Die Kita St. Marien Kaiserau an der Pestalozzistraße betreut normalerweise 65 Kinder. Nach einer Quarantäne startete der Betrieb am Montag wieder. © Marcel Drawe
Kita St. Marien Kamen-Kaiserau

Erzieherin stirbt nach Corona-Masseninfektion in Kindergarten

Trauer in der Kita St. Marien Kaiserau in Kamen: Die massenhafte Corona-Infektion nimmt einen tragischen Verlauf. Eine Erzieherin, die sich mit dem Virus angesteckt hat, ist gestorben.

Die Kita St. Marien Kaiserau ist nach Dutzenden Corona-Infektionen unter Kindern und Beschäftigten wieder aus der Quarantäne zurück. Die Wiedereröffnung mit einer kleinen Zahl betreuter Kinder wird überschattet von einem Todesfall unter den Beschäftigten. Eine der infizierten Mitarbeiterinnen ist nach einer Corona-Infektion gestorben.

Der Kindergarten mit 65 Kindern und zwölf Beschäftigten war seit Mitte Dezember infolge einer Masseninfektion geschlossen. Mindestens 41 Kinder und Beschäftigte waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Mindestens 74 Menschen wurden unter Quarantäne gestellt. Eine der infizierten Mitarbeiterinnen erkrankte so schwer an Covid-19, dass sie starb. Thorsten Herrmann, Geschäftsführer des katholischen Kindergartenträgers, bestätigte den Todesfall am Mittwoch auf Anfrage. „Es ist leider eine Mitarbeiterin verstorben“, sagte er.

Trauer in der Kita-Gemeinschaft

Der Tod der Erzieherin erschüttert die Kita-Gemeinschaft. Leiterin Silvia Mühlhaus hat die Eltern über die tragische Entwicklung des Corona-Ausbruchs in der Einrichtung informiert. Das Team hat der verstorbenen Kollegin gedacht. Es findet in der schwierigen Situation auch Unterstützung bei den katholischen Seelsorgern der Gemeinde.

Nicht alle Betroffenen haben die Corona-Infektion bereits überstanden. „Nach Rücksprache mit der Kita-Leitung habe ich erfahren, dass es dem Großteil wieder gutgeht“, sagte der Geschäftsführer.

Knapp ein Zehntel der Kinder ist zurück

Die ersten Kinder kehrten am Montag wieder in die Kita zurück. 14 Kinder wurden von ihren Eltern in die Betreuung geschickt. Das ist noch nicht einmal ein Zehntel aller Kita-Kinder. Die geringe Zahl ist damit zu erklären, dass Eltern laut Appellen der Landesregierung ihre Kinder wegen der Pandemie weiterhin zu Hause betreuen sollen. Ein ähnliches Bild bietet sich in allen 19 Kindergärten in Kamen, wo am Montag nur 190 von insgesamt 1384 Kindern im Rahmen einer Notbetreuung gezählt wurden.

Warten auf den Familienminister

Geht es nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern, bleiben Kitas und Schulen bis 31. Januar weitgehend geschlossen. Kita-Geschäftsführer Hermann wartete am Mittwochmittag noch darauf, wie NRW das konkret umsetzt. „Das müssen wir jetzt abwarten“, sagte er, noch bevor Familienminister Joachim Stamp (FDP) die Entscheidung am Nachmittag verkündete, dass die Kitas in einen Notbetrieb gehen.

Keine Erklärung für hohe Zahl an Infektionen

Keine neuen Erkenntnisse gibt es darüber, wie es zu einer so hohen Zahl von Infektionen in einer Kita kommen konnte. „Wir wissen es nicht. Das Virus kann über das Personal, Kinder oder Eltern in die Kita gelangt sein“, sagte Geschäftsführer Herrmann. Zuerst war eine Erzieherin positiv getestet worden, was aber nicht bedeuten muss, dass sie das Virus in die Einrichtung getragen hat. Daraufhin führte das Gesundheitsamt am 14. Dezember in der Kita 64 Tests durch: 23 waren negativ, 41 positiv. „Alle Betroffenen mussten sich umgehend in Quarantäne begeben. Damit war das Infektionsgeschehen vor Ort eingedämmt“, sagte Behördensprecher Max Rolke am Mittwoch.

Bei der nun verstorbenen Mitarbeiterin soll es sich um eine 44-Jährige handeln, wie unsere Redaktion erfuhr. Dazu scheint zu passen, dass das Gesundheitsamt am 4. Januar meldete, dass eine 44-Jährige aus Unna am 29. Dezember im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben ist. Ob es sich bei diesem Todesfall um die Kita-Mitarbeiterin handelt, wollten weder der Geschäftsführer noch das Gesundheitsamt bestätigen noch dementieren. Behördensprecher Max Rolke verwies auf Datenschutzgründe.

In anderen Kitas waren zuletzt einzelne Corona-Fälle aufgetreten, die zu Schließungen oder Teilschließungen führten. Betroffen waren die evangelische Kita Kämerstraße, die evangelische Kita Unter dem Regenbogen, die evangelische Kita Otto-Prein-Straße und die katholische Kita Heilige Familie. Auch diverse Awo-Einrichtungen hatten schon Corona-Fälle. Unter dem Dach der Katholische Kindertageseinrichtungen Ruhr-Mark gGmbH befinden 70 Kitas aus 14 Städten von Witten bis Fröndenberg.

Über den Autor
Redaktion Kamen
Jahrgang 1973, aufgewachsen im Sauerland, wohnt in Holzwickede. Als Redakteur seit 2010 rund ums Kamener Kreuz unterwegs, seit 2001 beim Hellweger Anzeiger. Ab 1994 Journalistik- und Politik-Studium in Dortmund mit Auslandsstation in Tours/Frankreich und Volontariat bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Lünen, Selm und Witten. Recherchiert gern investigativ, zum Beispiel beim Thema Schrottimmobilien. Lieblingssatz: Der beste Schutz für die liberale Demokratie ist die Pressefreiheit.
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Carsten Fischer

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