Der ehemalige Geflüchtete (l.) lebt momentan mit seiner Familie in Afghanistan in einem Container und versucht über die pakistanische Grenze zu fliehen. © Privat
Patenschaftskreis Fröndenberg

Ehemaliger Geflüchteter kämpft in Afghanistan mit Familie um sein Leben

Vor sechs Jahren kam ein junger Afghane als Geflüchteter nach Fröndenberg. Wegen seiner Familie kehrte er in sein Heimatland zurück. Nun befindet er sich auf der Flucht.

Es sind schreckliche und sehr bedrückende Bilder, die man derzeit aus Afghanistan sieht. Menschen klammern sich an Flugzeuge. Hunderte warten am Flughafen, um aus dem Land zu fliehen. Auch ein Familienvater, der für eine Zeitlang in Fröndenberg lebte, kämpft mit seiner Frau und seinem knapp einjährigen Kind ums Überleben.

Im Jahr 2015 kam der damalige 22-Jährige in die Ruhrstadt. Erste Anlaufstelle für ihn war der Patenschaftskreis. „Ich kann mich noch an unsere Begegnungen erinnern. Er war höflich, hatte Manieren und sprach fließend Englisch. Ich mochte ihn“, erzählt Susanne Hippenstiel, ehemalige Vorsitzende des Patenschaftskreises.

Vater erkrankte schwer

Zusammen mit anderen Geflüchteten wohnte er in einer Unterkunft in Altendorf, die davor von Obdachlosen genutzt wurde. Später vermittelte Hippenstiel ihm einen Kontakt und so fand der junge Mann einen Paten in Dellwig.

Nach anderthalb Jahren kehrte er jedoch nach Afghanistan zurück, da er sein Informatik-Studium in Masar-i-Sharif weiterführen wollte. Außerdem entschloss er sich, zu seiner Familie zurückzukehren. „Sein Vater war schwer krank. Er sollte quasi die Rolle des Familienoberhauptes einnehmen“, erklärt die ehemalige Vorsitzende des Patenschaftskreises.

Der Kontakt zwischen Susanne Hippenstiel und ihm blieb jedoch erhalten. „Wir haben uns ab und zu geschrieben“, erzählt sie. Auch in diesen Tagen stehen sie im Austausch – jedoch nicht über den Messenger von Facebook, weil der junge Afghane befürchtet, dass man ihn sonst orten könnte.

„Fröndenberg ist die Stadt meiner Träume“

Aus einer Nachricht von ihm geht hervor, dass er sich aktuell vor den Taliban mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter versteckt. Wo genau ist unklar. Fakt ist, die drei leben in einem Container. Er sagt: „Jeden Tag zerstören Selbstmordanschläge den menschlichen Frieden. Der Krieg dauert länger als 20 Jahre.“

Der Familienvater berichtet, dass die Familie wohl nie wieder in der Provinz leben kann, wo sie ursprünglich herkommt. Aktuell seien sie auf dem Weg gen Nordosten. Ziel ist, die Grenze zu Pakistan zu erreichen.

Zu seiner Zeit in Fröndenberg sagt er: „Wenn ich die Chance hätte, würde ich gerne zurückkehren und dort in Frieden leben. Fröndenberg ist die Stadt meiner Träume. Erst dort habe ich erkannt, dass es Orte gibt, an denen mein Leben einen Sinn hat und dass ich ein Mensch auf Erden bin.“

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
Zur Autorenseite
Maximilian Konrad

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.