Im Schwarzlohnprozess gegen ein Ehepaar aus Lünen haben am Bochumer Landgericht weitere Zeugen ausgesagt. © Werner von Braunschweig
Prozess

Florierendes Drogengeschäft mit 4000-Euro-Kredit aufgebaut – Brüder vor Gericht

Zwei Brüder aus Oer-Erkenschwick haben mit Hilfe eines 4000-Euro-Kredites ein florierendes Drogengeschäft aufgebaut. Vor Gericht geht es jetzt um viele Jahre Haft.

Mit einem 4000-Euro-Kredit sollen zwei Brüder aus Oer-Erkenschwick im vergangenen Sommer ein florierendes Geschäft aufgezogen haben. Pro Tag wurden angeblich rund 700 Euro Umsatz gemacht. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall nun jedoch das Bochumer Landgericht. Bei der Ware, die laut Anklage verkauft wurde, handelte es sich nämlich um Marihuana und Kokain.

Den ersten Hinweis hatte ein psychisch schwer kranker Mann gegeben. Die Polizei war sich anfangs zwar nicht ganz sicher, ob sie der Sache Glauben schenken sollte. Bei ersten verdeckten Ermittlungen hatte sich der Verdacht jedoch erhärtet.

Diensthandy im Einsatz

Mitte Oktober hatten die Fahnder schließlich zugeschlagen. Neben den beiden Brüdern – 32 und 34 Jahre alt – wurde auch noch ein Freund festgenommen. Was der 25-Jährige anschließend bei seiner Vernehmung erzählte, war verblüffend.

Nach seiner Schilderung gab es eine klare Arbeitsteilung. Jeder von ihnen hatte feste Tage, an denen er für den Drogenverkauf zuständig war. Er selbst war immer freitags und samstags im Einsatz.

Angeblich gab es ein „Diensthandy“, auf dem die Bestellungen aufliefen – immer zwischen 15 und 22 Uhr. „Die habe ich dann zu Fuß oder mit dem Fahrrad ausgeliefert“, so der 25-Jährige nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Wolfgang Zeitler. Die beiden Brüder hätten ihm zuvor jeweils 200 Gramm Marihuana und sechs bis acht Gramm Kokain überlassen. Sein eigener Lohn soll jedoch minimal gewesen sein.

Schulden nach Hunde-OP

„Ich habe 30 Euro am Tag bekommen“, sagte der Erkenschwicker den Richtern. Das Geld sei aber immer sofort mit seinen Schulden verrechnet worden. „Einer meiner Hunde musste operiert werden, dafür brauchte ich tausend Euro.“

Die Drogen sollen in einer Gartenlaube und im Kofferraum eines Autos gebunkert worden sein. Auch der Vater der beiden angeklagten Brüder ist ins Visier der Ermittler geraten. Er soll möglicherweise einen Teil des Gewinns in die Türkei gebracht haben.

Baseballschläger griffbereit

Während der 25-Jährige nach seinem sofortigen Geständnis schon kurz nach der Festnahme wieder auf freiem Fuß gekommen ist, sitzen die Brüder weiter in Untersuchungshaft. Aber auch sie haben nach Beratung mit ihren Verteidigern Jens Tuschhoff, Andreas Perner und Rainer Wolff nun die Flucht nach vorne angetreten und Geständnisse abgelegt.

Das Problem ist jedoch: Bei der Razzia waren neben dem Rauschgift auch ein Baseballschläger und ein Hammer gefunden worden. Die Anklage lautet deshalb auf bewaffneten, bandenmäßigen Drogenhandel. Mindeststrafe: fünf Jahre Haft.

Wer das Marihuana und das Kokain geliefert hat, ist unklar. Im Prozess war von zwei Personen aus Recklinghausen die Rede. Urteil voraussichtlich im Juni.

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Gerichtsreporter

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