Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau beim Prozessauftakt am 5. Juni 2020. © Werner von Braunschweig
Prozess

„Fall Marvin“: Mehr als 450 sexuelle Übergriffe – „Reue kann ich nicht erkennen“

Im Prozess um den „Fall Marvin“ hat nun auch Marvins Anwältin plädiert. Sie hatte dem Angeklagten bereits im Prozess Reue und Einsicht abgesprochen. Ihr Antrag fiel drastisch aus.

Mit dem Schlussvortrag von Nebenklage-Anwältin Marie Lingnau ist am Dienstag der Prozess um den Fall Marvin fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche am Bochumer Landgericht elf Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung für Lars H. gefordert. Die Nebenklage ging sogar noch darüber hinaus – forderte insgesamt 15 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung.

Die Plädoyers vor der 8. Strafkammer finden nicht öffentlich statt. Der Angeklagte Lars H. aus Recklinghausen hatte kürzlich nach mehr als 40 „schweigenden“ Prozesstagen doch noch sexuelle Kontakte zu dem Teenager eingeräumt. Die gleichzeitige Behauptung des 46-Jährigen, dass er nur gemacht habe, was der anfangs 13-Jährige ihm gesagt habe, kritisierte Nebenklage-Anwältin Lingnau scharf: „Einsicht und Reue kann ich bei dieser Aussage nicht erkennen.“

Der heute 16-jährige Marvin hatte bei seiner Video-Zeugenvernehmung die Anschuldigungen gegen Lars H. (mehr als 450 sexuelle Übergriffe) bestätigt. Marvin war 2017 verschwunden und Ende 2019 am Rande einer Kinderporno-Razzia in der Wohnung von H. in einem Schrank entdeckt worden. In den kommenden Tagen plädieren die Verteidiger Markus Kluck und Thomas Böhmer. Am 26. August soll der Angeklagte Gelegenheit für das ihm zustehende letzte Wort erhalten.

Das Urteil soll am 2. September verkündet werden.

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