-Krieg: Kolonnen von Getreide-LKW und das Kind, das seinen Vater noch nie sah

Redakteur
Johann von Frankenberg (Csilla von Boeselager Stiftung) beim Verteilen von Spendengütern in Odessa.
Johann von Frankenberg hat das Hilfsprojekt der Csilla von Boeselager Stiftung in Odessa besucht und dabei auch beim Verteilen von Spendengütern mit angepackt. Das Projekt wird auch mit Spendengeldern unseres Verlages unterstützt. © Frankenberg
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Seit mehr als 20 Jahren bereut die Csilla von Boeselager Stiftung Hilfsprojekte in der Ukraine. Seit acht Monaten tobt der fürchterliche Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Anfang März hat unser Verlag in Kooperation mit der Csilla von Boeselager Stiftung für die vom Krieg gemarterten Menschen in der Ukraine eine Hilfsaktion gestartet. Und die dort eingegangene Hilfe – bisher rund 400.000 Euro – kommt an.

Davon konnte sich jetzt Johann von Frankenberg vor Ort überzeugen. Der 46-Jährige ist im Vorstand der Stiftung verantwortlich für Projekte. Er besuchte die Stadt Odessa am Schwarzen Meer, wo die Stiftung während des Krieges mit einem Kooperationspartner ein neues Hilfsprojekt gestartet hat.

Was er dort in Odessa gesehen hat, hat Johann von Frankenberg tief beeindruckt, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Unsere Partner vor Ort sind eine rein ehrenamtlich agierende Hilfsorganisation namens New Dawn, die sich erst vor sechs Monaten organisiert hat und den Notleidenden des Krieges auf vielen Wegen beeindruckende Hilfe leistet“, berichtet von Frankenberg.

15.000 Heimatvertriebe mit dem Wichtigsten versorgt

So habe New Dawn in Odessa bisher etwa 15.000 Heimatvertriebene mit Lebensmittelpaketen, Wäsche etc. versorgt. „Sie fahren in die frontnahen Dörfer und verteilen dort mit Artilleriefeuer im Hintergrund Hilfsgüter an alte Menschen, die nicht geflohen sind“, sagt von Frankenberg. Ein Krankenhaus habe man mit neuen Fenstern ausgestattet.

Über Monate habe New Dawn die Stadt Mykolaev mit Trinkwasser versorgt

„Sie kümmern sich um traumatisierte Kinder, die wochenlang während der Kampfhandlungen in Bunkern saßen und bringen Zauberer und Clowns zu ihnen“, sagt von Frankenberg, der ebenfalls nur ehrenamtlich für die Stiftung arbeitet. All diese Hilfe könne New Dawn auch deshalb nur leisten, weil die Csilla von Boeselager Stiftung in den vergangenen Monaten allein neun LKW mit Hilfsgütern finanziert habe.

Bei seinem Besuch in Odessa hatte von Frankenberg auch Gelegenheit, mit Opfern des Krieges zu sprechen. Er berichtet: „Ich traf eine junge Frau mit einem kleinen Kind und einem Säugling. Sie ist im April aus Charkiw hochschwanger geflohen. Ihr Mann ist zu Hause geblieben. Sie bekam das Kind im Westen der Ukraine. Nun lebt sie in Odessa. Der Mann hat sein Baby noch nie gesehen. Jetzt ist er nach Putins Gesetzen russisch. Ein anderes Schicksal ist ein ehrenamtlicher Helfer, der nach einem Raketenangriff die Körperteile seiner Frau eingesammelt und begraben hat. Danach kam er nach Odessa. Dort hat er ehrenamtlich anderen Menschen geholfen.“

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Csilla von Boeselager Stiftung Osteuropahilfe

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Auch in Saporischschja, der Stadt mit dem größten Atomkraftwerk, die im Moment regelmäßig von den Russen beschossen wird, läuft die Hilfe der Stiftung weiter: „Das sind, und das ist für mich immer so beeindruckend, hauptsächlich gar keine Ukrainer, die da die Hilfe leisten, sondern das sind hauptsächlich polnische Albertiner-Brüder, die es als ihre Aufgabe sehen, unter Lebensgefahr zu helfen. Das tun sie ohne Not, denn sie könnten ja auch sagen ,Ich bin Pole, warum sollte ich mich hier in Lebensgefahr für Ukrainer begeben?‘

Besuch hat tiefe Spuren hinterlassen

Bei Johann von Frankenberg hat sein Besuch in Odessa tiefe Spuren hinterlassen, beispielsweise auch diese: „Da waren diese Unmengen an Weizen-LKW, an Getreide-LKW. Wenn wirklich permanent 30, 40 Getreide-LKW hintereinander die Straßen aus dem Land entlang Richtung Hafen fahren, das war noch ein ganz eindrückliches Erlebnis.“

Sein Fazit von dieser Reise steht fest: „„Der Krieg ist sinnlos und grausam. Aber ich habe gelernt, dass Menschen in einem Krieg ihr Leben intensiver leben und erleben als wir in unserem ,sicheren‘ Wohlstand. Wir sollten uns also nicht aufregen, wenn das Essen im Restaurant mal wieder etwas länger dauert oder der Zug Verspätung hat. Die Probleme sind relativ.“