Ein Familienvater wurde am Bochumer Landgericht wegen Wucher verurteilt. © picture alliance/dpa
Prozess in Bochum

Ersatzdrogen und 14 Impfungen: Mutter aus Herne soll eigene Kinder missbraucht haben

Eine sechsfache Mutter aus Herne soll ihre Kinder heimlich selbst geimpft und mit Ersatzdrogen vollgepumpt haben. In Kürze wird der 43-Jährigen der Prozess gemacht.

Schwere Vorwürfe gegen eine sechsfache Mutter aus Herne: Die drogenabhängige Frau soll bei ärztlichen Kontrollterminen Urinproben ihrer ältesten Tochter abgegeben, der 16-Jährigen zur Verschleierung der Täuschung zuvor sogar extra Ersatzdrogen eingeträufelt haben. Außerdem soll sie ihrem jüngsten Kind (elf Monate alt) eigenhändig 14 Impfungen injiziert haben. Demnächst beginnt am Bochumer Landgericht der Prozess.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat die seit Jahren heroinabhängige Mutter wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubter Verabreichung von Betaübungsmitteln angeklagt.

Seit dem 23. Februar 2021 sitzt die vielfach vorbestrafte Mutter (19 Voreintragungen im Bundeszentralregister) in der Justizvollzugsanstalt in Gelsenkirchen. Ihre insgesamt sechs Kinder, das jüngste kam im Januar 2018, das älteste im März 2002 zur Welt, sind laut Bochumer Staatsanwaltschaft inzwischen sämtlich vom Jugendamt in Obhut genommen worden.

Die aktuellen Vorwürfe gegen die drogenabhängige Frau wurden im März 2019 durch einen Termin in der Kinderschutzambulanz ausgelöst. Die Mutter war seinerzeit nach einer Meldung eines Kinderarztes mit ihrem jüngsten Kind (elf Monate) wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung dorthin bestellt worden.

Mutter aus Herne soll Ärzte getäuscht haben

Am Rande des Untersuchungstermins wurde dann laut Anklage zutage gefördert, dass bei der 43-Jährigen offenbar ein „Münchhausen-Stellvertretersyndrom“ liegt, sie „medizinisch nicht gebotene Behandlungen“ des kleinen Jungen selbst vorgenommen und die Ärzte getäuscht haben muss.

Die Mutter soll zuvor gegenüber Kinderärzten behauptet haben, den Impfpass für das Kleinkind verloren zu haben. Nachdem das Dokument dann aber wohl plötzlich doch aufgetaucht war, fanden sich laut Staatsanwaltschaft darin 14 Eintragungen für eine Injizierung eines verschreibungspflichtigen Medikamentes zur Behandlung von Antikörpermangelerscheinungen. Die dazugehörigen Rezepte soll die Mutter nach Schwindeleien von einer Kinderärztin ausgestellt bekommen haben.

Laut Anklage soll die Mutter die Impfungen nach den Injizierungen selbst in den Pass eingetragen haben.

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen hatte das älteste Kind die Mutter schwer belastet. Angeblich soll die drogenabhängige Frau ihre Tochter (16) nämlich dazu gebracht haben, für sie Urinproben abzugeben. Ihr Ziel soll dabei gewesen sein, bei der Kontrolle durch ihren Arzt, bei dem die Mutter regelmäßig die Ersatzdroge Methadon erhält, zu vertuschen, dass nebenher weiter Heroin konsumiert wird.

Mutter soll Kind Methadon gegeben haben

Um sicherzustellen, dass in der Urinprobe auch Methadon nachzuweisen ist (sonst wäre die Frau ja sofort aufgeflogen), soll die Hernerin der 16-Jährigen mehrmals einen Esslöffel Methadon eingeträufelt haben. Laut Anklage benahm sich das Mädchen daraufhin seltsam.

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