Die typischen Tonflaschen der Hasper Brennerei sind weithin bekannt. © Joerg Meier
„Genießer-Stücke aus der Region“

Dieser Ruhrpott-Schnaps wird auch in Berlins Sterne-Restaurants kredenzt

In der Brennerei Eversbusch in Hagen entsteht seit über 200 Jahren ein Branntwein mit legendärem Ruf. Im ganzen Ruhrgebiet und darüber hinaus wird er geliebt und gefürchtet.

Urplötzlich war er wieder in aller Munde. Da hatte der in Hagen-Haspe von den Brüdern Christoph und Peter Eversbusch nach uraltem Familienrezept gebrannte „Wachholder“ (die Hagener Spirituose schreibt sich mit Doppel-h, da man sich einem Rechtschreib-Dekret des Kaisers in Berlin hier nicht beugen wollte/will) in der Blindverkostung die hippesten Gins des Landes abgehängt und eine Medaille gewonnen. Kurz danach war er sogar in den Getränkekarten von Sterne-Restaurants in Berlin zu finden.

Das recht kräftige Getränk, das seit vielen Jahren in Kneipen und Küchen der Region auch „Hasper Maggi“ genannt wird, wird immer noch nach Originalrezeptur des Ur-Ur-Urgroßvaters der Brüder mit derselben Destille gebrannt.

Serie

Genießer-Stücke aus der Region

In unserer Serie „Genießer-Stücke aus der Region stellen wir besondere kulinarische Produkte aus Dortmund oder der Region vor.

Die Gebäude und Räume, die schon die industrielle Revolution und Kriege und zwei Weltkriege durch- und überlebten, stehen seit 2009 unter Denkmalschutz und können besichtigt werden.

Die Firma Eversbusch wurde schon im Jahre 1780 gegründet, bevor dann 1817 eine Brauerei und eine Wachholderbrennerei gebaut wurde. Dort, wo damals gebrannt wurde, befinden sich heute die Büros der Ur-Ur-Urenkel des Gründers.

1907 wurde die aktuelle Wachholderbrennerei gebaut, in der nach überlieferter und bis heute nicht veränderter Rezeptur der berühmte „Doppelwachholder 46 %“ gemacht wird. Bei der Auswahl und dem Import der Wachholderbeeren wird ebenfalls seit mehreren Generationen derselbe Importeur aus der Toskana bevorzugt.

Mini-Explosion im Brennereihof

Bekannt ist der Schnaps vor allem durch die Optik seiner Flaschen. „Eversbusch im Tonkrug“ ist ein feststehender Begriff erst seit ungefähr 100 Jahren und nicht umsonst ging eine größere Flasche auch in den Besitz von Silvia, Königin von Schweden, als diese einst Hagen besuchte.

Wacholderschnaps ist eine sehr traditionelle Spirituose, deren Geschichte weit zurückreicht. Berühmte Schnäpse aus der Beere sind auch der Genever aus den Beneluxländern oder – weltberühmt – der britische Gin.

Wacholderbeeren. Aus ihnen wird seit jeher Gin und anderer Schnaps gemacht. © Joerg Meier © Joerg Meier

Dem fühlte sich Peter Eversbusch einst so nahe, dass er mit seinem Produkt im Jahre 2017 den „Navy Strength Test“ mit durchführte. Der Begriff Navy Strength stammt aus der englischen Marine und bedeutet(e), dass sich Schießpulver das einem „Navy Strength Gin“ durchnässt war, immer noch zündete. Eine Voraussetzung dafür, dass das Getränk auf Kriegsschiffen mitgeführt werden durfte.

Der Brennmeister besorgte sich dafür nun Schießpulver, drapierte dieses im Hof der Brennerei, goss eine kräftigen Schluck aus der Pulle darüber und zündete per Lunte das Gemisch. Test bestanden, es knallte. Zu sehen war das dann auch, wir befinden uns im 21. Jahrhundert, auf Facebook.

Eine günstige Alternative für Mixologen

Inzwischen erweitert man hier in Haspe sehr vorsichtig die Produktpalette: Seit 2017, dem 200-jährigen Standortjubiläum an der Berliner Straße, wird eine etwas „bösere“ Spezialität produziert, der „1817“, ist ein 56-protzentigen Doppelwachholder mit stärkeren Wachholderaroma, der in Manufakturkrügen mit Salzglasur und einem an das erste Etikett der Brennerei angelehnten Etikett versehen ist. Seit kurzem experimentiert man auch mit exklusiven Fasslagerungen und Kaffeemisch-Schnäpsen.

Eine Alternative ist der ehemals so verschriene Shot sicherlich auch für Mixologen, denn als günstiger „Gin & Tonic“-Ersatz funktioniert er recht tadellos. Hier kommt er allerdings auch an Grenzen, den die florale Aromatik vieler Gins kommt er dann nun doch nicht heran.

Dafür bietet er eine klare, starke gerade Wucht. Und es gilt halt auch in Corona-Zeiten ein Werbespruch, den Peter Eversbusch kürzlich aus den Archiven gekramt hat, der aus den 40ern stammt: „Mag das Leben stürmisch branden und uns harte Not umschweben, wird ein „Eversbusch Wachholder“ uns noch schöne Stunden geben“. Aber vorsicht, es ist wie mit Maggi: auf die Dosierung kommt es stark an.

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