Der angeklagte ehemalige Sozialarbeiter mit seinem Verteidiger Marc Grünebaum. © Jörn Hartwich
Landgericht Essen

Ex-Sozialarbeiter soll Jugendliche an Freier vermittelt haben – „Nicht übers Alter reden“

Ein ehemaliger Sozialarbeiter soll Jugendliche in seiner Essener Wohnung missbraucht und an andere Freier vermittelt haben. Er erzählt vor Gericht allerdings eine andere Geschichte.

Diese Anklage hat es in sich: Ausgerechnet ein ehemaliger Sozialarbeiter soll mehrere Jugendliche in seiner Essener Wohnung missbraucht und an andere Freier vermittelt haben – für 25 Prozent Provision. Zum Prozessauftakt hat der 51-Jährige die Vorwürfe allerdings vehement bestritten.

„Ich habe keinen zu irgendetwas gezwungen“, sagte der Angeklagte den Richtern am Essener Landgericht. „Ich habe keinen vermarktet und schon gar nicht als Zuhälter fungiert.“

Dass im vergangenen Jahr immer wieder junge Männer in seiner Wohnung waren, will er allerdings nicht bestreiten. Dabei sei es auch zu sexuellen Handlungen gekommen – manchmal auch gegen „Taschengeld“

Alter angeblich nicht gewusst

In einen habe er sich sogar ein bisschen „verliebt“. Dass alle noch unter 18 waren, will der Essener allerdings nicht gewusst haben. „Einer ist sogar mal mit einem 5er-BMW bei mir vorgefahren.“ Ein anderer habe ihm auf Instagram einen Film gezeigt, in dem er ebenfalls am Fahrer am Steuer eines Autos saß.

Nach einem anonymen Hinweis war die Polizei Anfang September 2020 in der Wohnung des Angeklagten aufgetaucht. Neben dem 51-Jährigen trafen die Beamten auch auf zwei Jugendliche. Einer von ihnen gilt im Prozess als Hauptbelastungszeuge.

„Lass uns über das Alter nicht reden“

Der schwerste Vorwurf betrifft einen angeblich erst 13-Jährigen. Auch er soll vom Angeklagten missbraucht und vermittelt worden sein. Dafür wurde angeblich sogar extra ein Foto angefertigt. Als sich einer der Freier laut Anklage über das noch kindliche Aussehen gewundert hat, soll der 51-Jährige in einem Chat so geantwortet haben: „Ach, lass uns über das Alter nicht reden.“

Die Jugendlichen sollen laut Staatsanwaltschaft allesamt aus problematischen sozialen Verhältnissen stammen. Sie sollen Drogen konsumiert und nicht mehr in ihren ursprünglichen Familien gelebt haben.

13-Jährigen soll es nicht gegeben haben

Der Angeklagte selbst behauptet, dass er sie kennengelernt hat, weil sie sich prostituiert hätten. Ein 13-Jähriger sei allerdings nie dabei gewesen. „Es gab keinen 13-Jährigen, der in meiner Wohnung war“, sagte er den Richtern. „Und schon gar keinen, der mit mir Sex hatte oder von mir dazu gezwungen wurde.“

Der Angeklagten ist bereits 1999 wegen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. 2011 erfolgte eine weitere Verurteilung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung. Dabei ging es um Kinderpornographie.

Etwas nebenbei dazuverdient

Als Sozialarbeiter arbeitet der 51-Jährige nach eigenen Angaben schon seit 2015 nicht mehr. Inzwischen ist er Frührentner. Weil das Geld aber nicht gereicht habe, habe er sich mit einem „Massageservice“ etwas dazu verdient. Der Prozess wird fortgesetzt.

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