Das Bild zeigt den Angeklagten an der Seite seiner Verteidiger. © Werner von Braunschweig
Prozess

„Fall Marvin“: Angeklagtem droht Sicherungsverwahrung nach Gefängnisstrafe

Im „Fall Marvin“ haben Sachverständige dem angeklagten Lars H. volle Schuldfähigkeit attestiert. Im Falle einer Verurteilung droht dem 45-Jährigen somit eine besonders harte Strafe.

Im Prozess um den „Fall Marvin“ haben zwei Sachverständige dem Angeklagten Lars H. uneingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert – und damit im Falle einer Verurteilung den Weg für eine Bestrafung mit der vollen Härte des Gesetzes geebnet. Außerdem wurden am Donnerstag erstmals auch eigene Erklärungen des Angeklagten zu den mutmaßlichen Übergriffen auf den anfangs 13-jährigen Marvin bekannt.

Der seit Prozessbeginn im Juni am Bochumer Landgericht zu den Missbrauchsvorwürfen durchweg schweigende Lars H. aus Recklinghausen hatte sich nach seiner Festnahme im Dezember 2019 sowohl mit Psychiaterin Maren Losch als auch mit Rechtspsychologin Sabine Nowara unterhalten. Und dabei regelmäßige sexuelle Kontakte zu Marvin keinesfalls ausgeschlossen.

Marvin angeblich „aus Mitleid“ bei sich aufgenommen

„Marvin wollte ja, dass ich jeden Abend etwas mache“, hatte Lars H. aber behauptet. Und damit in den Augen beider Sachverständigen nicht nur Verantwortungs- und Kritiklosigkeit sondern auch beachtliche Bagatellisierungstendenzen offenbart. Angeblich will er Marvin damals auch allein „aus Mitleid“ bei sich aufgenommen haben.

Beide Gutachterinnen gehen sicher davon aus, dass Lars H. im Laufe der Jahre pädophile Interessen ausgeprägt habe. In Bezug auf Marvin war im Prozess sogar von Zügen einer Liebesbeziehung die Rede. „Die Anklagevorwürfe als richtig unterstellt, hatte er in Marvin einen ‚Ersatz-Partner‘“, hieß es.

Lars H. habe einen „Hang zu erheblichen Straftaten“

Mit Blick auf eine möglicherweise über eine Gefängnisstrafe hinaus anzuordnende Sicherungsverwahrung bescheinigten beide Sachverständige Lars H. einen „Hang zu erheblichen Straftaten“ und auch eine äußerst „ungünstige Gefährlichkeitsprognose“. Es sei hochwahrscheinlich, dass er unbehandelt und in Freiheit sofort wieder Kontakte zu pubertierenden Jugendlichen suchen würde, hieß es.

Lars H. verfolgte die Ausführungen der Sachverständigen teils kopfschüttelnd, teils gähnend und demonstrativ gelangweilt. Der 45-Jährige soll den anfangs 13-jährigen Marvin zweieinhalb Jahre in seiner Wohnung in Recklinghausen versteckt, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach sexuell missbraucht haben. Der Prozess wird fortgesetzt. Möglicherweise könnte am 29. Januar ein Urteil fallen.

Dorsten am Abend

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