Der Angeklagte hatte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Freier verurteilt: Prostituierte hatte Todesangst

In Essen steigt eine Prostituierte in das Auto eines Freiers. Den Mann kennt sie. Doch diesmal wird das Treffen zu einem Albtraum. Das Landgericht Essen hat nun ein Urteil gesprochen.

Erst war alles wie immer, dann wurde es brutal. Vor rund elf Monaten ist ein Mann aus Oer-Erkenschwick über eine Prostituierte hergefallen. Am Montag wurde der 43-Jährige verurteilt. Die Strafe: drei Jahre und vier Monate Haft.

Der Angeklagte hatte die 52-Jährige schon häufiger besucht. Man traf sich auf dem Essener Straßenstrich, fuhr dann zu einem nahen Parkplatz. Auch diesmal waren wieder 30 Euro vereinbart worden – für im Vorfeld besprochene Handlungen.

Frau hatte Todesangst

Doch diesmal wollte der 43-Jährige plötzlich mehr. Als die Prostituierte ablehnte, griff er ihr in die Haare, schlug ihren Kopf mehrfach brutal vor die Autoscheibe. Sie wurde sogar gebissen und mit einem Schraubendreher bedroht.

„Sie hatte Todesangst“, sagte ihre Anwältin Isabelle Gronemeyer im Prozess am Essener Landgericht. „Sie dachte wirklich, ihr Leben sei gleich zu Ende.“

Die Prostituierte war einen Tag später zur Polizei gegangen, und war auch da noch völlig aufgelöst. „Sie hat bitterlich geweint und mir ihre Verletzungen gezeigt“, sagte eine Beamtin, die damals die Anzeige aufgenommen hat. Ein Kollege von der Kriminalpolizei, der später die Vernehmung gemacht hat, formulierte es im Zeugenstand so: „Ich glaube, die Frau war durch den Vorfall richtig schwer traumatisiert.“

Schmerzensgeld bar übergeben

Der Angeklagte hatte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. „Er bedauert außerordentlich was passiert ist“, sagte einer seiner beiden Verteidiger. Der Schraubendreher sei ein Zufallsfund im Auto gewesen. „Er bereut, dass er ihn in die Hand genommen hat.“

Noch im Gerichtsaal waren später 5000 Euro Schmerzensgeld übergeben worden – in bar. Das Geld hatten mehrere Bekannte mitgebracht und auf dem Gerichtsflur gleich mehrfach gezählt. Dann wurde ein Gummiband um das Bündel gemacht und bereitgelegt.

Angeklagter plant Heirat

Nach Angaben der Verteidiger hat sich der Angeklagte das Geld geliehen. Wie er es zurückzahlen will, ist allerdings unklar. Der 43-Jährige ist nach seiner Flucht aus dem Libanon zwar schon seit 2003 in Deutschland, wird hier aber nur geduldet. Deshalb darf er auch nicht arbeiten.

Sein Status könnte sich demnächst allerdings ändern. Der Oer-Erkenschwicker will heiraten. Seine zukünftige Frau, die ihm ein Bleiberecht verschaffen könnte, erwartet nach seinen Angaben sogar schon ein Kind von ihm.

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Gerichtsreporter

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